Sondervermögen fĂŒr LĂ€nder: wo gehen 100 Milliarden hin?
02.07.2025 - 14:39:02Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte in Berlin, der Bund stĂ€rke die HandlungsfĂ€higkeit von LĂ€ndern und Kommunen. An den PlĂ€nen gibt es allerdings Kritik. VerbĂ€nde befĂŒrchten, dass der gröĂte Teil der Mittel nicht bei den StĂ€dten und Gemeinden ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Am Zug sind nun Bundestag sowie Bundesrat.
Anteil aus Sondervermögen
Die LĂ€nder sollen von dem insgesamt 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen fĂŒr zusĂ€tzliche Investitionen in die Infrastruktur und Klimaschutz 100 Milliarden Euro bekommen. Investitionen können laut Bundesfinanzministerium finanziert werden, sofern sie nicht vor dem 1. Januar 2025 begonnen wurden. MaĂnahmen könnten bis Ende 2036 bewilligt werden.
Die Bundesmittel sollen "schnell, flexibel und zielgerichtet" eingesetzt werden können, wie es im Gesetzentwurf heiĂt - und zwar in Bereiche wie die Verkehrsinfrastruktur, Bildung, Bevölkerungsschutz, in KrankenhĂ€user, Digitalisierung oder Energieinfrastruktur. Die LĂ€nder sollen dem Bund einmal jĂ€hrlich eine Ăbersicht ĂŒber die Verwendung der Bundesmittel vorlegen. Falls Gelder zweckentfremdet eingesetzt werden sollten, sollen Mittel zurĂŒckgefordert werden können.
Kritik von Kommunen
Der Referentenentwurf des Finanzministeriums Anfang Juni sah vor, dass mindestens 60 Prozent der Gelder fĂŒr die LĂ€nder an die Kommunen geht. Diese Quote taucht aber in dem vom Kabinett beschlossenen Entwurf nicht mehr auf. Kritik daran kam vom Deutschen Landkreistag. "Damit bliebe das zentrale Signal, dass der gröĂte Teil der Mittel dort ankommen soll, wo sie dringend gebraucht werden, aus. Das wĂ€re ein Schlag ins Gesicht von StĂ€dten, Landkreisen und Gemeinden", sagte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Landkreistages, Hans-GĂŒnter Henneke. Die LĂ€nder bekĂ€men eine "Verteilungsmacht", die in der Vergangenheit leider nicht verlĂ€sslich zugunsten der kommunalen Ebene ausgeĂŒbt worden sei.
Ein Sprecher Klingbeils sagte, der Bund sei den LÀndern entgegengekommen. Die LÀnder hÀtten gesagt, sie könnten das mit den Kommunen am besten entscheiden.
Bauwirtschaft Ă€uĂert Zweifel
In dem Kabinetts-Entwurf taucht auch nicht mehr auf, dass es sich um zusĂ€tzliche InvestitionsmaĂnahmen handeln soll. Auch dies sei ein Ergebnis von Verhandlungen zwischen Bund und LĂ€ndern, so der Sprecher Klingbeils. Die LĂ€nder wollten selbst entscheiden können.
"Wir können es nicht nachvollziehen, warum die sogenannte ZusĂ€tzlichkeit aus dem Gesetz gestrichen wurde und fĂŒr die BundeslĂ€nder nicht mehr gelten soll", sagte Tim-Oliver MĂŒller, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Bauindustrie. "Mit der Folge, dass einige BundeslĂ€nder bereits ihre regulĂ€ren Investitionsetats kĂŒrzen und die LĂŒcke mit den Mitteln aus dem Sondervermögen auffĂŒllen." Den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern sei dieses Vorgehen nicht vermittelbar.
Spielraum fĂŒr Schulden
Das Kabinett beschloss auĂerdem einen Gesetzentwurf zur genaueren Umsetzung der bereits beschlossenen Reform der Schuldenbremse - demnach erhielten nach dem Bund auch die LĂ€nder die Möglichkeiten eines Verschuldungsspielraums in Höhe von 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die LĂ€nder sollen damit gröĂere HandlungsspielrĂ€ume bekommen.

