Erwerbsminderungsrente: Arbeitserprobung wird von 6 auf 12 Monate verlängert
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Steigende Belastung, Sparmaßnahmen und Angst vor KI: Die deutsche Industrie erlebt einen Wandel, der auch die private Vorsorge verändert. Die klassische Berufsunfähigkeitsversicherung bekommt Konkurrenz.
Belegschaften spüren den Druck
Die Belastung der Beschäftigten nimmt spürbar zu. Eine Untersuchung von Swiss Life, der Gewerkschaft IGBCE und Chemie Rente zeigt: 44 Prozent der Befragten berichten von einer gestiegenen Arbeitsbelastung. Besonders hart trifft es die Produktion – dort geben 59 Prozent an, mehr Druck zu spüren. In der Verwaltung sind es 37 Prozent.
Für die Erhebung befragte das Institut YouGov im Juni über 1.100 Beschäftigte. Als Hauptgründe für den Stress gelten betriebliche Sparmaßnahmen und Personalabbau. Mehr als die Hälfte der Industriebeschäftigten erwartet zudem, dass die Anforderungen an Flexibilität und Belastbarkeit weiter steigen.
Grundfähigkeitsversicherung holt auf
Der wachsende Druck verändert auch die Nachfrage nach Absicherungen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) führt zwar noch mit 40 Prozent Verbreitung, doch die Grundfähigkeitsversicherung zieht gleich. 31 Prozent der Befragten bevorzugen inzwischen dieses Modell.
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Tatsächlich besitzen aber nur 12 Prozent einen solchen Schutz. Das liegt auch an einem Informationsdefizit: 72 Prozent halten finanzielle Vorsorge zwar für wichtig, doch 56 Prozent fühlen sich schlecht informiert. Bei der Gen Z sorgt zusätzlich die Angst vor Jobverlust durch Künstliche Intelligenz für Unsicherheit – 37 Prozent teilen diese Sorge.
Politik plant Reformen bei Rente und Krankschreibung
Die Politik reagiert auf die Entwicklungen. Die Alterssicherungskommission empfiehlt eine Reform der Erwerbsminderungsrente (EM-Rente), die bis Ende 2026 umgesetzt werden soll. Kernpunkt: Die Arbeitserprobung soll von sechs auf zwölf Monate verlängert werden. Betroffene könnten dann den Wiedereinstieg testen, ohne ihren Rentenanspruch zu riskieren.
Zusätzlich diskutiert die Regierung eine neue Rentenart für Versicherte nahe der Regelaltersgrenze. Sie könnten zwei Jahre vorher abschlagsfrei in Rente gehen – vorausgesetzt, sie haben 35 Versicherungsjahre.
Gleichzeitig plant die Bundesregierung Maßnahmen gegen den hohen Krankenstand. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung soll künftig schon ab dem ersten Krankheitstag nötig sein, bisher gilt das oft erst ab Tag vier. Auch die telefonische Krankschreibung steht zur Disposition. Wirtschaftsvertreter unterstützen die Pläne, Gewerkschaften warnen vor zusätzlicher Bürokratie.
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Österreich: Lücke im Insolvenzschutz
Auch in Österreich wackeln die Sicherungssysteme. Für 2027 prognostiziert der Insolvenzentgeltfonds eine Finanzierungslücke: 350 Millionen Euro Ausgaben stehen nur 162 Millionen Euro Einnahmen gegenüber. Grund ist die frühere Senkung des Arbeitgeberbeitrags.
Nun streitet die Politik über die Lösung. Das Arbeitsministerium fordert höhere Beiträge, andere Regierungsteile wollen Rücklagen der Kammern anzapfen. Die Zahl der Insolvenzen war 2026 bislang leicht rückläufig – eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus.
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