Finanzen: Nur 45 Prozent junger Erwachsener fühlen sich sicher
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFinanzwissen bleibt lückenhaft
- Für die Erhebung wurden 2.013 Menschen zwischen 18 und 30 Jahren befragt.
- Bei Frauen fühlen sich 36 Prozent sicher, bei Männern sind es 53 Prozent.
- Nur 23 Prozent beschäftigen sich aktuell mit der Altersvorsorge.
Junge Erwachsene suchen Orientierung bei Geldfragen
Rund 80 Prozent der 18- bis 30-Jährigen in Deutschland halten es für wichtig, ihre Finanzen souverän zu verwalten, doch nur 45 Prozent fühlen sich bei Finanzthemen sicher. Mehr als die Hälfte hat Angst, bei finanziellen Entscheidungen Fehler zu machen.
Das geht aus einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken hervor, für die 2.013 Menschen befragt wurden.
Frauen fühlen sich deutlich unsicherer
Bei den jungen Frauen fühlen sich 36 Prozent im Umgang mit Finanzthemen sicher. Unter den Männern liegt der Anteil bei 53 Prozent.
Gleichzeitig beschäftigen sich 72 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche mit Finanzfragen. 46 Prozent empfinden diese Themen häufig als kompliziert, 44 Prozent fühlen sich oft überfordert.
Sparen steht im Mittelpunkt
Am häufigsten geht es den jungen Erwachsenen ums Sparen: 71 Prozent beschäftigen sich aktuell damit. Auf den Umgang mit laufenden Ausgaben und das eigene Budget entfallen 55 Prozent, auf Geldanlagen wie Aktien oder ETFs 43 Prozent. Die Altersvorsorge haben dagegen nur 23 Prozent im Blick.
Digitale Quellen prägen die Suche
42 Prozent informieren sich über Finanzthemen in sozialen Medien wie Instagram oder Tiktok. Jeweils 41 Prozent nutzen Youtube beziehungsweise Podcasts und Suchmaschinen, 34 Prozent greifen bereits auf KI-Tools wie ChatGPT zurück.
Banken und Bankberatung dienen 27 Prozent als Informationsquelle, Schule, Ausbildung oder Studium lediglich neun Prozent. Banken und Bankberatung sowie Familie, Freunde und Bekannte genießen mit jeweils 62 Prozent das größte Vertrauen, während soziale Medien auf 30 Prozent kommen.
Unterstützung bei wichtigen Übergängen gefragt
58 Prozent wünschen sich leicht verständliche Unterstützung bei Finanzthemen. Besonders gefragt ist sie beim ersten eigenen Job oder Einkommen mit 37 Prozent sowie bei der ersten Geldanlage und beim Auszug in die erste eigene Wohnung mit jeweils 34 Prozent.
Als Hindernisse nennen 38 Prozent zu wenig Zeit und 37 Prozent zu komplizierte Inhalte. 31 Prozent schreckt Misstrauen gegenüber dem Anbieter ab, 28 Prozent sorgen sich vor versteckter Werbung und Verkaufsdruck.
Die Umfrage macht eine Lücke zwischen dem Anspruch junger Erwachsener und ihrer gefühlten Handlungssicherheit sichtbar: Vier von fünf Befragten wollen ihre Finanzen souverän verwalten, doch weniger als die Hälfte fühlt sich bei Finanzthemen sicher. Zugleich gehören Geldfragen für viele bereits zum Alltag. Besonders häufig geht es um Sparen und laufende Ausgaben, während die Altersvorsorge deutlich seltener im Fokus steht.
Die Ergebnisse stehen in einem Umfeld, in dem finanzielle Entscheidungen früh und zunehmend digital getroffen werden. Junge Menschen informieren sich häufig über soziale Medien, Videos, Podcasts, Suchmaschinen und KI-Anwendungen. Diese Zugänge sind niedrigschwellig, unterscheiden sich aber stark in Qualität, Transparenz und möglichem Verkaufsinteresse. Dass Banken und das persönliche Umfeld beim Vertrauen vorn liegen, soziale Medien dagegen deutlich schlechter abschneiden, weist auf einen Bedarf an verständlicher und glaubwürdiger Orientierung hin.
Finanzbildung muss Alltagssituationen erreichen
Besonders relevant sind Übergänge wie der erste Beruf, das erste Einkommen, der Auszug oder die erste Geldanlage. Genau dort können praktische Angebote ansetzen: beim Budget, bei laufenden Kosten, Notfallrücklagen, Vertragsentscheidungen und den Grundlagen von Geldanlagen. Die geringe Bedeutung von Schule, Ausbildung und Studium als Informationsquelle zeigt zugleich, dass Finanzbildung bislang viele junge Erwachsene nicht systematisch erreicht.
Für Verbraucher bedeutet die Unsicherheit ein erhöhtes Risiko für Fehlentscheidungen, etwa bei langfristigen Verträgen oder Anlageprodukten. Verständliche Inhalte allein reichen jedoch nicht aus: Angebote müssen auch Zeitmangel, Misstrauen und die Sorge vor Werbung oder Verkaufsdruck berücksichtigen. Die aktuelle Debatte über Finanzbildung an Schulen unterstreicht, dass das Thema inzwischen auch institutionell stärker bearbeitet wird.
