Deutschland, Gesellschaft

DIW: Frauenanteil in Vorständen stagniert

14.01.2026 - 10:00:05 | dpa.de

Erstmals seit Jahren ist der Anteil von Frauen auf Vorstandsposten bei den größten deutschen Unternehmen nicht gestiegen. Lediglich eine Branche stach im vergangenen Jahr positiv hervor.

  • Frauen auf Vorstandsposten sind weiterhin die Minderheit. (Symbolbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa
    Frauen auf Vorstandsposten sind weiterhin die Minderheit. (Symbolbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa
  • Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre zieht das DIW gleichwohl eine positive Bilanz. (Symbolbild) - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa
    Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre zieht das DIW gleichwohl eine positive Bilanz. (Symbolbild) - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa
Frauen auf Vorstandsposten sind weiterhin die Minderheit. (Symbolbild) - Bild: Hannes P. Albert/dpa Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre zieht das DIW gleichwohl eine positive Bilanz. (Symbolbild) - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa

Frauen bleiben in den Vorstandsetagen der größten deutschen Unternehmen klar in der Minderheit. Rund 18,6 Prozent aller Vorstandsposten bei den 200 umsatzstärksten Unternehmen des Landes - ohne Berücksichtigung des Finanzsektors - waren im Herbst 2025 weiblich besetzt, zeigt das aktuelle Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das waren 0,5 Prozentpunkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Nur im Finanzsektor, der in der Studie gesondert betrachtet wird, stieg der Anteil. «In den 100 größten Banken ging es um gut einen Prozentpunkt auf knapp 22 Prozent nach oben», schreiben die Autorinnen und Autoren des DIW. «In den 60 größten Versicherungen stand nach einem Anstieg in ähnlicher Größenordnung unter dem Strich ein Frauenanteil in Vorständen von etwas mehr als 21 Prozent.»

Kurzfristige Delle oder längere Stagnation?

Insgesamt habe sich das Wachstum beim Anteil von Frauen auf Vorstandsposten damit erstmals seit Jahren deutlich verlangsamt. In vielen Fällen sei dies aber nicht auf eine sinkende Zahl von Frauen in Vorständen zurückzuführen, sondern auf einen im Vergleich zum Vorjahr stärkeren Zuwachs männlicher Vorstandsmitglieder, so das DIW.

Auch bei den Vorstandsvorsitzen der 200 größten Unternehmen stagnierte der Anteil. Lediglich 7,3 Prozent aller Chefposten waren der Studie zufolge im vergangenen Jahr von Frauen besetzt. So war der Anteil schon im Vorjahr. 

«Noch ist unklar, ob wir es mit einer kurzfristigen Delle oder dem Beginn einer längeren Stagnation beim Frauenanteil in Spitzenpositionen zu tun haben», teilte Katharina Wrohlich, Leiterin der DIW-Forschungsgruppe Gender Economics, mit. «Klar ist aber: Die jüngste Entwicklung ist ein Warnsignal, dass Fortschritte bei der Gleichstellung in Führungspositionen kein Selbstläufer sind.»

Mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre zieht das Institut gleichwohl eine positive Bilanz. Seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2006 sei der Frauenanteil in den obersten Gremien deutlich gestiegen. Damals habe der Anteil von Frauen in Vorständen bei lediglich 1 Prozent gelegen.

Frauenanteil im Dax-Management stagniert ebenfalls

Betrachtet man die 40 Konzerne im deutschen Leitindex Dax allein, stagniert auch hier der Frauenanteil, zeigt eine jüngst veröffentlichte Studie der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) mit Stand 1. Januar 2026. Sowohl der Frauenanteil in den Aufsichtsräten (39,6 Prozent), als auch der in den Vorständen der Dax-Konzerne (25,3) blieb gegenüber dem Vorjahr fast unverändert.

Immerhin 18 Unternehmen aus der ersten deutschen Börsenliga haben demnach zwei oder mehr Frauen im Vorstand. Vier Frauen führen einen Dax-Konzern: Belén Garijo (Merck), Helen Giza (Fresenius Medical Care), Bettina Orlopp (Commerzbank) und Karin Rådström (Daimler Truck).

Fidar-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow kritisierte die Gesamtentwicklung. Stillstand sei bei der gleichberechtigten Teilhabe keine Option. Das Ziel bleibe eine paritätische Besetzung der Führungsgremien. «Es stehen genügend qualifizierte Frauen für Aufsichtsräte und Vorstände bereit. Handeln die Unternehmen nicht engagierter, müsste der Gesetzgeber nachschärfen.»

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