Harte, Linie

Harte Linie an US-Grenze: Wird eine Amerika-Einreise zum Risiko?

22.03.2025 - 10:38:12

Eine Reihe von Festnahmen bei der Einreise in die Vereinigten Staaten verunsichert Urlauber und in Amerika lebende AuslÀnder.

Dabei geht es um mehrere FĂ€lle, darunter auch deutscher StaatsbĂŒrger, bei denen Personen trotz vollstĂ€ndiger Papiere die Einreise verwehrt wurde. Teilweise wurden die Betroffenen ĂŒber Tage oder Wochen in Abschiebe-Anstalten festgehalten.

Die HĂ€ufung der FĂ€lle legt die Vermutung nahe, dass diese mit einer strikteren Linie der Grenzbeamten im Zuge der Migrationspolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump zusammenhĂ€ngen. Trump hatte im Wahlkampf deutlich stĂ€rkeren Grenzschutz und mehr Abschiebungen versprochen. An seinem ersten Tag unterschrieb er einen Erlass, demzufolge AuslĂ€nder - seien sie im Land oder bei der Einreise - so weitgehend wie möglichĂŒberprĂŒft werden sollten.

Was Reisende wissen mĂŒssen - AuswĂ€rtiges Amt ergĂ€nzt Hinweise

Gemessen an der Zahl der Einreisenden in die Vereinigten Staaten handelt es sich bei den FĂ€llen weiter um einen kleinen Bruchteil. Trotzdem ergĂ€nzte das AuswĂ€rtige Amt in Berlin die Reisehinweise fĂŒr das Land. "Vorstrafen in den USA, falsche Angaben zum Aufenthaltszweck oder eine auch nur geringfĂŒgige Überschreitung der Aufenthaltsdauer bei Reisen können bei Ein- beziehungsweise Ausreise zu Festnahme, Abschiebehaft und Abschiebung fĂŒhren", heißt es auf der Webseite des Ministeriums seit dieser Woche.

Das Ministerium betonte dabei auch, dass sogenannte Esta-Genehmigungen fĂŒr visafreies Reisen sowie ein US-Visum nicht zur Einreise in die USA berechtigten. TatsĂ€chlich berichteten Reisende zuletzt von deutlich barscheren Befragungen an FlughĂ€fen und GrenzĂŒbergĂ€ngen. Sprachbarrieren können die Konversationen zusĂ€tzlich aufladen.

Drei Deutsche - einer mit Greencard

Es sind drei FÀlle von Deutschen bekannt, die zuletzt bei der Einreise in die USA in Abschiebehaft genommen wurden. Bei zwei von ihnen handelte es sich um Touristen. Eine Frau wurde Medienberichten zufolge beschuldigt, illegal in den USA gearbeitet zu haben. Ein Mann hat demnach eine Frage des Grenzbeamten missverstanden und deswegen fÀlschlich angegeben, in Las Vegas zu leben. Beide wurden mehrere Wochen in US-Haftanstalten festgehalten und sind mittlerweile wieder in Deutschland.

In einem dritten Fall geht es um einen in den USA lebenden Deutschen, der nach Angaben von Angehörigen in Boston festgenommen wurde und nun bereits etwa zwei Wochen in einer Haftanstalt sitzt. Der 34-JĂ€hrige lebt seiner Mutter zufolge seit 2007 in den USA und besitzt mit der sogenannten Greencard eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung. Er wirft den Behörden vor, schlecht behandelt worden zu sein. Unter anderem sei er bei der Befragung am Flughafen angebrĂŒllt worden und habe sich ausziehen mĂŒssen. Die VorwĂŒrfe ließen sich nicht unabhĂ€ngig verifizieren.

Arabern wird NĂ€he zu islamistischen Gruppen vorgeworfen

Rascha Alawieh, eine libanesische Ärztin und Nierenexpertin von der Brown University in Rhode Island an der US-OstkĂŒste, wurde trotz gĂŒltigen Visums die Einreise verweigert und sie umgehend abgeschoben. Laut Behörden fanden sich auf ihrem Handy Hinweise auf Sympathien fĂŒr die libanesische Hisbollah-Miliz. Die Abschiebung erfolgte trotz eines gerichtlichen Stopps und rief Kritik hervor.

Aber auch Immigranten mit gĂŒltigem Aufenthaltsstatus hat es getroffen. Ein in den USA besonders prominenter Fall ist Machmud Chalil, ein Greencard-Inhaber mit palĂ€stinensischen Wurzeln und Absolvent der New Yorker Elite-UniversitĂ€t Columbia. Chalil war ein prominenter Akteur bei propalĂ€stinensischen Demonstrationen auf dem Campus der UniversitĂ€t im vergangenen Jahr. Die US-Behörden nahmen ihn in Manhattan wegen mutmaßlicher UnterstĂŒtzung der islamistischen Hamas fest und wollen ihn abschieben. Der Rechtsstreit hĂ€lt an.

Ähnliche FĂ€lle beschreibt die "New York Times" in einem Artikel. Dem Blatt zufolge geben Betroffene oder ihre Vertreter an, dass sie wegen ihrer Äußerungen ins Visier genommen wĂŒrden und nicht, weil sie gegen Gesetze verstoßen. Die US-Regierung wiederum erklĂ€re, dass es bei den Festnahmen um den Schutz der Amerikaner gehe.

Kritik an Trump genug fĂŒr Ablehnung? US-Behörden verneinen

Ein weiterer Fall ist ein französischer Wissenschaftler, dem die Einreise in die USA verweigert wurde. Bei einer Kontrolle fanden US-Grenzbeamte auf seinem Mobiltelefon französischen Medienberichten zufolge private Nachrichten, in denen er die Forschungspolitik der Trump-Regierung kritisierte. Diese Äußerungen wurden als Grund fĂŒr die Einreiseverweigerung angefĂŒhrt.

Die Vize-Heimatschutzministerin Tricia McLaughlin nannte dies "schlichtweg falsch": Der Wissenschaftler habe vertrauliche Informationen einer US-Forschungseinrichtung bei sich gehabt - "entgegen einer Geheimhaltungsvereinbarung", schrieb sie auf der Plattform X.

Bericht: BĂŒrgerrechtsabteilung in Ministerium fast komplett aufgelöst

Ob sich derartige VorfĂ€lle weiter hĂ€ufen werden, ist offen. Es scheint, dass die US-Regierung interne Kontrollmechanismen schwĂ€cht. Die "New York Times" berichtete am Freitag, dass die Regierung im Heimatschutzministerium fast die gesamte Abteilung fĂŒr BĂŒrgerrechte entlassen habe. Damit sei eine zentrale Kontrollinstanz in der US-Einwanderungspolitik aufgelöst. Mehr als 100 Mitarbeiter wurden angewiesen, sich innerhalb von 60 Tagen eine neue Stelle zu suchen oder mit der KĂŒndigung zu rechnen, wie die Zeitung unter Berufung auf Regierungsquellen schrieb.

@ dpa.de