Ringen, Einigung

Ringen um Einigung hÀlt an: WTO-Tagung verlÀngert

29.02.2024 - 13:25:33

Es ist die typische Dynamik bei WTO-Konferenzen: LĂ€nder halten an einem Nein zur Einigung in einer Frage fest, um in einer anderen etwas herauszuschlagen. Dann geht es in die Nachtsitzung.

Was die deutsche Industrie am meisten will, hat bei der Ministertreffen der Welthandelsorganisation (WTO) in Abu Dhabi wohl keine Chance: Das seit vier Jahren teils blockierte System zur Schlichtung von Handelsstreits bleibt nicht voll handlungsfÀhig.

«Wir sind noch nicht so weit», rĂ€umte die WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala im Laufe der Verhandlungen ein und machte klar, dass eine Einigung wĂ€hrend der Tagung nicht erreicht wird. Auch bei anderen strittigen Punkten wie Zölle auf elektronische Übertragungen und Fischereisubventionen gab es zunĂ€chst keinen Durchbruch.

166 MitgliedslĂ€nder mĂŒssen im Konsens entscheiden

Das WTO-Sekretariat beschloss am Abend, die Konferenz bis morgen zu verlĂ€ngern. Die Abschlusssitzung soll um 14.00 Uhr (11.00 Uhr MEZ) stattfinden. Schwer sind Einigungen unter anderem, weil die inzwischen 166 WTO-MitgliedslĂ€nder stets im Konsens entscheiden mĂŒssen.

Die USA halten an der Blockade der Berufungsinstitution der Streitschlichtung fest, weil sie umfangreiche Reformen wollen. Deutsche IndustrieverbĂ€nde hatten im Vorfeld klare Fortschritte von den WTO-MitgliedslĂ€ndern gefordert. «Jeder sollte sich bewusst machen, welchen Wert das WTO-System fĂŒr die globale Entwicklung und das Leben der Menschen weltweit hat», sagte Dirk Jandura, PrĂ€sident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), vor der Konferenz. «FĂŒr exportorientierte Unternehmen in Deutschland sind faire Wettbewerbsbedingungen, Marktzugang und Rechtssicherheit im AuslandsgeschĂ€ft von herausragender Bedeutung», teilte die Deutsche Industrie- und Handelskammer mit. Sie forderte Maßnahmen zur BekĂ€mpfung der Fragmentierung des Welthandelssystems.

Die Knackpunkte

WTO-Reform: 31 LĂ€nder haben bei Handelsstreitigkeiten gegen Urteile der ersten Schiedsgerichtsinstanz Berufung eingelegt, obwohl es keine Berufungsinstanz mehr gibt. Dazu gehört Indonesien, das in einem Streitfall ĂŒber BeschrĂ€nkungen der Exporte von Nickel und anderen Rohstoffen gegen die EU unterlegen war. Die FĂ€lle liegen dann auf Eis. Weil die USA und andere auf umfassende Reformen pochen, ist eine Einigung noch in der Ferne.

Elektronischer Handel: Seit 1998 besteht die Vereinbarung, keine Zölle auf elektronische Übertragungen wie bei Streamingdiensten zu erheben. Dieses Moratorium wĂŒrde ohne eine VerlĂ€ngerung in diesem Jahr auslaufen. Vor allem Indien und SĂŒdafrika standen der Einigung auf eine VerlĂ€ngerung im Wege. Ihnen entgingen wichtige Einnahmen, wenn etwa BĂŒcher, auf die Zölle fĂ€llig sind, durch E-Books, die heruntergeladen werden können, ersetzt werden.

Fischerei-Subventionen: Nach rund 20 Jahren Verhandlungen hatten sich die WTO-Mitglieder 2022 auf ein erstes Abkommen geeinigt, dass die schĂ€dlichsten Subventionen eindĂ€mmen soll. Rund 70 LĂ€nder sind beigetreten, darunter die EU, es tritt aber erst bei 110 Ratifizierungen in Kraft. Das neue Abkommen soll alle Subventionen regulieren, die zu Überfischung und ÜberkapazitĂ€ten beitragen. Verhandelt wurde ĂŒber Ausnahmen und Übergangszeiten fĂŒr EntwicklungslĂ€nder.

@ dpa.de