Elektro-Lkw: Deutschland braucht bis 2045 bis zu 43 TWh für das Laden
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und des International Council on Clean Transportation (ICCT) prognostiziert einen erheblichen Zuwachs beim Energiebedarf für den schweren Güterverkehr in Europa. Den Studienergebnissen zufolge könnte der jährliche Strombedarf für Elektro-Lkw bis zum Jahr 2045 auf mehr als 200 Terawattstunden (TWh) anwachsen.
Diese Entwicklung hängt jedoch maßgeblich von den politischen Rahmenbedingungen ab; für das Jahr 2035 kalkulieren die Forscher in einem günstigen Szenario mit einem Bedarf von rund 100 TWh. Sollten die Rahmenbedingungen weniger vorteilhaft ausfallen, könnte der Bedarf laut der Analyse lediglich bei etwa einem Drittel dieser Summe liegen.
Deutschland als zentraler Schwerpunkt des europäischen Ladebedarfs
Innerhalb des europäischen Vergleichs weist Deutschland der Studie zufolge den größten Ladebedarf auf. Bis zum Jahr 2045 wird hier mit einem Bedarf von bis zu 43 TWh pro Jahr gerechnet. Damit rangiert die Bundesrepublik deutlich vor anderen europäischen Staaten wie Frankreich, für das rund 35 TWh prognostiziert werden, und Großbritannien mit einem erwarteten Bedarf von rund 34 TWh.
Um diese Zahlen einzuordnen, ziehen die Autoren Daten des Statistischen Bundesamtes heran. Demnach erzeugte Deutschland im Jahr 2025 insgesamt 432 TWh Strom.
Der künftige Bedarf für die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge würde somit einen substanziellen Anteil an der nationalen Stromproduktion beanspruchen. Die Forscher verdeutlichen damit die infrastrukturellen Herausforderungen, die mit der Dekarbonisierung des Transportsektors einhergehen.
Strategische Ausrichtung auf Depots und Logistikzentren
Ein wesentliches Ergebnis der Fraunhofer-ISI/ICCT-Studie betrifft die räumliche und organisatorische Verteilung der Ladevorgänge. Laut Steffen Link, dem Hauptautor der Studie am Fraunhofer ISI, dominiert in allen untersuchten Ländern und Szenarien das Laden im Depot.
Die Fraunhofer-ISI/ICCT-Untersuchung rechnet für Deutschland bis 2045 mit bis zu 43 TWh Ladebedarf — und der entsteht überwiegend im Depot, nicht an der Autobahn. Wer seinen Netzanschluss jetzt dimensioniert, plant günstiger als der, der später nachrüstet. Jetzt kostenlosen Planungs-Report anfordern
Ein Großteil der Energieversorgung werde demnach nicht an öffentlichen Schnellladestationen entlang der Autobahnen, sondern auf dem Betriebsgelände der Logistikunternehmen stattfinden. Der Anteil des Ladebedarfs, der tatsächlich unterwegs anfällt, wird als vergleichsweise gering eingestuft.
Dennoch ergibt sich eine klare geografische Konzentration des Bedarfs. Steffen Link erläuterte, dass sich die notwendige Ladeinfrastruktur vor allem auf zentrale Güterverkehrskorridore, große Industriestandorte und bedeutende Logistikzentren konzentrieren werde. Diese Knotenpunkte müssten entsprechend ertüchtigt werden, um die prognostizierten Lasten bewältigen zu können.
Abhängigkeit vom Einsatzprofil und der Fahrzeuglast
Der tatsächliche Energiehunger der Elektro-Flotten wird laut der Untersuchung maßgeblich vom Einsatzprofil der Fahrzeuge bestimmt. Faktoren wie der Einsatz im Fernverkehr, überdurchschnittlich hohe Jahresfahrleistungen sowie der Transport schwerer Lasten erhöhen den spezifischen Energiebedarf deutlich.
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Diese Parameter seien entscheidend für die Dimensionierung der künftigen Netzinfrastruktur und die Planung von Ladepunkten in den betroffenen Regionen. Die Studie unterstreicht damit die Notwendigkeit einer differenzierten Planung, die sowohl die betrieblichen Abläufe der Speditionen als auch die nationalen Stromkapazitäten berücksichtigt.
