Gericht in Colorado streicht Trump von Wahlzettel
20.12.2023 - 06:35:04Der Republikaner habe sich mit seinem Verhalten im Zusammenhang mit dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 fĂŒr das Amt des PrĂ€sidenten disqualifiziert, heiĂt es in der am Dienstagabend (Ortszeit) veröffentlichten Entscheidung des Gerichts. Damit dĂŒrfe sein Name nicht auf den Wahlzetteln fĂŒr die Vorwahlen seiner Partei stehen.
Ein Sprecher Trumps kĂŒndigte an, umgehend in Berufung zu gehen und nannte die Entscheidung "zutiefst undemokratisch". Es ist davon auszugehen, dass die Frage letztlich vom Obersten Gericht des Landes geklĂ€rt werden muss. Sollte der Supreme Court den Fall annehmen, liegt die weitere Entwicklung PrĂ€sidentenwahl 2024 in seinen HĂ€nden.
Hintergrund des Urteils ist, dass diverse KlĂ€ger in verschiedenen US-Bundesstaaten versuchen, Trumps Namen von Wahlzetteln fĂŒr die PrĂ€sidentenwahl 2024 zu streichen. Seine Gegner argumentieren mit einem Verfassungszusatz, wonach Personen von Wahlen ausgeschlossen sind, die einen "Aufstand" gegen die Verfassung angezettelt haben. Der 77-JĂ€hrige will fĂŒr die Republikaner noch einmal ins WeiĂe Haus einziehen. Er fĂŒhrt mit Abstand in parteiinternen Umfragen. Bisher deutet alles auf eine Neuauflage des Wahlkampfs zwischen Trump und dem amtierenden PrĂ€sidenten Joe Biden hin.
KlÀrung durch Oberstes US-Gericht wahrscheinlich
Das sogenannte Aufstandsverbot im 14. Verfassungszusatz besagt, dass niemand ein höheres Amt im Staat bekleiden darf, der sich zuvor als AmtstrĂ€ger an einem Aufstand gegen den Staat beteiligt hat. Zwar werden in der Passage fĂŒr solche höheren Ămter einige Beispiele genannt, nicht explizit aufgefĂŒhrt wird aber das Amt des PrĂ€sidenten. Das Oberste Gericht von Colorado beschĂ€ftigte sich nun unter anderem mit der Frage, ob sich die Klausel auch auf das PrĂ€sidentenamt bezieht - und kam zu dem Schluss, dass dies der Fall sei.
Allerdings setzte das Gericht seine Entscheidung bis kurz vor dem Druck der Wahlzettel Anfang Januar oder bis zur möglichen KlĂ€rung durch den Supreme Court aus. AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede aufgewiegelt. Infolge der Krawalle kamen damals fĂŒnf Menschen ums Leben.
KlÀger in anderen Bundesstaaten gescheitert
Ein Sprecher Trumps betonte, der Oberste Gerichtshof von Colorado habe "eine völlig falsche Entscheidung" getroffen. Man habe volles Vertrauen, dass das Oberste Gericht des Landes, der Supreme Court, schnell zu Trumps Gunsten entscheiden und "diesen unamerikanischen Klagen" endlich ein Ende setzen werde, heiĂt es in einer Stellungnahme von Trumps Sprecher Steven Cheung.
In Bundesstaaten wie Michigan und Minnesota waren KlĂ€ger mit ihrem Vorgehen gegen Trump bereits gescheitert - es laufen aber Berufungen. Auch in Colorado konnte der Republikaner zunĂ€chst vor einem unteren Gericht einen Sieg verbuchen. Die Richterin einer unteren Instanz hatte - anders als nun das Oberste Gericht des Bundesstaates - entschieden, dass sich das im 14. Verfassungszusatz verankerte Aufstandsverbot wegen des vagen Gesetzestextes explizit nicht auf das PrĂ€sidentenamt beziehe. Daraus schlussfolgerte sie, Trump dĂŒrfe in Colorado auf dem Wahlzettel fĂŒr die Vorwahlen der Republikaner bleiben.
Jedoch schrieb die Richterin schon damals: "Das Gericht kommt zu dem Schluss, dass Trump mit der konkreten Absicht gehandelt hat, politische Gewalt anzustacheln und sie gegen das Kapitol zu richten, um die BestÀtigung des Wahlergebnisses zu stören."
Oberste Gericht von Colorado: Der Tragweite bewusst
Das Oberste Gericht von Colorado stimmte dieser EinschĂ€tzung der Richterin zu. Alle sieben Richter dort wurden von Demokraten nominiert. In dem mit vier zu drei Stimmen entschiedenem Urteil heiĂt es, man komme nach PrĂŒfung der Sachlage ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Trump beabsichtigt habe, mit seiner Rede am 6. Januar zu Gewalt und Aufruhr anzustiften, um eine friedliche MachtĂŒbergabe zu verhindern.
Das Gericht sei sich ferner der Tragweite der Entscheidung bewusst - und nicht leichtfertig zu den Schlussfolgerungen gekommen. Es sei sich auch seiner Pflicht bewusst, das Gesetz anzuwenden, ohne sich von der öffentlichen Reaktion auf die Entscheidung beeinflussen zu lassen. Die Oberste Wahlaufseherin des Bundesstaates kĂŒndigte an, dem Urteil des Gerichts Folge zu leisten.
Alle Augen auf Washington
Ob der Supreme Court der USA den Fall annimmt, ist nun offen. Allerdings gilt es als wahrscheinlich - da hier eine Frage von verfassungsmĂ€Ăiger Bedeutung geklĂ€rt werden muss. Trump hatte wĂ€hrend seiner Amtszeit die Mehrheit im Gericht deutlich nach rechts verschoben: auf sechs der neun Sitze. Dennoch entschied das Oberste Gericht daraufhin nicht immer in seinem Sinne - etwa bei der Frage nach der Herausgabe seiner Steuerunterlagen.
Aktuell liegt auch noch eine weiterer Trump-Fall mit groĂer Tragweite vor den Richterinnen und Richtern in Washington. Trump ist in der US-Hauptstadt im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kapitol wegen versuchten Wahlbetrugs angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hat das Oberste Gericht darum gebeten, die Frage zu klĂ€ren, ob Trump fĂŒr Handlungen im Amt strafrechtlich verfolgt werden kann. Mit der Antwort des Gerichts steht und fĂ€llt die Anklage in diesem wichtigen Fall gegen Trump.

