Busse, Bahnen

Warum fahren am Freitag Busse und Bahnen nicht?

01.02.2024 - 11:47:06 | dpa.de

Ein Warnstreik folgt auf den nĂ€chsten, alle treffen sie den Verkehr: Nach den FlughĂ€fen wird am Freitag der ÖPNV gestört. Vom Arbeitnehmer bis zum SchĂŒler sind fast alle Bevölkerungsgruppen betroffen.

Tram-Bahnen, Busse und U-Bahnen stehen am Freitag weitgehend still. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Millionen Menschen nutzen tĂ€glich Busse, Tram- und U-Bahnen, um zur Arbeit, zur Schule, in die Uni oder zu FreizeitaktivitĂ€ten zu fahren. Am Freitag dĂŒrfte in den meisten StĂ€dten das Fahrrad oder das Auto die bessere Wahl sein - denn nach ZugausfĂ€llen und gestrichenen FlĂŒgen bleiben jetzt Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen vielerorts in den Depots.

Die BeschĂ€ftigten im ÖPNV wollen so bessere Arbeitsbedingungen erkĂ€mpfen, in einigen BundeslĂ€ndern geht es auch um mehr Geld. Ein Überblick ĂŒber die wichtigsten Fragen:

Was fÀhrt, was fÀhrt nicht?

In mehr als 80 StĂ€dten fahren absehbar so gut wie keine Busse, U-Bahnen und Tram-Bahnen. Nur wenige Busse, die ohnehin von privaten Subunternehmern auf Linien der Verkehrsbetriebe unterwegs sind, können fahren. Nicht betroffen von dem Warnstreik ist der Bahnverkehr wie RegionalzĂŒge, S-Bahnen und ICEs.

Die Gewerkschaft Verdi hat eigenen Angaben zufolge bundesweit rund 90.000 BeschÀftigte in mehr als 130 kommunalen Nahverkehrsbetrieben zum Warnstreik aufgerufen. Meist wird ganztÀgig gestreikt. Die Arbeitsniederlegungen werden in der Regel am Freitagmorgen mit dem Schichtbeginn zwischen 3 und 4 Uhr beginnen. Sie könnten sich bei Betrieben mit Nachtschichten bis in den Samstag hineinziehen.

Beim grĂ¶ĂŸten Nahverkehrsunternehmen in Deutschland, den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), endet der Ausstand schon um 10.00 Uhr. Nicht gestreikt wird in Bayern, dort laufen aktuell keine Tarifverhandlungen fĂŒr den Nahverkehr.

Wo gibt es Informationen ĂŒber AusfĂ€lle?

Die kommunalen Verkehrsbetriebe informieren im Internet und in ihren Apps ĂŒber den Warnstreik und dessen Auswirkungen. Sie verweisen auch auf die Fahrplanauskunft. An Haltestellen mit Anzeigetafeln sollen ebenfalls Informationen angezeigt werden.

Darf ich wegen des Warnstreiks auf der Arbeit oder in der Schule fehlen?

Nein. Das sogenannte Wegerisiko trĂ€gt der Arbeitnehmer. FrĂŒhzeitige Absprachen mit dem Arbeitgeber sind auf jeden Fall von Vorteil - etwa ĂŒber einen möglichen Wechsel ins Homeoffice fĂŒr diesen Tag oder auch ĂŒber den Abbau von Überstunden. FĂŒr SchĂŒler gilt in solchen FĂ€llen weiterhin die Schulpflicht, wie etwa das Schulministerium in Nordrhein-Westfalen mitteilte. Eltern mĂŒssten dafĂŒr sorgen, dass die Kinder zur Schule kommen. Einige Schulen etwa in Berlin und Brandenburg wollten die fĂŒr Freitag geplanten Zeugnisausgaben um einen Tag vorziehen.

Worum geht es in dem Tarifkonflikt?

In den meisten BundeslĂ€ndern geht es um die Arbeitsbedingungen: Verdi fordert kĂŒrzere Arbeitszeiten ohne finanzielle Einbußen, lĂ€ngere Ruhezeiten zwischen einzelnen Schichten, mehr Urlaubstage oder mehr Urlaubsgeld. Damit sollen die BeschĂ€ftigten entlastet und der Beruf attraktiver werden. Die Arbeitgeber etwa in Nordrhein-Westfalen argumentieren dagegen, dass ein zusĂ€tzlicher freier Tag letztlich zu einer Mehrbelastung der vorhandenen BeschĂ€ftigten fĂŒhren wĂŒrde. Auch kritisieren sie den Warnstreik kurz nach dem Verhandlungsstart als ĂŒberzogen.

In Brandenburg, im Saarland, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen wird auch ĂŒber höhere Löhne und GehĂ€lter verhandelt. In Brandenburg fordert Verdi 20 Prozent - mindestens aber 650 Euro - mehr fĂŒr die BeschĂ€ftigten. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll laut Verdi ein Jahr betragen. In Hamburg wird ĂŒber einen neuen Haustarifvertrag fĂŒr die Verkehrsbetriebe verhandelt.

Drohen in den kommenden Wochen dann noch weitere ÖPNV-Warnstreiks?

Ja, weitere Warnstreiks sind vor allem in den BundeslĂ€ndern wahrscheinlich, in denen ĂŒber höhere Entgelte verhandelt wird. Es ist auch gut möglich, dass Verdi erneut eine bundesweit koordinierte Arbeitskampf-Aktion startet. Weitere Warnstreiks sind in einem Bundesland erst dann ganz sicher ausgeschlossen, wenn dort neue TarifvertrĂ€ge unterzeichnet wurden. Konkrete AnkĂŒndigungen fĂŒr weitere Warnstreiks im ÖPNV gibt es aber bisher nicht.

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