ElektrofachkrÀfte, ZVEH

ElektrofachkrÀfte: ZVEH startet neues Qualifizierungsprogramm

17.06.2026 - 23:26:48 | boerse-global.de

Trotz Konjunkturflaute bleibt der FachkrÀftemangel im Elektrohandwerk akut. Neue Qualifizierungsmodelle und Inklusionsprojekte sollen Abhilfe schaffen.

FachkrÀftemangel im Elektrohandwerk: Neue Wege zur Qualifizierung
ElektrofachkrĂ€fte - HĂ€nde eines PrĂŒftechnikers in Uniform, der elektrische GerĂ€te in einem industriellen Umfeld mit einem PrĂŒfgerĂ€t inspiziert. 17.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Zwar entspannt sich der Arbeitsmarkt leicht, doch spezialisierte PrĂŒftechniker sind weiterhin Mangelware. VerbĂ€nde und Betriebe reagieren mit neuen Qualifizierungsmodellen und Inklusionsprojekten.

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Konjunkturflaute dÀmpft den FachkrÀftemangel

Nach aktuellen Daten von KfW Research fĂŒr das zweite Quartal 2026 berichten noch rund 21 Prozent der Unternehmen von PersonalengpĂ€ssen. Zum Vergleich: 2022 lag der Wert in der Spitze bei 44,5 Prozent.

Besonders betroffen bleibt der Dienstleistungssektor. Hier sehen sich 25 Prozent der Firmen mit fehlenden FachkrĂ€ften konfrontiert – darunter auch spezialisierte PrĂŒfdienstleister fĂŒr elektrische Betriebsmittel. Im Bauhauptgewerbe kĂ€mpft sogar knapp ein Drittel der Betriebe mit EngpĂ€ssen.

KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib warnt jedoch: Der RĂŒckgang sei primĂ€r eine Folge der aktuellen WirtschaftsschwĂ€che. Bei einer konjunkturellen Erholung werde der Mangel voraussichtlich wieder ansteigen.

Neues Qualifizierungsprogramm fĂŒrs Elektrohandwerk

Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) hat Mitte Juni ein neues Teilqualifizierungs-Set (TQ) vorgestellt. Das Programm richtet sich an Mitarbeiter ab 25 Jahren und basiert auf der offiziellen Ausbildungsverordnung fĂŒr Elektroniker der Fachrichtung Energie- und GebĂ€udetechnik.

Das modulare System umfasst sieben Einheiten, die online oder hybrid absolviert werden können. Ziel ist der Gesellenbrief ĂŒber eine ExternenprĂŒfung. Da das Programm förderfĂ€hig ist, kann die Bundesagentur fĂŒr Arbeit unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten vollstĂ€ndig ĂŒbernehmen. Solche Maßnahmen sollen Quereinsteiger fĂŒr technische Aufgaben qualifizieren – etwa fĂŒr die PrĂŒfung ortsverĂ€nderlicher Betriebsmittel nach DGUV Vorschrift 3.

Strengen Regeln fĂŒr PrĂŒfpersonal

Die fachliche Eignung fĂŒr elektrische PrĂŒfungen unterliegt klaren Vorgaben. GemĂ€ĂŸ der Technischen Regel fĂŒr Betriebssicherheit (TRBS) 1203 mĂŒssen PrĂŒfpersonen ihre Kenntnisse regelmĂ€ĂŸig aktualisieren. Die Verordnungen schreiben zwar keinen starren Zeitabstand fĂŒr Auffrischungsschulungen vor. Betriebe mĂŒssen diese Intervalle aber eigenverantwortlich festlegen.

Branchenexperten orientieren sich hĂ€ufig an einem Zeitraum von etwa drei Jahren. So können sie auf Änderungen in den VDE-Bestimmungen reagieren. Nur mit kontinuierlicher Fortbildung dĂŒrfen Mitarbeiter als „befĂ€higte Personen“ rechtssicher PrĂŒfungen an ortsverĂ€nderlichen elektrischen Betriebsmitteln durchfĂŒhren.

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Inklusion und Einwanderung als Lösung

Neben der klassischen Ausbildung gewinnen alternative Rekrutierungswege an Bedeutung. In Diepholz nahm vor einigen Monaten das Inklusionsunternehmen „ZusammenWerk“ den Betrieb auf – eine Tochtergesellschaft der Delme-WerkstĂ€tten. Das Unternehmen hat sich unter anderem auf die DGUV-V3-PrĂŒfung spezialisiert.

Die Besonderheit liegt in der Personalstruktur: 40 bis 50 Prozent der ArbeitsplĂ€tze sind fĂŒr Menschen mit Schwerbehinderung vorgesehen. Das Projekt wird in den ersten fĂŒnf Jahren von der Aktion Mensch unterstĂŒtzt und deckt einen Einsatzradius von rund 50 Kilometern ab.

Parallel dazu werden Projekte zur FachkrĂ€fteeinwanderung erprobt. In Brandenburg an der Havel sind im Rahmen des Pilotprojekts „FIT for German Climate Businesses“ seit vier Monaten FachkrĂ€fte aus Usbekistan im Bereich der Haustechnik tĂ€tig. Ziel ist eine praxisorientierte Qualifizierung zur vollwertigen Anerkennung der BerufsabschlĂŒsse.

Die angespannte Lage am Ausbildungsmarkt unterstreicht die Notwendigkeit dieser Maßnahmen. Die zahl der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss ist innerhalb von zehn Jahren um ĂŒber 42 Prozent gesunken. Der Anteil von Abiturienten in Handwerksberufen ist dagegen leicht gestiegen. Die Branche muss verstĂ€rkt in die Weiterbildung und Nachqualifizierung bestehender Belegschaften investieren.

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