Einkommensteuerreform, Grundfreibetrag

Einkommensteuerreform 2027: Grundfreibetrag steigt auf 12.900 Euro

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz Mini-Wachstum plant Berlin Bürokratieabbau und Steuerreform. Wissenschaftler warnen jedoch vor Sozialabgaben, die Entlastungen aufzehren.

Konjunkturpaket: Regierung verschärft Reformkurs und plant Steuerentlastung
Ein moderner Schreibtisch mit Dokumenten und einem Tablet, das Wachstumskurven anzeigt, als Symbol für Bürokratieabbau. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Regierung verschärft ihren Kampf gegen die Konjunkturflaute: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fordert weitere Reformen, Digitalminister Karsten Wildberger will die Bürokratie massiv abbauen. Parallel liegen Details zur Einkommensteuerreform 2027 vor.

Wirtschaft unter Druck

Die deutsche Wirtschaft steckt fest. Im zweiten Quartal 2026 wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,2 Prozent zum Vorquartal. Für das Gesamtjahr erwarten Ökonomen gerade einmal 0,5 Prozent, 2027 sollen es 0,9 Prozent werden. Hauptbremsen: hohe Energiepreise infolge des Iran-Krieges und ein schwächelnder Binnenkonsum.

Reiche macht klar: Das im Juli verabschiedete Reformpaket reicht nicht. Sie fordert niedrigere Lohnnebenkosten und konsequenten Bürokratieabbau. Zwar glätte die geplante Einkommensteuerreform die kalte Progression, doch Mittelständler mit höheren Leistungen würden weiter belastet.

30 Prozent weniger Berichtspflichten

Wildberger kündigte am 31. Juli an, die Bürokratie für Unternehmen deutlich zu reduzieren. Bis Dezember soll ein Entlastungskabinett vorbereitet sein – inklusive Beweislastumkehr. Erste Maßnahmen sparten laut Ministerium bereits 10,4 Milliarden Euro ein.

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Weitere Bausteine: eine Genehmigungsfiktion, nach der Anträge nach vier Monaten ohne Bescheid als genehmigt gelten, Erleichterungen durch den Gebäudetyp E und entschlackte DIN-Normen. Scharfe Kritik übte Wildberger an der EU-Kommission – deren Tempo sei zu langsam, die Detailvorgaben zu umfangreich.

Was die Steuerreform bringt

Zum 1. Januar 2027 soll die Einkommensteuerreform in Kraft treten, voll wirken soll sie 2028. Das Entlastungsvolumen: rund 10 Milliarden Euro pro Jahr. Der Grundfreibetrag steigt von 12.348 auf 12.900 Euro, das Kindergeld auf 272 Euro.

Bei hohen Einkommen wird dagegen angezogen: Die Reichensteuer steigt auf 45 Prozent ab 250.000 Euro und auf 47 Prozent ab 280.000 Euro. Die Pauschalsteuer für Minijobs klettert von 2 auf 5 Prozent, die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen sinkt auf 15 Prozent bei maximal 900 Euro.

Wer verliert, wer gewinnt

Doch die Entlastung könnte verpuffen. Finanzwissenschaftler der FAU Erlangen-Nürnberg warnen: Steigende Sozialabgaben fressen die Steuervorteile auf. Der Rentenbeitrag dürfte bis 2028 auf 19,9 Prozent klettern, auch die Beitragsbemessungsgrenzen steigen.

Ein kinderloser Single mit 6.000 Euro brutto verliert demnach 242 Euro pro Jahr. Familien mit mittleren Einkommen um 60.000 Euro können sich dagegen über 600 Euro mehr freuen – so die Berechnungen des IW Köln.

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Neuer Fraktionschef, neue Minister

Begleitet wird die Debatte von personellen Veränderungen: Thorsten Frei wurde am 29. Juli mit 91,9 Prozent zum Vorsitzenden der Unions-Fraktion gewählt und löst Jens Spahn ab. Steffen Bilger übernimmt das Verkehrsministerium, Nina Warken wird Kanzleramtschefin, Carsten Linnemann Gesundheitsminister. Ein neues KI-Migrationsverwaltungsgesetz soll zudem Behördenabläufe modernisieren.

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