Erster Strafprozess gegen Ex-PrÀsidenten gestartet
15.04.2024 - 18:52:30(Entwicklungen aktualisiert, mehr Details)
NEW YORK (dpa-AFX) - Erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten hat ein Strafprozess gegen einen ehemaligen US-PrÀsidenten begonnen. Das zustÀndige Gericht eröffnete den Prozess gegen Donald Trump in Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an eine Pornodarstellerin am Montag in New York. Die Staatsanwaltschaft legt Trump FÀlschung von GeschÀftsunterlagen zur Last. Trump hat auf nicht schuldig plÀdiert.
Auf der Tagesordnung stand die Auswahl der Geschworenen, die sich ĂŒber mehrere Tage hinziehen könnte. ZunĂ€chst aber wurde in dem schmucklosen holzvertĂ€felten Gerichtssaal im SĂŒden Manhattans ĂŒber AntrĂ€ge von Trumps Anwaltsteam beraten. Unter anderem wies Richter Juan Merchan dabei einen Antrag von Trumps AnwĂ€lten zurĂŒck, der gefordert hatte, dass er sich von dem Prozess zurĂŒckziehen solle.
Trump saĂ in dunkelblauem Anzug und roter Krawatte auf der Anklagebank zwischen seinen Verteidigern, mit denen er sich immer wieder flĂŒsternd beriet. Ansonsten verfolgte er die VorgĂ€nge weitgehend ausdruckslos - abwechselnd zurĂŒckgelehnt mit fast geschlossenen Augen, auf den Tisch gestĂŒtzt oder mit vor der Brust verschrĂ€nkten Armen. Der Ex-PrĂ€sident Ă€uĂerte sich vor Gericht zunĂ€chst nicht selbst, nahm aber nickend und zustimmend murmelnd zur Kenntnis, als Richter Merchan ihm seine Rechte und Pflichten wĂ€hrend des Prozesses vorlas.
Der Prozess könnte nach Gerichtsangaben bis zu acht Wochen dauern. Trump wolle "bei allem dabeisein", sagte sein Anwalt Todd Blanche beim Auftakt. Bei einer Verurteilung könnte dem 77-JĂ€hrigen eine mehrjĂ€hrige GefĂ€ngnisstrafe drohen, die auch auf BewĂ€hrung ausgesprochen werden könnte. Die AnwĂ€lte des Republikaners, der im November erneut zum US-PrĂ€sidenten gewĂ€hlt werden will, hatten bis zuletzt noch versucht, das Verfahren abzuwenden, zu verlegen oder zu verzögern. Trump Ă€uĂerte sich kurz vor der Eröffnung des Prozesses und sagte: "Das ist ein Angriff auf Amerika, so etwas hat es noch nie gegeben."
Vor dem Gericht hatten sich schon in den frĂŒhen Morgenstunden Hunderte Journalisten mit dutzenden Ăbertragungswagen versammelt, auĂerdem einige wenige Trump-AnhĂ€nger und Gegendemonstranten. Trump nutzte den Gerichtstermin auch, um seine AnhĂ€nger um finanzielle UnterstĂŒtzung zu bitten. "Ich bin jetzt vor Gericht", hieĂ es in einer Mitteilung ĂŒber Trumps Wahlkampfteam. "An diesem dunklen Tag brauche ich Eure UnterstĂŒtzung."
Hintergrund des Falls ist, dass Trump 2016 kurz vor seiner Wahl zum PrĂ€sidenten 130 000 US-Dollar Schweigegeld an die Pornodarstellerin Stormy Daniels zahlen lieĂ. Sie hatte behauptet, Sex mit ihm gehabt zu haben. Trump bestreitet eine AffĂ€re, nicht aber, dass Geld geflossen ist. Schweigevereinbarungen zwischen zwei Parteien sind nicht grundsĂ€tzlich illegal. Trump wird aber vorgeworfen, er habe die Zahlungen unrechtmĂ€Ăig verbucht, auf illegale Weise zu verschleiern versucht und damit andere GesetzesverstöĂe vertuschen wollen.
Derzeit sind in den USA auch noch drei weitere Strafprozesse gegen Trump in der Vorbereitung, unter anderem wegen versuchten Wahlbetrugs und der Mitnahme geheimer Regierungsdokumente. Zudem gibt es zahlreiche Zivilprozesse. Der Ex-PrÀsident und sein Anwaltsteam versuchen, die Verfahren mit allen Mitteln zu blockieren, und waren damit teilweise auch schon erfolgreich.
In dem Schweigegeld-Prozess geht es um weniger schwerwiegende VorwĂŒrfe als in den anderen FĂ€llen. Experten zufolge ist es aber der Prozess, der womöglich als erster abgeschlossen werden könnte. Trump bestreitet alle VorwĂŒrfe gegen ihn und sieht sich als Opfer einer politisch motivierten Justiz.

