Ostdeutsche Wirtschaft erreicht 2025 nur 79 Prozent des Westniveaus
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie ostdeutsche Wirtschaft holt seit fĂŒnf Jahren gegenĂŒber der westdeutschen Wirtschaft nicht mehr auf. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor, ĂŒber die die âRheinische Postâ in ihrer Samstagsausgabe berichtet.
Ostdeutschland erreicht knapp 79 Prozent des Westniveaus
Nach den neuen Zahlen des IW-Einheitsindex erreichten die fĂŒnf ostdeutschen FlĂ€chenlĂ€nder 2025 knapp 79 Prozent des Westniveaus. Im Vorjahr waren es gut 78 Prozent. Der Index bildet den Aufholprozess seit 1990 ab und berĂŒcksichtigt neben der Wirtschaftsleistung je Einwohner auch ProduktivitĂ€t, Kapitalstock, den Anteil Hochqualifizierter in Forschung und Entwicklung, Erwerbsbeteiligung sowie Arbeitslosen- und SelbststĂ€ndigenquote.
Bei mehreren Kennziffern fĂ€llt Ostdeutschland zurĂŒck oder kommt kaum voran. Die Erwerbsbeteiligung gemessen an der Gesamtbevölkerung sank demnach von knapp 89 Prozent des Westniveaus im Jahr 2010 auf gut 85 Prozent im Jahr 2025.
Investitionen und Forschung bleiben zurĂŒck
Auch beim Kapitalstock ist der Abstand weiterhin groĂ. Der Wert von Maschinen, Fabriken, StraĂen und GebĂ€uden je Einwohner lag 2010 bei knapp 77 Prozent des Westniveaus und 2025 bei gut 79 Prozent. Seit 15 Jahren holt der Osten in diesem Bereich damit nur wenig auf.
Beim Personal in Forschung und Entwicklung erreicht Ostdeutschland der Studie zufolge lediglich gut 46 Prozent des Westniveaus. Zugleich verweist die Untersuchung auf wirtschaftliche Erfolge wie das Tesla-Werk im brandenburgischen GrĂŒnheide, das Chip-Cluster in Dresden und den Ausbau erneuerbarer Energien.
Demografischer Druck nimmt zu
Besonders ungĂŒnstig bewertet das IW die demografische Entwicklung. Nach Bevölkerungsprognosen könnte die Bevölkerung im Osten bis 2045 in einem Szenario ohne Zuwanderung um mehr als ein FĂŒnftel schrumpfen, deutlich stĂ€rker als im Westen.
Die neuen BundeslĂ€nder seien deshalb noch stĂ€rker auf FachkrĂ€fte aus dem Ausland angewiesen. Der Ausblick werde durch eine nach den jĂŒngsten Wahlergebnissen infrage stehende Offenheit fĂŒr Zuwanderung getrĂŒbt. Auch VorstöĂe ostdeutscher MinisterprĂ€sidenten zum Erhalt der Rente mit 63 dĂŒrften der Wirtschaft nach EinschĂ€tzung des IW wenig RĂŒckenwind geben, weil die Region besonders darauf angewiesen sei, erfahrene BeschĂ€ftigte lĂ€nger im Arbeitsleben zu halten.
Der IW-Einheitsindex betrachtet den wirtschaftlichen Aufholprozess Ostdeutschlands nicht allein anhand der Wirtschaftsleistung. Einbezogen werden auch ProduktivitĂ€t, Kapitalausstattung, Qualifikation, Forschung und Entwicklung, Erwerbsbeteiligung sowie Arbeitslosen- und SelbststĂ€ndigenquote. Damit beschreibt der Index mehrere Voraussetzungen fĂŒr dauerhaft höhere Einkommen und eine stabilere wirtschaftliche Entwicklung.
Die Zahlen verweisen auf ein strukturelles Problem: Fortschritte bei einzelnen GroĂprojekten und Zukunftsbranchen reichen nicht automatisch aus, um den Abstand zum Westen insgesamt zu verringern. Besonders relevant sind die geringe PrĂ€senz von Forschung und Entwicklung sowie die nur langsam wachsende Kapitalausstattung. Beides beeinflusst, welche wertschöpfenden ArbeitsplĂ€tze entstehen und wie stark Regionen von konjunkturellen Schwankungen oder einzelnen Unternehmen abhĂ€ngig sind.
Demografie verschÀrft den FachkrÀftemangel
Die Bevölkerungsentwicklung erhöht den Handlungsdruck. Wenn weniger Menschen im erwerbsfÀhigen Alter leben, sinken das ArbeitskrÀfteangebot und zugleich die Chancen, öffentliche Infrastruktur und regionale Daseinsvorsorge dauerhaft zu finanzieren. Die im Bericht genannte AbhÀngigkeit von Zuwanderung betrifft deshalb nicht nur Unternehmen, sondern auch Kommunen, Gesundheitsversorgung und soziale Dienste.
FĂŒr die LĂ€nder ergibt sich daraus ein BĂŒndel an Aufgaben: Investitionen in Verkehr, digitale Netze und Bildung mĂŒssen mit besseren Bedingungen fĂŒr Forschung, UnternehmensgrĂŒndungen und FachkrĂ€ftegewinnung verbunden werden. LĂ€ngere Erwerbsbiografien können den RĂŒckgang abfedern, ersetzen aber weder qualifizierte Zuwanderung noch eine stĂ€rkere wirtschaftliche Basis. FĂŒr BeschĂ€ftigte und Betriebe entscheidet sich damit zunehmend an regionalen Standortbedingungen, ob der Osten neue Wertschöpfung dauerhaft halten kann.
