Deutsche Inflation sinkt unter 2-Prozent-Marke
10.09.2024 - 12:18:18Die Verbraucherpreise stiegen mit einer Rate von 1,9 Prozent zum Vorjahresmonat so langsam wie seit MÀrz 2021 nicht mehr, bestÀtigt das Statistische Bundesamt seine vorlÀufige SchÀtzung.
Vor allem Energie war 5,1 Prozent billiger als vor einem Jahr, wĂ€hrend die Preise fĂŒr Dienstleistungen ĂŒberdurchschnittlich um 3,9 Prozent gestiegen sind. Besonders heftig war die Preisentwicklung bei Autoversicherungen, die den Erhebungen nach um mehr als ein Viertel teurer wurden. Auch fĂŒr Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+7,8 Prozent) oder in GaststĂ€tten (+6,7 Prozent) zogen die Preise noch deutlich an. Hintergrund sind hier unter anderem deutlich höhere GehĂ€lter der BeschĂ€ftigten.
Lebensmittel sind auf einem hohen Niveau nur noch 1,5 Prozent teurer geworden als vor einem Jahr. Einzelne Produkte wie etwa Olivenöl (+35,0 Prozent) haben sich aber stark verteuert. Hier hat es Missernten in den MittelmeerlĂ€ndern gegeben. Auch SĂŒĂes wie Honig, Marmelade, Zucker und andere SĂŒĂwaren sind 5,0 Prozent teurer. Billiger als vor einem Jahr waren hingegen Molkereiprodukte.
Der Preisdruck auf die Verbraucher geht nach mehreren Jahren mit sehr hohen Inflationsraten zurĂŒck. Noch im Juli hatten die Statistiker einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,3 Prozent verzeichnet nach 2,2 Prozent im Juni. Zuletzt wurde im MĂ€rz 2021 eine niedrigere Teuerungsrate erfasst als im August, in dem die Preise auch 0,1 Prozent niedriger waren als im Juli. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel ging um 0,1 Punkte auf 2,8 Prozent zurĂŒck.
Sollte die Inflation im Jahresverlauf in Deutschland und im Euroraum insgesamt sinken, gĂ€be das der EuropĂ€ischen Zentralbank Spielraum fĂŒr Leitzinssenkungen. Sie hat im Juni erstmals seit der Inflationswelle die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Im Juli hielt die EZB die Leitzinsen stabil und lieĂ die TĂŒr fĂŒr eine Zinssenkung bei der Ratssitzung am 12. September offen. An den FinanzmĂ€rkten wird mit einer Zinssenkung gerechnet. Im Euroraum war die Inflationsrate fĂŒr den August auf 2,2 Prozent geschĂ€tzt worden.
Volkswirte erwarten auch wegen der Basiswerte aus dem Vorjahr, dass die Inflationsrate zum Jahresende wieder ansteigt. Selbst wenn die Inflationsrate im September und Oktober unter zwei Prozent bleiben sollte, sei das Problem noch nicht gelöst, warnt etwa Volkswirt Sebastian Becker von Deutsche Bank DE0005140008 Research. Auch das Wirtschaftsinstitut ZEW aus Mannheim mag nur einen Zwischenerfolg sehen, aber noch keinen Durchbruch in Richtung PreisstabilitÀt.
Nach EinschÀtzung der japanischen Bank Nomura werden die Erwartungen des Marktes zum Umfang und zeitlicher Abfolge der möglichen Zinssenkungen wachsen. Ein vom privaten Konsum getragenes Wachstum werde aber ausbleiben.

