Entgelttransparenz: Frist endet am 7. Juni â Unternehmen drohen Klagen
06.06.2026 - 19:06:23 | boerse-global.de
An dem Treffen des Koalitionsausschusses von Union und SPD nehmen je vier Vertreter von Gewerkschaften und ArbeitgeberverbĂ€nden teil. Ziel: Kompromisse fĂŒr Standort-Reformen und eine nachhaltige StĂ€rkung der WettbewerbsfĂ€higkeit.
Merz bat die VerbĂ€nde, vor dem Termin gemeinsame VorschlĂ€ge zu erarbeiten. Er dĂ€mpfte zugleich die Erwartungen an schnelle DurchbrĂŒche. Die Politik treffe die Entscheidungen, die Tarifpolitik liege in den HĂ€nden der Sozialpartner.
WĂ€hrend die Politik ĂŒber Reformen berĂ€t, stehen BetriebsrĂ€te vor der Herausforderung, ihre Mitbestimmungsrechte im digitalen Wandel aktiv durchzusetzen. Ein kostenloser Ratgeber erklĂ€rt praxisnah, wie Sie das âHerzstĂŒck der Mitbestimmungâ gemÀà § 87 BetrVG fĂŒr die Belegschaft nutzen. Mitbestimmungsrechte nach § 87 BetrVG jetzt kostenlos nachlesen
Gewerkschaften fordern Mitbestimmung bei KI
Ein zentraler Punkt der Debatte ist die Einbindung von Arbeitnehmervertretern in den technologischen Wandel. Der DGB Berlin-Brandenburg fordert eine frĂŒhzeitige und verbindliche Beteiligung von Betriebs- und PersonalrĂ€ten beim Einsatz KĂŒnstlicher Intelligenz. Hintergrund ist unter anderem der geplante Rollout des Sprachmodells âLLMoinâ in der Brandenburger Landesverwaltung.
Ăber das BRAIN-Netzwerk wurden laut DGB bereits mehr als 200 Betriebs- und PersonalrĂ€te qualifiziert. ver.di drĂ€ngt darauf, bestehende Gesetze wie das Landespersonalvertretungsgesetz zu nutzen oder zu modernisieren. Ziel sind verbindliche KI-Leitlinien auf Landesebene.
Arbeitgeber drÀngen auf flexiblere Arbeitszeiten
Auf Arbeitgeberseite steht die Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes im Fokus. Der Unternehmerverband Mittelhessen spricht sich fĂŒr eine wöchentliche statt tĂ€gliche Höchstarbeitszeit aus. Das wĂŒrde mehr FlexibilitĂ€t bringen und sich an EU-Vorgaben orientieren. Ein Gesetzentwurf wird in den kommenden Wochen erwartet.
Die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeiten und die strengen EU-Vorgaben zur Dokumentation stellen Betriebe vor enorme rechtliche Herausforderungen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Arbeitgebern, wie sie Arbeitszeiten und Ăberstunden rechtssicher organisieren und teure BuĂgelder vermeiden. Gratis-E-Book: Arbeitszeiten und Ăberstunden rechtssicher regeln
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks fordert zudem eine Senkung der SozialbeitrĂ€ge auf 40 Prozent. PrĂ€sident Jörg Dittrich bezeichnet das als entscheidenden Faktor fĂŒr die wirtschaftliche Belebung. Er spricht sich fĂŒr einen mehrjĂ€hrigen Testlauf flexibler Wochenarbeitszeiten aus.
EU-Entgelttransparenz: Frist lÀuft am Sonntag ab
Die Frist fĂŒr die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie endet am 7. Juni. Bisher liegt kein Gesetzentwurf vor. Arbeitsrechtler warnen vor erhöhten Klagerisiken fĂŒr Unternehmen. Der unerklĂ€rte Teil des Gender-Pay-Gaps lag 2025 bei etwa sechs Prozent.
Die schwarz-rote Koalition strebt eine bĂŒrokratiearme Umsetzung an. Experten mahnen zur Eile. Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts zeigt die Tendenz: Schon ein einzelner mĂ€nnlicher Vergleichskollege mit höherer VergĂŒtung kann einen Diskriminierungsverdacht begrĂŒnden.
Steuerdebatte und Pflegereform: Gewerkschaften gehen auf Konfrontation
DIW-PrĂ€sident Marcel Fratzscher fordert eine Vermögensteuer von zwei Prozent auf Nettovermögen ĂŒber 20 Millionen Euro. Das könnte jĂ€hrliche Einnahmen von rund 42 Milliarden Euro bringen. Der DGB geht weiter und schlĂ€gt eine einmalige Abgabe von zehn Prozent ab zehn Millionen Euro vor.
Kritik ĂŒben die Gewerkschaften am Referentenentwurf zur Pflegereform. DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnet die PlĂ€ne als reines Sparpaket. Vorgesehen sind eine VerschĂ€rfung der Pflegegradeinstufung und KĂŒrzungen bei den RentenbeitrĂ€gen fĂŒr pflegende Angehörige. Die Einsparungen: rund zwei Milliarden Euro pro Jahr. Der DGB fordert den RĂŒckzug des Entwurfs und eine Pflegeversicherung fĂŒr alle BĂŒrger.
