ROUNDUP, Israels

Israels Regierung und Sicherheitskabinett billigen Gaza-Deal

18.01.2025 - 07:35:02

Eine Waffenruhe im Gazastreifen und die Freilassung weiterer Geiseln aus der Gewalt der islamistischen Hamas rĂŒcken nĂ€her.

Nach Israels Sicherheitskabinett stimmte auch die israelische Regierung nach stundenlanger Sitzung fĂŒr die Vereinbarung mit der Hamas, wie das BĂŒro von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu in der Nacht zum Samstag mitteilte. Die Vereinbarung ĂŒber die Freilassung der Geiseln wird demnach am Sonntag in Kraft treten. Trotz des Widerstands einiger rechtsextremer Politiker gegen den Deal war erwartet worden, dass sich eine Mehrheit fĂŒr das Abkommen ausspricht.

Die Sitzung der Regierung hatte spĂ€ter begonnen als geplant und fand wĂ€hrend des jĂŒdischen Ruhetags Schabbat statt, der am spĂ€ten Freitagnachmittag begonnen hatte. Mehrere ultraorthodoxe Minister verließen die Sitzungen laut israelischen Medienberichten wegen des Schabbat-Beginns vorzeitig. Sie hĂ€tten jedoch SekretĂ€re angewiesen, sie zu den UnterstĂŒtzern des Abkommens zu zĂ€hlen.

Nach dem Regierungsbeschluss können Gegner des Abkommens noch binnen kurzer Zeit beim Obersten Gericht dagegen Einspruch einlegen. Es wird aber damit gerechnet, dass die Richter keinen Grund fĂŒr ein Eingreifen des Gerichts gegen die Vereinbarung vorbringen werden.

Waffenruhe, Freilassungen und humanitÀre Hilfe

Die Feuerpausen-Vereinbarung soll im Gazastreifen am Sonntag um 12.15 Uhr (11.15 Uhr MEZ) in Kraft treten und zunĂ€chst fĂŒr 42 Tage gelten. In der Zeit sollen 33 der insgesamt 98 verbliebenen Geiseln in der Gewalt der Hamas freikommen. Im Gegenzug werden israelischen Angaben zufolge Hunderte palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen.

Zudem soll der wichtige GrenzĂŒbergang Rafah zwischen Ägypten und Gaza wieder öffnen und die humanitĂ€re Hilfe fĂŒr die PalĂ€stinenser deutlich aufgestockt werden. Vorgesehen ist außerdem, dass Israels MilitĂ€r aus dicht besiedelten Gebieten des Gazastreifens abzieht. Die in den SĂŒden des KĂŒstenstreifens geflohenen Einwohner sollen sich wieder frei in Gaza bewegen und unter internationaler Aufsicht in ihre Wohngebiete im Norden zurĂŒckkehren dĂŒrfen.

Die Details der zweiten und dritten Phase des Abkommens wollen die Konfliktparteien wĂ€hrend der ersten Phase klĂ€ren. Uneinigkeit herrscht unter anderem ĂŒber die Frage, wer den Gazastreifen kĂŒnftig regieren soll.

Sollte das Abkommen scheitern, könnten wieder KÀmpfe in dem weitgehend zerstörten PalÀstinensergebiet ausbrechen.

Medien: Minister Ben-Gvir protestiert vor Sitzung gegen Deal

Israels StaatsprĂ€sident Izchak Herzog hatte das Sicherheitskabinett und die Regierung seines Landes dazu aufgerufen, die Vereinbarung mit der Hamas zu billigen. Er lobte die Genehmigung durch das Sicherheitskabinett und erklĂ€rte kurz nach dem Beschluss: "Von ganzem Herzen umarme ich die Familien der Geiseln, insbesondere diejenigen, die wissen, dass ihre Lieben in der ersten Phase nicht zurĂŒckkehren werden."

Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir hatte kurz vor dem Treffen israelischen Medien zufolge noch an andere Mitglieder der Koalition appelliert, gegen das Abkommen zu stimmen. Er hatte zuvor auch damit gedroht, die Koalition zu verlassen, sollte der Deal genehmigt werden.

Welche Geiseln kommen als erste frei?

Israels Justizministerium veröffentlichte nach der Sitzung des Sicherheitskabinetts eine Liste mit den Namen von mehr als 90 palÀstinensischen HÀftlingen, darunter viele Frauen, die im Rahmen des Abkommens zu Beginn freikommen sollen. Nach Informationen der Nachrichtenseite "ynet" ist eine Person dabei, die wegen Mordes verurteilt wurde.

Direkt am Sonntag soll die Hamas die ersten drei Geiseln freilassen. Berichten zufolge wird die Terrororganisation am Samstag bekanntgeben, um wen es sich dabei handelt. Ausgegangen wird von drei Zivilistinnen.

ZunĂ€chst hatte es in Berichten geheißen, die Netanjahu-Regierung werde erst am Samstagabend zusammenkommen, also nach Ende des Schabbat. Angehörige der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln kritisierten dies, da sie eine Verzögerung des Beginns der Waffenruhe und damit auch der Freilassung der EntfĂŒhrten befĂŒrchteten.

@ dpa.de