Taxipreise, Verkehrspolitik

Studie sieht Taxifahrten in Dresden und München besonders teuer

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Eine neue Studie sieht Taxifahrten in deutschen Großstädten im internationalen Vergleich als besonders teuer – der Taxi-Verband widerspricht und kritisiert die Untersuchung scharf. Während der Mietwagenverband Wirfahren mehr Tarifflexibilität fordert, warnt die Branche vor einem Unterbietungswettbewerb durch Plattformanbieter.

Studie: Taxifahrten in deutschen Großstädten vergleichsweise teuer
Taxi (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Taxifahrten in deutschen Großstädten sind einer neuen Studie zufolge im internationalen Vergleich auffällig teuer. Besonders hohe Werte weist die Untersuchung für Städte wie Dresden, München und Köln aus, während selbst die günstigste deutsche Stadt deutlich über vielen europäischen Metropolen liegt.

Vergleich der Fahrpreise mit Europa und New York

Grundlage der Studie des Wettbewerbsökonomen Wolfgang Benedikt Schmal ist eine standardisierte fünf Kilometer lange Fahrt einschließlich vier Minuten Wartezeit. Verglichen wurden die Tarife von 15 deutschen Großstädten mit zehn europäischen Hauptstädten sowie New York. An der Spitze der deutschen Städte liegt Dresden mit 21,97 Euro, gefolgt von München mit 21,80 Euro und Köln mit 21,70 Euro. Berlin kommt auf 18,35 Euro.

Deutschland im internationalen Preisvergleich

Selbst die günstigste der untersuchten deutschen Städte, Dortmund, liegt mit 17 Euro für die Standardfahrt deutlich über Madrid, Rom, Dublin, Warschau und Lissabon. Nur Kopenhagen ist mit 25,04 Euro im internationalen Vergleich teurer, während New York mit 20,57 Euro ebenfalls über vielen deutschen Städten rangiert. Auftraggeber der Studie ist der Bundesverband "Wirfahren", ein Verband der Mietwagenbranche.

BIP-Preis-Quotient als Maßstab

Die Untersuchung bewertet die Taxipreise zudem im Verhältnis zur regionalen Wirtschaftsleistung. Der sogenannte BIP-Preis-Quotient liegt in Dublin bei 8,781, in New York bei 5,590 und in Stockholm bei 4,569. Die deutschen Städte kommen hingegen lediglich auf Werte zwischen 3,336 in München und 1,579 in Dresden. Je höher der Quotient, desto günstiger ist demnach die Taxifahrt im Verhältnis zur Wirtschaftskraft.

Kritik des Bundesverbands Taxi und Mietwagen

Der Bundesverband Taxi und Mietwagen weist die Schlussfolgerungen der Studie zurück und kritisiert deren Methodik. Taxifahren in Deutschland habe einen Preis, der sicherstelle, dass Fahrer sozialversicherungspflichtig angestellt sein könnten, sagte Geschäftsführer Michael Oppermann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Trotz hoher Lohn- und Lohnnebenkosten liege Deutschland seiner Darstellung nach international im Mittelfeld.

Kostenstruktur der Unternehmen im Fokus

Oppermann bemängelt, die Studie berücksichtige die Kosten der Taxiunternehmen überhaupt nicht. Rund zwei Drittel der Ausgaben entfielen auf Personal, hinzu kämen Fahrzeuge, Kraftstoff und weitere betriebliche Aufwendungen. Es sei ihm nicht erklärlich, wie man eine ökonomische Untersuchung zu Taxitarifen anstellen könne, ohne die Kostenstruktur der Unternehmen einzubeziehen.

Debatte um Liberalisierung der Taxitarife

Eine Liberalisierung der Preise lehnt der Verband nicht grundsätzlich ab. Denkbar seien moderate Korridor-Optionen, innerhalb derer Unternehmen ihre Tarife variieren könnten. Zudem müsse die Kartenakzeptanz flächendeckend sichergestellt werden. Gleichzeitig warnt der Verband vor Plattformen, die mit Angeboten außerhalb des Taxitarifs die Preise systematisch unterböten.

