Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt weiter
04.11.2024 - 11:18:19Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt weiter. Ende September gab es bundesweit noch 17.187 Apotheken, wie eine Erhebung der Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde (ABDA) ergab. Seit Jahresbeginn sind es damit weitere 384 weniger. In den ersten neun Monaten dieses Jahres fiel der RĂŒckgang zudem stĂ€rker aus - im Vorjahr hatte es von Januar bis Ende September ein Minus von 335 gegeben. Erfasst werden jeweils Hauptapotheken und Filialen, von denen bis zu drei betrieben werden können. Die Bundesvereinigung warnt vor einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung.Â
Jahrelanger AbwÀrtstrend
Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt seit Jahren: Im Jahr 2000 gab es nach ABDA-Zahlen noch 21.592 Apotheken inklusive Filial-Apotheken. Zu den GrĂŒnden zĂ€hlen Kostendruck und Probleme bei der Nachfolgesuche, wenn Inhaber oder Inhaberinnen von Apotheken in den Ruhestand gehen. Mangels Verdienstmöglichkeiten ziehe es einige qualifizierte Menschen in die Industrie, beklagt die ABDA. Die Bundesvereinigung wehrt sich zudem seit langem gegen die Konkurrenz auslĂ€ndischer Versandapotheken, die mit dem neuen E-Rezept werben.Â
Mit 21 Apotheken je 100.000 Menschen liegt Deutschland der ABDA zufolge unter dem Schnitt in der EU, der bei 32 liege. Die Bundesrepublik schneidet demnach bei der Apothekendichte schlechter ab als Spanien (47), Italien (33) und Frankreich (31), aber deutlich besser als die Niederlande (11) oder skandinavische Staaten.Â
Kritik an der Bundesregierung
Der Bundesvereinigung forderte die Politik auf, den RĂŒckgang zu stoppen. «Jede Apotheke, die schlieĂen muss, verschlechtert die Versorgung fĂŒr tausende Patientinnen und Patienten, weil die Wege zur nĂ€chsten Apotheke dann lĂ€nger werden», sagte ABDA-PrĂ€sidentin Gabriele Regina Overwiening. Die Branche mahnte erneut Honorar-Anhebungen an. Die Apotheken seien chronisch unterfinanziert bei seit Jahren steigenden Kosten, so die Bundesvereinigung. Zehn Prozent der Apotheken in Deutschland seien defizitĂ€r, insgesamt weise ein Drittel ein kritisches betriebswirtschaftliches Ergebnis aus.
Lauterbach will Apotheken reformieren
Kritik ĂŒbte die ABDA an der Politik. Was nicht zum Ziel fĂŒhre, sei «eine Entkernung der Apotheke», kritisierte Overwiening. Nach PlĂ€nen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sollen Patienten ihre Arzneimittel auch kĂŒnftig möglichst in einer nahen Apotheke bekommen - allerdings oft nicht mehr von voll ausgebildeten Apothekern. Filial-Apotheken sollen auch dann öffnen dĂŒrfen, wenn nur eine Apothekerin oder ein Apotheker in einer anderen Filiale fĂŒr eine telepharmazeutische Beratung zur VerfĂŒgung steht. Ein Kabinettsbeschluss zu der Reform steht noch aus.


