Trump, AllmÀchtige

Trump, der AllmÀchtige?

14.11.2024 - 09:35:00

Es lĂ€uft fĂŒr Donald Trump. Nach seinem Sieg bei der US-PrĂ€sidentschaftswahl haben sich seine Republikaner neben der Kontrolle ĂŒber den Senat auch die Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus gesichert.

Das heißt, der designierte PrĂ€sident hat kĂŒnftig leichtes Spiel im Kongress. Aber lĂ€ngst nicht nur da geht er gestĂ€rkt in seine zweite Amtszeit. Trump zieht auf allen Ebenen weit mĂ€chtiger ins Weiße Haus ein als 2017. Und: Er hat schon damals bewiesen, dass er einen Hang dazu hat, die Grenzen seiner Befugnisse bis zum Maximum auszureizen - oder darĂŒber hinauszugehen. Das lĂ€sst Böses erahnen.

Kein Gegengewicht im Parlament

Die Kontrolle der Republikaner ĂŒber beide Kongresskammern verschafft Trump politisch viel Handlungsspielraum. Damit kann er Gesetzesvorhaben einfacher durch das Parlament bringen - ohne grĂ¶ĂŸere Gegenwehr der Demokraten, die bislang noch eine hauchdĂŒnne Mehrheit im Senat hatten. Es bleiben zwar die ĂŒblichen parlamentarischen HĂŒrden, etwa die Tatsache, dass im Senat eine grĂ¶ĂŸere Mehrheit nötig ist, um viele Gesetzesvorhaben ĂŒberhaupt zur Abstimmung zu stellen. Doch Trump bleibt eine generelle Blockadefront im Parlament erspart. Auch die BestĂ€tigung von Regierungsbeamten und Richtern kann er im Senat schneller vorantreiben, was die Umsetzung seiner Agenda erheblich erleichtert.

In diesen Genuss kamen schon viele PrÀsidenten vor Trump - auch er selbst zum Amtsantritt 2017. Doch der Republikaner ist seitdem extremer geworden, und ungenierter. Trotz seiner republikanischen Mehrheit im Senat macht er unverhohlen Druck auf seine Partei, das aufwendige BestÀtigungsverfahren von Kabinettsmitgliedern in der Kammer durch eine Ausnahmeregelung zu umgehen. Das zeigt, was Trump von Gewaltenteilung hÀlt.

Immun gegen Strafverfolgung im PrÀsidentenamt?

Der oberste US-Gerichtshof entschied Anfang Juli mit seiner rechtskonservativen Mehrheit, dass der PrĂ€sident fĂŒr gewisse Amtshandlungen ImmunitĂ€t genießt. Die historische Entscheidung kam als Folge einer Anklage gegen ihn wegen Wahlbetrugs zustande. Der kĂŒnftige PrĂ€sident hat damit zwar keinen kompletten Blankoscheck fĂŒr jegliches Fehlverhalten bekommen, aber es gibt ihm gefĂ€hrlichen Spielraum.

Und Trump hat in seiner ersten Amtszeit klargemacht, dass er einer ist, der jeden vorhandenen Spielraum ausnutzt. Damals wurden gleich zwei Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Das hatte es noch nie zuvor in der US-Geschichte gegeben. Das eine Mal wurde ihm Machtmissbrauch vorgeworfen, das andere Mal "Anstiftung zum Aufstand". Mit der Entscheidung des Supreme Courts im RĂŒcken kann er seine zweite Amtszeit nun mit deutlich weniger Sorge vor Strafverfolgung angehen.

Konservative Richter auf SchlĂŒsselposten

WĂ€hrend seiner ersten Amtszeit hat Trump mit der Besetzung mehrerer Richterposten am Supreme Court dafĂŒr gesorgt, dass das oberste US-Gericht weit nach rechts gerĂŒckt ist. Die letzte Personalie setzte er kurz vor seinem Abschied aus dem Amt durch. Seitdem kippte das Gericht - lange nach Trumps Abschied aus dem Weißen Haus - zwar unter anderem das allgemeine Recht auf Abtreibung, was ihm politisch sehr nĂŒtzte. WĂ€hrend seiner neuen Amtszeit kann Trump aber erst so richtig ernten, was er am Supreme Court gesĂ€t hat.

