Einzelhandel-Streiks: ver.di fordert 7% mehr Lohn ab sofort
13.06.2026 - 00:04:07 | boerse-global.de
Gleich mehrere Baustellen belasten die Branche: Streiks, fehlerhafte Lohnabrechnungen und Umstrukturierungen.
Am heutigen Freitag legten Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen die Arbeit bei Primark, H&M, Zara und TK Maxx nieder. Schwerpunkte waren Dortmund, Bielefeld, Münster, Wuppertal, Neuss und Düren. Auch in Bayern (H&M-Standort Würzburg) sowie in Niedersachsen und Bremen wurde gestreikt.
Die Gewerkschaft ver.di fordert 7 Prozent mehr Entgelt, mindestens 225 Euro pro Monat, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. In Niedersachsen verlangt man zudem einen Mindeststundenlohn von 14,90 Euro. Die Arbeitgeber halten das für unrealistisch – ihr Angebot sieht 2 Prozent ab November 2026 und 1,5 Prozent ab August 2027 vor. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 6. Juli angesetzt.
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Wenn SAP die Gehälter durcheinanderbringt
Doch nicht nur die Tarifrunde sorgt für Spannungen. Beim Modehändler Wöhrl kämpft die Belegschaft mit Software-Problemen. Seit der Einführung eines SAP-Systems im Januar kam es wiederholt zu fehlerhaften Lohnabrechnungen.
Betroffen waren unbezahlte Feiertage, falsch berechnete Provisionen und nicht ausgezahltes Mankogeld. Der Ärger wuchs, als das Unternehmen vermeintlich zu viel gezahlte Provisionen zurückforderte. Der Gesamtbetriebsrat stellte klar: Rückforderungen sind erst nach vollständig korrekten Abrechnungen zulässig.
Leiharbeits-Modell für Minijobber
Parallel dazu gibt es Pläne, Teilzeitkräfte auf 450-Euro-Basis in eine eigene Dienstleistungsgesellschaft (WTHG) zu überführen. ver.di sieht das kritisch. Den Mitarbeitern droht die Kündigung des ursprünglichen Vertrags, um sie als Leiharbeiter neu einzustellen.
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Solche Maßnahmen sind kein Einzelfall. Die Rudolf Wöhrl AG steckt seit Jahren in der Krise. Bereits im September 2016 beantragte sie ein Schutzschirmverfahren. Unter Vorstandschef Andreas E. Mach und Restrukturierer Dr. Christian Gerloff wurden damals 34 Filialen in Ost- und Süddeutschland geprüft. Ergebnis: Schließungen und die Insolvenz der Tochter Wöhrl Mode & Textilhandelsdienstleistungen GmbH.
Volkswagen vor Gericht
Die Vergütungsfragen beschäftigen auch andere Branchen. Gestern verhandelte das Landesarbeitsgericht Niedersachsen eine Klage von Mitarbeitern gegen Volkswagen. Es geht um Prämienzahlungen in der Krise. Das Verfahren zeigt: Der Druck auf die Lohngefüge wächst – während Insolvenzen wie zuletzt bei SinnLeffers die Branchenunsicherheit verstärken.
