Wie der Hopfen klimafest wird
07.08.2023 - 08:37:35 | dpa.de
Ohne Hopfen kein Bier - doch die Pflanzen mit ihren charakteristischen Ranken und Dolden leiden unter dem Klimawandel. Durch Trockenheit und Hitze brach die Ernte in der Hallertau, dem wichtigsten europĂ€ischen Anbaugebiet, aus dem in der Regel knapp ein Drittel der Weltproduktion stammt, vergangenes Jahr drastisch ein. Auch dieses Jahr haben die Pflanzen gelitten, wie Johann Portner vom Hopfenforschungszentrum in HĂŒll bei Wolnzach sagt. Er gehört zu einem Team, das daran arbeitet, den Hopfen - und damit die Hallertau - klimafest zu machen.
Ganz so schlecht wie zunĂ€chst befĂŒrchtet, wird die Ernte dieses Jahr wohl doch nicht werden. Die RegenfĂ€lle der vergangenen Wochen haben noch einiges gut gemacht und die Pflanzen auf den Feldern sehen auf den ersten Blick gesund aus. Wie viel dennoch fehlt, zeigt Portner einige Kilometer vom Zentrum entfernt auf einem Feld, wo verschiedene BewĂ€sserungsschlĂ€uche getestet werden. Die drei Vergleichsreihen ohne zusĂ€tzliches Wasser sieht man auf den ersten Blick: Hier sind die Reben deutlich schĂŒtterer, die Dolden seltener.
Die SchlĂ€uche machen den Unterschied. Alle 50 Zentimeter lassen sie bei Bedarf Wasser direkt zu den Pflanzen tropfen. Auch der DĂŒnger kann so besonders gezielt ausgebracht werden. Im Ergebnis wachse der Hopfen sehr viel besser, sagt Portner.
Alles andere als leicht
Eigentlich eignet sich der Hopfen gut fĂŒr die BewĂ€sserung, doch in der Hallertau gibt es sie nur auf etwa einem FĂŒnftel der AnbauflĂ€che. Das zu Ă€ndern sei wichtig, aber alles andere als leicht, sagt Erich Lehmair, GeschĂ€ftsfĂŒhrer beim Verband Deutscher Hopfenpflanzer. Grundwasser zu verwenden, sei - auch aus politischen GrĂŒnden - schwierig. Als realistische Alternative sieht er RĂŒckhaltebecken fĂŒr die NiederschlĂ€ge im FrĂŒhjahr. Andere nennen das Heraufpumpen von Wasser aus flussnahen Brunnen als Möglichkeit. Allen Optionen ist dabei aber gemein, dass Aufwand und Kosten groĂ sind. BewĂ€sserung sei «eine Generationenaufgabe», sagt Lehmair.
Doch in HĂŒll hat man noch weitere AnsĂ€tze gegen die Herausforderung des Klimawandels. Unter anderem soll zusĂ€tzliche Bepflanzung zwischen den Hopfenreihen Schatten spenden, den Boden festhalten und fruchtbarer machen.
Die wichtigste SĂ€ule neben der BewĂ€sserung ist allerdings, den Hopfen resistenter zu machen. Denn eigentlich stammt die Pflanze aus AuwĂ€ldern und ist daher weder Wassermangel noch groĂe Hitze gewohnt, wie Sebastian Gresset erzĂ€hlt. Er ist in HĂŒll fĂŒr die ZĂŒchtung zustĂ€ndig. Jedes Jahr werden dort 100.000 neue SĂ€mlinge produziert. In mehreren Schritten und ĂŒber Jahre wird ausgewĂ€hlt, wie gut sie mit Hitze, SchĂ€dlingen, Trockenheit und Krankheiten umgehen, wie viel Ertrag sie bringen und wie sie schmecken.
Rationiertes Wasser
DafĂŒr werden die zu prĂŒfenden Pflanzen bewusst auf schlechten, nicht bewĂ€sserten FlĂ€chen angebaut um zu sehen, wie gut sie sich mit Wasser versorgen. Wie effizient sie damit umgehen, testet Gresset in einem GewĂ€chshaus. «Nicht gieĂen» steht an der TĂŒr. Dahinter stehen Hopfenreben in PflanzkĂŒbeln. Das Wasser ist rationiert. Starke Wurzeln helfen hier nicht. Dazu kommt besonders viel Beleuchtung, die die Photosynthese antreibt. Hier bestehen nur Pflanzen, die Wasser sparen. Welche das sein könnten, prĂŒft Gresset auch mit einer WĂ€rmebildkamera: Die BlĂ€tter, auf denen unerwĂŒnscht viel verdunstet, sind teilweise einige Grad kĂ€lter.
Am Ende des mehrjĂ€hrigen Auswahlprozesses bleiben nur wenige Pflanzen ĂŒbrig. Und etwa alle drei Jahre kommt aus HĂŒll eine neue Sorte auf den Markt. Zuletzt Tango und Titan.
Doch die neuen Sorten haben ein Problem: Es gibt bisher nur wenig Nachfrage nach ihnen. «Die Landwirte wĂŒrden liebend gerne die neuen Sorten anbauen», sagt Lehmair vom Hopfenpflanzerverband. «Aber die Brauer sind sehr traditionell und haben Scheu, an ihrer Rezeptur etwas zu Ă€ndern.» Als Folge davon seien die FlĂ€chen mit neueren, klimaresistenteren Sorten bei den Hopfenpflanzern inzwischen sogar wieder auf dem RĂŒckzug.
Keine Ausreden mehr
Dabei könne man neue Sorten wie Tango oder Titan, die den klassischen sehr Àhnlich seien, im Bier verwenden, ohne dass man einen Unterschied schmecke, betont Lehmair. Das hÀtten auch Brauversuche gezeigt. «Da hat der Brauer keine Ausrede mehr, warum er den Hopfen nicht hernimmt.» Zumal ja auch die einzelnen Sorten von Jahr zu Jahr Schwankungen im Geschmack hÀtten.
Die kann Klaus Kammhuber messen. Er ist am Hopfenforschungszentrum fĂŒr die Analyse der Pflanzen zustĂ€ndig. Hitze bremse beispielsweise die Produktion der fĂŒr die bittere Note zustĂ€ndige AlphasĂ€ure, sagt er. Und auch er bescheinigt den neuen Sorten Ăhnlichkeiten zu den Ă€lteren.
Walter König vom bayerischen Brauerbund glaubt ebenfalls, dass man die neuen Hopfensorten einbauen und den Geschmack konstant halten kann. «DafĂŒr haben wir ja die Brauer», sagt er. Und dass Hopfensorten wechseln, das gebe es schon lange: Auch in den 70er- und 90er-Jahren habe es hier UmbrĂŒche gegeben.
Am Ende braucht es nicht viel Hopfen fĂŒrs Bier. Mit einem Hektar könne man das ganze Oktoberfest versorgen, erzĂ€hlt Kammhuber. Doch ohne geht es nicht. Und auch wenn ZĂŒchtung und BewĂ€sserung der Pflanze helfen: Am besten wĂ€re es, wenn der Klimawandel gebremst wĂŒrde.
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