ESG-Berichterstattung: 94% der japanischen Firmen berichten, aber nur 52% nutzen Tools
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der japanischen Wirtschaft hat die Erstellung von Berichten zu Umwelt, Sozialem und guter Unternehmensführung (ESG) eine nahezu flächendeckende Verbreitung gefunden.
Einer aktuellen Umfrage von Dentsu Soken unter 500 Unternehmen zufolge liegt die Erstellungsrate für ESG-Berichte bei 94,0 Prozent, während lediglich 6,0 Prozent der befragten Organisationen keine entsprechenden Berichte anfertigen. Die Offenlegungsrate dieser Informationen beläuft sich demnach auf 72,6 Prozent.
Ein wesentliches Merkmal der aktuellen Entwicklung ist die starke Verankerung des Themas in den Führungsetagen: In 75,6 Prozent der Unternehmen liegt die ESG-Verantwortung auf der Führungsebene, wobei in 43,0 Prozent der Fälle der CEO direkt zuständig ist. Bei weiteren 32,6 Prozent wird die Aufgabe von einem Vorstandsmitglied in Doppelfunktion wahrgenommen.
Trotz der hohen Priorisierung auf Managementebene offenbart die Studie Defizite bei der technischen Umsetzung. Lediglich 52,4 Prozent der befragten Unternehmen nutzen spezialisierte Tools oder Systeme für das ESG-Informationsmanagement.
Diese Diskrepanz zwischen strategischer Bedeutung und operativer Ausstattung steht im Kontrast zu den steigenden Anforderungen an die Datenpräzision, die auch in anderen Branchen und Regionen an Bedeutung gewinnen.
Wer sich mit steigenden Anforderungen an die Datenpräzision befasst, muss oft auch neue EU-Vorgaben wie den CO2-Grenzausgleich berücksichtigen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie die CBAM-Berichtspflichten rechtssicher und schnell umsetzen. CBAM-Leitfaden jetzt kostenlos herunterladen
Branchenspezifische Reifegrade und Governance
Die Herausforderungen bei der ESG-Umsetzung zeigen sich auch in der globalen Schifffahrt. Ein aktueller Maturity-Index von Lloyd’s Register beziffert den durchschnittlichen Reifegrad der Branche mit 56 von 100 Punkten, was dem unteren Ende der Kategorie „Advanced“ entspricht. Dabei weisen 27 von 48 untersuchten Unternehmen eine stärkere Leistung im Bereich Governance als im Umweltschutz auf.
Regional führen Unternehmen aus Amerika mit 62,7 Punkten vor dem asiatisch-pazifischen Raum (55,7) und Europa (55,3). Auffällig sind die Unterschiede zwischen den Sektoren: Während die Containerfracht einen Wert von 74,7 erzielt, kommt der Bereich Trockengüter lediglich auf 49,5 Punkte. Börsennotierte Unternehmen schnitten in dieser Untersuchung generell besser ab.
Positive Entwicklungen bei der externen Bewertung verzeichnete zuletzt die Zain Group. Das MSCI-ESG-Rating des Unternehmens wurde auf AA angehoben, was die höchste Einstufung im kuwaitischen Markt darstellt. Das Unternehmen übertreffe den Sektordurchschnitt insbesondere in den Bereichen Datenschutz, Datensicherheit sowie beim Personalmanagement und den Umweltpraktiken.
Technologische Lösungen und Lieferkettenmanagement
Um die Lücken im Informationsmanagement zu schließen, setzen immer mehr Unternehmen auf spezialisierte Softwarelösungen. Der indische Edelstahlhersteller Jindal Stainless, der im Geschäftsjahr 2026 einen Jahresumsatz von 42.955 Crore INR und eine Schmelzkapazität von 4,2 Millionen Tonnen verzeichnete, führte jüngst SAP Ariba Supplier Risk ein. Das System soll eine kontinuierliche Überwachung von Lieferantenrisiken unter ESG-Aspekten ermöglichen.
Auch die Envision Group treibt die Dekarbonisierung durch digitale Systeme voran. Das Unternehmen, das im globalen Betrieb bereits im Jahr 2022 CO?-Neutralität erreichte, setzt sein „Ark Energy Carbon Management System“ unter anderem bei Starbucks in Kunshan ein.
Besonders im Bereich der globalen Lieferketten sind Unternehmen zunehmend von komplexen Meldepflichten wie dem EU-CO2-Grenzausgleich betroffen. Erfahren Sie in diesem Experten-Report, was Ihr CBAM-Bericht wirklich enthalten muss, um Bußgelder zuverlässig zu vermeiden. Gratis-Checkliste für den CBAM-Bericht sichern
Dort wurden durch den Einsatz von 100 Prozent erneuerbarer Energie und IoT-Lösungen in 7.000 Filialen jährlich 7.800 Tonnen CO? eingespart. Zudem analysierte das Unternehmen den Kohlenstofffußabdruck für 30 Lieferanten und 70 Produkte.
Ähnliche Ansätze verfolgen Unternehmen auf der „ESG-50“-Liste von Forbes China für das Jahr 2026. Die ICBC meldete für Ende 2025 grüne Kredite in Höhe von 6,7 Billionen Yuan. WuXi Biologics konnte die Intensität der Treibhausgasemissionen gegenüber 2020 um 30 Prozent senken. Unternehmen wie BYD und CATL verfolgen zudem die Strategie „ein Datenbestand, mehrere Märkte“, um internationalen Anforderungen gerecht zu werden.
Industrielle Fortschritte bei Emissionen und Abfall
Im Bereich der industriellen Infrastruktur wurde bei Yara Sluiskil in den Niederlanden die europaweit größte Anlage zur CO?-Abscheidung eingeweiht. Jährlich sollen dort bis zu 800.000 Tonnen CO? aus der Ammoniakproduktion abgeschieden und per Schiff zur dauerhaften Lagerung in Norwegen transportiert werden. Das Projekt ist darauf ausgelegt, über einen Zeitraum von 15 Jahren rund 12 Millionen Tonnen CO? zu speichern.
Parallel dazu berichtet die Alliance to End Plastic Waste von Fortschritten bei der Müllvermeidung. Im Jahr 2025 wurden laut Fortschrittsbericht 138.162 Tonnen unkontrollierten Plastikmülls reduziert und 165.317 Tonnen verwertet.
Seit 2019 konnte die Allianz Finanzierungszusagen in Höhe von 641 Millionen US-Dollar mobilisieren. Zu den Projekten gehört eine Anlage im indischen Mathura-Vrindavan, die täglich bis zu 300 Tonnen Abfall verarbeiten kann.
Finanzielle Stabilität und ESG-Erfolg korrelieren zudem bei Jianfa International. Das Unternehmen belegt Rang drei im ESG-Wettbewerbsfähigkeits-Ranking und meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 17,8 Milliarden Yuan. Die Nettoverschuldungsquote sank deutlich von 35 Prozent zu Jahresbeginn auf nun 22 Prozent.