Forderung nach Mindestentgelten für Mietwagen

Um ein solches Unterbieten zu verhindern, fordert Oppermann Mindestbeförderungsentgelte für Mietwagen. Plattformen wie Uber treten bislang vor allem als Vermittler zwischen Fahrgästen und Fahrdienstleistern auf, können aber von der flexibleren Preisgestaltung im Mietwagensektor profitieren. Der Verband sieht hier die Gefahr eines Wettbewerbs, der zulasten regulierter Taxiangebote geht.

Streit über Auswahl und Vergleichsstädte

Kritik übt der Taxi-Verband auch an der Auswahl der Vergleichsstädte in der Studie. Es werde weder ein Auswahlkriterium noch ein Sampling Frame oder eine Vollerhebung offengelegt. Städte wie Sofia, Prag, Tallinn oder Zagreb seien nicht berücksichtigt worden und lägen nach eigenen EU-Vergleichen des Verbands bei den Kosten für eine Taxifahrt teils deutlich über deutschen Städten.

Wirfahren plädiert für mehr Preiswettbewerb

Der Bundesverband "Wirfahren" sieht hingegen gerade in der staatlichen Tarifbindung einen Hauptgrund für das hohe Preisniveau in Deutschland. Mehr Preiswettbewerb könne zu niedrigeren und stärker an der regionalen Kaufkraft orientierten Preisen führen, argumentiert die Studie. "Um von diesem Preisniveau wieder herunterzukommen, brauchen wir Flexibilität", sagte Co-Vorsitzender Thomas Mohnke den Funke-Zeitungen. Unternehmen sollten ihre Preise stärker an Angebot und Nachfrage anpassen können.

Die dts-Meldung greift eine Studie zu Taxipreisen in deutschen Großstädten auf, die einen internationalen Vergleich wagt und dabei ein hohes Niveau der hiesigen Tarife konstatiert. Kern der Untersuchung ist ein standardisierter Fünf-Kilometer-Weg mit kurzer Wartezeit, der als Referenz für unterschiedliche Städte dient. Auffällig ist, dass deutsche Großstädte – von Dresden bis Dortmund – deutlich über vielen europäischen Hauptstädten liegen.

Gleichzeitig verdeutlicht die Meldung den Konflikt zwischen klassischen Taxiunternehmen und der Mietwagen- beziehungsweise Plattformökonomie. Der Bundesverband Taxi und Mietwagen kritisiert nicht nur die Methodik, sondern verweist auf die hohe Bedeutung von Sozialversicherung, Personal- und Sachkosten für die Preisbildung. Dem gegenüber steht der Verband Wirfahren, der in der festen Tarifbindung einen zentralen Grund für das höhere Preisniveau sieht und mehr Flexibilität fordert.

Hintergrund des Tarifkonflikts

Die Auseinandersetzung reiht sich ein in die seit Jahren anhaltende Debatte um Mobilitätsplattformen wie Uber und die Regulierung des Personenbeförderungsmarktes. Taxis unterliegen kommunal festgelegten Tarifen und strengen Vorgaben, während Mietwagenunternehmen mit Fahrdiensten über Plattformen weit freier agieren können. Die Studie dient dem Auftraggeberverband als Argument, die Preisbindung zu lockern und Tarife stärker an Angebot, Nachfrage und regionaler Kaufkraft auszurichten.

Bedeutung für Fahrgäste und Branche

Für Verbraucher zeigt die Meldung, wie stark die Endpreise von strukturellen Rahmenbedingungen geprägt sind: Löhne, Sozialstandards, Fahrzeug- und Energiekosten fließen in die Taxitarife ein und sorgen für ein im internationalen Vergleich höheres Niveau. Für die Branche ist entscheidend, ob künftig Mindestentgelte und moderate Korridore eingeführt werden, die Wettbewerb zulassen, ohne Sozialstandards zu gefährden. Der Streit um die richtige Balance wird damit zum Prüfstein für die künftige Ausgestaltung urbaner Mobilität in Deutschland.

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