Trump installierte damals auch auf unteren Instanzen viele neue Richter, was ihm bei seinen persönlichen juristischen Problemen bereits half. Eine von ihm eingesetzte Bundesrichterin in Florida etwa stellte das Strafverfahren gegen ihn wegen seines Umgangs mit streng geheimen Regierungsunterlagen ein. Der Einfluss wohlgesonnener Richter könnte sich in Zukunft auch und gerade in FÀllen auszahlen, in denen politische Gegner Trumps Vorhaben auf juristischem Wege anfechten. Dieses Schicksal ereilt jeden PrÀsidenten.

Ein politisch extrem starkes Mandat

Umfragen hatten ein extrem knappes Rennen zwischen Trump und seiner demokratischen Kontrahentin Kamala Harris vorhergesagt - und eine lange Zitterpartie bei der AuszÀhlung. Stattdessen stand Trump noch in der Wahlnacht als klarer Sieger fest. Er gewann in allen sieben "Swing States", die politisch besonders umkÀmpft waren. Und er ist voraussichtlich der erste republikanische Wahlsieger seit 2004, der sich neben der Mehrheit der Wahlleute auch die Mehrheit der landesweit abgegeben Stimmen sicherte - im US-Wahlsystem ist das keine SelbstverstÀndlichkeit. Bei seinem ersten Wahlsieg 2016 war Trump das nicht gelungen.

Daraus folgt ein starker politischer Auftrag. "Amerika hat uns ein beispielloses und mĂ€chtiges Mandat erteilt", triumphierte Trump noch in der Wahlnacht. Die Mehrheit der Bevölkerung hat unmissverstĂ€ndlich klargemacht, dass sie den Republikaner - einen verurteilten StraftĂ€ter, einen skandalumwobenen Mann und den wohl umstrittensten lebenden Politiker weltweit - im höchsten Staatsamt haben wollen. Ein solcher Ausdruck von RĂŒckhalt - trotz aller Eklats, trotz der Attacke seiner AnhĂ€nger auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 und trotz mehrerer Anklagen in Strafverfahren - verleiht ihm auch politisch mehr Macht als vor acht Jahren.

Eine Partei auf Linie

Trump dominiert die Republikaner wie nie zuvor. Er hat Widersacher systematisch aus dem Weg gerĂ€umt - sowohl im Kongress als auch im Parteiapparat. Interne Kritiker sitzen nicht mehr im ReprĂ€sentantenhaus. Die republikanische Fraktion in der Kammer ist seit Trumps erster Amtszeit noch weiter nach rechts gerĂŒckt und die ganze FĂŒhrungsriege ihm als republikanischem Frontmann treu ergeben. Im Senat steht nun ein Gefolgsmann Trumps an der Spitze der Fraktion, auch wenn er seinen Wunschkandidaten nicht durchsetzen konnte. Der republikanische Parteiapparat ist ebenfalls ganz auf Trump ausgelegt. Der Ex-PrĂ€sident installierte dort seine Schwiegertochter Lara Trump als eine von zwei Parteivorsitzenden. In seiner zweiten Amtszeit wird er in den eigenen Reihen wohl kaum noch auf nennenswerten Widerstand stoßen.

Mehr Erfahrung und umgeben von strammen Loyalisten

Nicht zuletzt hat Trump dazugelernt. Als er Anfang 2017 zum ersten Mal PrĂ€sident wurde, war er ein politischer Newcomer. "Ich kannte niemanden. Ich war kein Washington-Typ", sagte er in einem Interview des Senders Fox News. Er habe nicht gewusst, wie das politische GeschĂ€ft in der US-Hauptstadt funktioniere. Heute aber kenne er alle. Und vor allem kennt Trump inzwischen den Regierungsapparat, wie der funktioniert und wie er ihn besser fĂŒr seine Zwecke nutzen kann. Seine erste Amtszeit war geprĂ€gt von Personalwechseln und Rausschmissen. Trump hatte damals noch einige moderatere Politiker um sich, die ihn zu MĂ€ĂŸigung drĂ€ngten - er trennte sich schnell von vielen. Diesmal schart er nur Parteikollegen um sich, die ihm treu ergeben sind und Ansagen befolgen dĂŒrften.

@ dpa.de