China, EU-Kammer

China bald unattraktiv? EU-Kammer fordert Handeln Pekings

11.09.2024 - 03:00:35

Erschwerter Marktzugang, undurchsichtige Regelungen, schwache Nachfrage: AuslÀndische Firmen kÀmpfen in China mit Problemen. Ist das Land noch ein guter Standort? Die europÀische Handelskammer warnt.

  • Die EU-Handelskammer in China fordert von Peking, Reformen tatsĂ€chlich umzusetzen statt diese nur zuzusagen. (Archivbild) - Foto: Ng Han Guan/AP/dpa

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  • Die EU-Handelskammer fordert China auf, jetzt zu handeln, damit das Land fĂŒr auslĂ€ndische Firmen attraktiv bleibt.  - Foto: Johannes Neudecker/dpa

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Die EU-Handelskammer in China fordert von Peking, Reformen tatsĂ€chlich umzusetzen statt diese nur zuzusagen. (Archivbild) - Foto: Ng Han Guan/AP/dpaDie EU-Handelskammer fordert China auf, jetzt zu handeln, damit das Land fĂŒr auslĂ€ndische Firmen attraktiv bleibt.  - Foto: Johannes Neudecker/dpa

Chinas Markt wird fĂŒr europĂ€ische Unternehmen einem Bericht zufolge wegen nicht erfĂŒllter Reformen und zunehmender Probleme unattraktiver. «Wir sehen, dass Chinas AttraktivitĂ€t im Vergleich zu anderen Standorten etwas abnimmt», sagte der PrĂ€sident der EU-Handelskammer in China, Jens Eskelund, in Peking. Bei einigen Firmen fangen die Risiken einer Investition in China bereits an, die ErtrĂ€ge zu ĂŒberwiegen, wie aus dem jĂ€hrlichen Positionspapier der Kammer hervorgeht. Dieser Trend werde sich verstĂ€rken, wenn Hauptbedenken der Unternehmen nicht angegangen wĂŒrden. «Konkretes Handeln ist deshalb nötig, um das Blatt noch zu wenden», forderte die Interessenvertretung mit mehr als 1.700 Mitgliedern. 

Die Liste der Bedenken ist lang und drĂŒckte das Vertrauen der Firmen in China auf ein Allzeittief: Die Wirtschaft kommt nicht in Gang, der Marktzugang bleibt erschwert und der Konsum im Inland ist schwach. Zudem verunsichert die regierende Kommunistische Partei immer wieder mit undurchsichtigen Gesetzen im Namen der nationalen Sicherheit viele Firmen. Eine Folge: Die Unternehmen mĂŒssen mehr fĂŒr Rechtsberatung ausgeben. 

«Long Covid» in Chinas Wirtschaft?

«Die Berechenbarkeit, ZuverlĂ€ssigkeit und Effizienz, die den chinesischen Markt fĂŒr auslĂ€ndische Unternehmen so attraktiv gemacht haben, nehmen weiter ab, und das GeschĂ€ftsumfeld ist noch politisierter», hieß es in dem Papier. Dazu komme nun laut Eskelund, dass sich die wirtschaftliche Lage in China verschlechtere. «Es fĂŒhlt sich ein wenig so an, als hĂ€tte die chinesische Wirtschaft Long Covid», sagte er. Nach der Corona-Pandemie habe sie es bislang nicht geschafft, wieder vollstĂ€ndig auf die Beine zu kommen.

Entsprechend sind die Aussichten: In China Geld zu verdienen, werde problematischer, erklĂ€rte Eskelund. Margen fielen außerhalb der Volksrepublik teils besser aus, was sich in Zukunft verstĂ€rken könnte. Viele Firmen spĂŒrten, an einem «Wendepunkt» zu stehen, an dem sie sich fragen mĂŒssten, mehr in ihr China-GeschĂ€ft zu investieren oder vielleicht einen anderen, langfristig profitableren Standort zu suchen. Eskelund schĂ€tzt grob, dass ein Drittel bis die HĂ€lfte der EU-Firmen mit Blick auf weitere Investitionen an der Seitenlinie abwartet, wie sich die Wirtschaft entwickelt und gegebenenfalls ihre Strategie fĂŒr China ĂŒberdenkt. Dies sei die Gruppe, der Peking beweisen mĂŒsse, dass China weiter ein attraktiver Standort sei, betonte Eskelund.

Kein RĂŒckzug erkennbar 

Trotz der Probleme sieht die Handelskammer nicht, dass ihre Mitglieder den RĂŒckzug antreten wollen. FĂŒr die Auto- oder Chemie-Branche ist die Volksrepublik laut Eskelund zu wichtig. Fast ein Drittel der weltweiten Container-Exporte komme aus China. «Wenn man nicht in China ist und hier weiter investiert, ist man dann einfach keine globale Firma mehr», sagte er. Laut der Kammer prĂŒft rund ein Viertel der Mitglieder aber als Lehre aus der Corona-Pandemie und wegen geopolitischer Spannungen die AbhĂ€ngigkeit von China in der Lieferkette. Die Lösung könnte sein, die Produktion teils nach Indien oder Vietnam zu verlagern. 

Auch in der deutschen Industrie rĂŒckten zunehmend Kosten und Risiken des Engagements in China in den Mittelpunkt, erklĂ€rte die ReprĂ€sentantin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in China, Elisa Hörhager. Es gebe immer noch «Chancen, Potentiale und Dynamik» auf dem chinesischen Markt. «Aber insgesamt trĂŒbt sich die Perspektive fĂŒr auslĂ€ndische Unternehmen weiter ein», sagte sie.

Viele bleiben skeptisch. Eine im Mai veröffentlichte Umfrage der EU-Handelskammer ergab, dass mit 44 Prozent von 512 befragten Mitgliedern so viele Firmen wie noch nie ihre GeschÀftsaussichten pessimistisch sahen. Dieser Trend könnte sich ohne Gegensteuern von Peking fortsetzen, schÀtzt Eskelund. Besonders skeptisch waren Firmen in der Autoindustrie sowie in den Branchen Finanzdienstleistungen und Medizinprodukte. Etwas hoffnungsvoller zeigten sich Kosmetik- und Pharmaunternehmen.

Wachsende Spannungen mit der EU möglich

EnttĂ€uscht waren zudem einige Beobachter ĂŒber die Ergebnisse eines seltenen Treffens von Top-Kadern der Kommunistischen Partei, die in Peking ĂŒber Chinas langfristige Wirtschaftspolitik beraten hatten. Jenes Dritte Plenum habe weiter Investitionen in das verarbeitende Gewerbe als wichtigen Treiber fĂŒr Chinas wirtschaftliche Entwicklung befĂŒrwortet, schrieb die EU-Kammer. Damit wolle Peking die ProduktionskapazitĂ€t bei Technologien hochfahren, in denen bereits mehr hergestellt als nachgefragt werde, was wiederum zu Spannungen mit wichtigen Handelspartnern gefĂŒhrt habe. 

Ein Beispiel sind Solarzellen, die in China keine Abnehmer fanden und deshalb billig auf MĂ€rkten in der EU und den USA landeten. China beteuere zwar, auf nationaler Ebene ein Nachfrage-System zu entwickeln, allerdings bemĂ€ngelte die EU-Kammer, dass die Partei nicht konkret festgelegt habe, wie der Konsum dafĂŒr angeregt werden solle. Das Versagen, bedeutsame Wirtschaftsreformen durchzufĂŒhren, dĂŒrfte zu wachsenden Spannungen zwischen der EU und China fĂŒhren, hieß es in dem Positionspapier. 

 

@ dpa.de