Roland-Berger-Studie sieht Europa vorn bei 14 Schlüsseltechnologien
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 13:48 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Unternehmensberatung Roland Berger sieht für Europas Wirtschaft gute Perspektiven in wichtigen Technologiefeldern und bescheinigt dem Kontinent eine aussichtsreiche Zukunft. In einer neuen Studie werden Chancen hervorgehoben, in relevanten Wachstumsbranchen eine führende Position zu behaupten oder weiter auszubauen.
Europa mit Stärken in Forschung und Hardware
Die Analyse mit dem Titel „The 2040 Technology Gameplan“ hebt besonders die Bereiche hervor, in denen Europa bereits heute als führend in Forschung und Hardware gilt. Dazu zählen lokale Stromnetze (Microgrids), Quantentechnologien, Medizintechnik und CO2-Abscheidung (Carbon Capture). In diesen Feldern hält Roland Berger eine globale Marktführerschaft europäischer Anbieter für realistisch, sofern bestehende Lücken bei Finanzierung und Kommerzialisierung geschlossen werden.
14 Schlüsseltechnologien mit gewaltigem Marktpotenzial
Insgesamt identifiziert die Studie 30 Technologietrends, die der Weltwirtschaft in den kommenden Jahren neue Wachstumsimpulse geben sollen. Darunter befinden sich 14 Schlüsseltechnologien, die für die Industrie als besonders relevant eingestuft werden und gemeinsam ein Umsatzvolumen von rund 16 Billionen Euro erwarten lassen. Für Europa sieht die Beratung die Möglichkeit, bis 2040 etwa 20 Prozent des globalen industriellen Marktpotenzials dieser Toptrends zu bedienen.
Drei Billionen Euro bis 2040 möglich
Bei erfolgreicher Nutzung der Chancen entspricht der europäische Anteil rund drei Billionen Euro bis zum Jahr 2040. Entscheidende Voraussetzung dafür sind laut Studie bessere Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Technologieprojekten sowie effizientere Wege zur Marktreife neuer Produkte und Dienstleistungen. Nur wenn Innovationen schneller in skalierbare Geschäftsmodelle überführt werden, kann Europa seinen Anteil am globalen Technologiemarkt sichern oder ausbauen.
Wertschöpfung auf dem Kontinent sichern
Die Studie betont außerdem, dass Europa neben der eigenen Innovationskraft auch auf internationale Unternehmensentscheidungen Einfluss nehmen muss. Der Kontinent soll demnach stärker darauf hinwirken, dass außereuropäische Firmen Produktions- oder Entwicklungsaktivitäten in Europa ansiedeln. So lässt sich nach Einschätzung der Autoren sicherstellen, dass ein relevanter Teil der Wertschöpfung in den identifizierten Zukunftstechnologien tatsächlich auf dem Kontinent stattfindet.
Die neue Studie von Roland Berger fügt sich in eine länger laufende Debatte über die Zukunftsfähigkeit der europäischen Wirtschaft ein. Seit Jahren wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Europa bei digitalen Plattformen und großen Internetkonzernen zurückliegt, während es in klassischen Industriebranchen stark bleibt. Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, dass die Analyse explizit Bereiche nennt, in denen Europa schon heute in Forschung und Hardware eine starke Position hat.
Technologische Schwerpunkte und finanzielle Lücken
Mit lokalen Stromnetzen, Quantentechnologien, Medizintechnik und CO2-Abscheidung benennt die Studie Felder, die sowohl für die Energiewende als auch für Gesundheitssysteme und den Klimaschutz zentral sind. Diese Bereiche gelten als kapitalintensiv und forschungsgetrieben, in denen europäische Hochschulen, Forschungsinstitute und spezialisierte Mittelständler bislang gut vertreten sind. Die Studie macht deutlich, dass die entscheidende Herausforderung weniger in der Grundlagenforschung als in der Finanzierung und Kommerzialisierung liegt: Innovationen müssen schneller vom Labor in marktreife Produkte überführt werden.
Industrielles Potenzial und strategische Entscheidungen
Die Aussicht, bis 2040 rund 20 Prozent des globalen industriellen Marktpotenzials von 14 Schlüsseltechnologien zu bedienen, unterstreicht die Bedeutung industriepolitischer Entscheidungen für den Standort Europa. Wenn es gelingt, bessere Rahmenbedingungen für Investitionen, Risikokapital und Skalierung zu schaffen, könnten europäische Unternehmen in Zukunft in wichtigen Technologiefeldern mit Anbietern aus den USA und China auf Augenhöhe konkurrieren. Ebenso zentral ist der Ansatz, internationale Konzerne zu Produktions- und Entwicklungsaktivitäten in Europa zu bewegen, um Wertschöpfung stärker an den Kontinent zu binden und industrielle Kompetenzen dauerhaft zu sichern.
Ausblick für Unternehmen und Politik
Für Unternehmen signalisiert die Studie, dass sich langfristige Strategien in diesen Zukunftsfeldern lohnen können, sofern sie Zugang zu Kapital und gut qualifizierten Fachkräften erhalten. Für die Politik ergibt sich daraus die Aufgabe, Regulierungen, Förderprogramme und Infrastruktur so auszurichten, dass Innovationszyklen beschleunigt werden und Standortentscheidungen zugunsten Europas ausfallen. Die wirtschaftliche Zukunft des Kontinents hängt damit erheblich davon ab, ob er seine vorhandene technologische Stärke in tragfähige Geschäftsmodelle und industrielle Wertschöpfung übersetzen kann.
