Emissionshandel: EU weitet CO2-Abgaben auf Flüge ab 2029 aus
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 01:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Kommission plant, den Emissionshandel auf internationale Flugstrecken auszuweiten. Ab 2029 sollen Airlines für Flüge aus der EU in Nachbarregionen wie den Nahen Osten, die Türkei und Nordafrika CO2-Abgaben zahlen. Die Pläne stoßen auf heftige Kritik – sowohl von internationalen Partnern als auch der Luftfahrtbranche.
Nur Strecken unter 5.000 Kilometern betroffen
Der CO2-Preis gilt ausschließlich für Flugstrecken unter 5.000 Kilometern. Eine Verbindung von Paris nach Dubai wäre demnach abgabepflichtig, ein Direktflug nach New York nicht.
Branchenanalysten von Transport & Environment rechnen vor: Rund 47 Prozent des gesamten Luftverkehrs wären von der Regelung ausgenommen. Die US-Regierung zeigte sich laut Berichten „tief besorgt“. Airlines wie Emirates warnen vor einer Doppelbelastung – viele betroffene Gesellschaften nehmen bereits am internationalen Kompensationssystem CORSIA teil. Die EU-Kommission verweist auf einen geplanten Abzugsmechanismus, der Mehrfachbelastungen verhindern soll.
Reform des Emissionshandels: Mehr Zeit für die Industrie
Parallel dazu legte die EU-Kommission Mitte Juli 2026 Vorschläge für eine umfassende ETS-Reform vor. Kernpunkt: längere Übergangsfristen für die Industrie. Statt wie geplant zwischen 2026 und 2034 sollen kostenlose Emissionszertifikate nun bis 2038 schrittweise auslaufen.
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Unternehmen können 80 Prozent ihrer Gratiszertifikate vorab erhalten – vorausgesetzt, sie legen konkrete Dekarbonisierungspläne vor. Klimaexperten kritisieren die Aufweichung als mögliches Hindernis für den Klimaschutz. Industrievertreter wie der Verband der Chemischen Industrie mahnen dagegen: Die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber außereuropäischen Standorten müsse gewahrt bleiben. Vorreiter der Transformation – etwa Saarstahl mit geplanten Milliardeninvestitionen – fordern ein verlässliches, klares Preissignal für CO2.
Streit um Häfen: Schiffe weichen aus?
Auch im Seeverkehr sorgt der Emissionshandel für Diskussionen. Seit dem 1. Januar 2024 ist die Branche in das EU-ETS integriert. Die europäische Hafenorganisation ESPO fordert Nachbesserungen. Ihre Sorge: Schiffe könnten verstärkt Ausweichhäfen außerhalb der EU ansteuern – etwa Tanger Med in Marokko oder Port Said in Ägypten.
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Zudem droht eine Verlagerung von Kurzstreckenseeverkehren auf die Straße. Lkw sind noch bis 2028 von vergleichbaren Regelungen ausgenommen. Die ESPO schlägt vor, das sogenannte 65-Prozent-Transshipment-Kriterium abzuschaffen und mehr ETS-Erlöse direkt in die Hafenmodernisierung zu investieren.
Seit Start des Emissionshandels 2005 hat die EU mehr als 270 Milliarden Euro eingenommen. Die Emissionen im betroffenen Sektor sanken um rund 50 Prozent. Für eine saubere Schifffahrt sieht der aktuelle Planentwurf zudem 110 Millionen Zertifikate vor.
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