Action, Rituals & Co.: NiederlÀnder erobern die InnenstÀdte
10.01.2026 - 05:30:09Tausende EinzelhandelsgeschĂ€fte schlieĂen jedes Jahr in Deutschland. Nur wenige Ketten bauen ihre Filialnetze aus. Besonders auffĂ€llig sind dabei Unternehmen aus den Niederlanden wie Action, Rituals oder Coolblue. Ein Zufall? Ein Ăberblick ĂŒber die Konkurrenz aus dem deutschen Nachbarland:Â
Action ist am gröĂtenÂ
Der 1993 gegrĂŒndete Non-Food-Discounter aus Medemblik-Zwaagdijk-Oost eröffnete 2009 seine erste Filiale direkt an der niederlĂ€ndischen Grenze - in SchĂŒttorf, im SĂŒdwesten Niedersachsens. Heute betreibt Action in Deutschland rund 650 GeschĂ€fte und beschĂ€ftigt knapp 15.000 Menschen. Damit hat die Kette mehr Filialen als Media Markt, Obi, MĂŒller, H&M oder C&A.
Wie viele werden es noch? Action nennt keine Zahlen. Auf Nachfrage heiĂt es: «Deutschland bleibt ein sehr wichtiger Wachstumsmarkt fĂŒr uns und wir sehen groĂes Potenzial.» Die Kette wirbt mit dem Slogan «mehr als du erwartest». Das Sortiment reicht von Wohnaccessoires und Deko ĂŒber Haushalts-, BĂŒro- und Baumarktartikel bis hin zu Spielzeug, Pflegeprodukten, Mode und Lebensmitteln wie SĂŒĂwaren, Snacks und GetrĂ€nken.Â
Koen Hazewinkel, Handelsexperte an der EFMI Business School im niederlĂ€ndischen Baarn, sagt: «Action ist sehr gĂŒnstig. Preislastige Formate lassen sich gut expandieren - besonders nach Deutschland, dem Land des Discounts.» Die Menschen seien auĂerordentlich preisbewusst. Zum Erfolg trĂŒgen zudem eine offensive Expansionsstrategie und ein hocheffizientes Logistiksystem bei.Â
Rituals fordert Douglas herausÂ
Kosmetik-, Körperpflege- und Lifestyleprodukte sind Kern des Rituals-Sortiments, ergĂ€nzt um Haushalts- und Einrichtungsartikel. Das Unternehmen aus Amsterdam ist seit 2008 in Deutschland und hat inzwischen nach eigenen Angaben gut 260 GeschĂ€fte. MarktfĂŒhrer Douglas kommt auf rund 340.Â
Deutschland ist einer der gröĂten MĂ€rkte des Unternehmens. Im OnlinegeschĂ€ft verzeichnete Rituals 2024 ein Umsatzplus von 16 Prozent. Das Unternehmen, das weltweit investiert, betont, dass hierzulande «eine bedeutende Zahl neuer GeschĂ€fte» geplant sei. Verkauft werden ausschlieĂlich Produkte der eigenen Marke.Â
Und sonst?Â
DarĂŒber hinaus sind weitere Unternehmen mit niederlĂ€ndischen Wurzeln in Deutschland aktiv:Â
- Hunkemöller, ein FachhĂ€ndler fĂŒr WĂ€sche, StrĂŒmpfe und Dessous, ist bereits seit 1987 auf dem deutschen Markt tĂ€tig und betreibt heute mehr als 330 Filialen.
- Die Modemarke G-Star Raw - 1989 gegrĂŒndet - hat in Deutschland 40 GeschĂ€fte.
- Der niederlÀndische Textildiscounter Zeeman ist hierzulande bereits seit 1981 aktiv und hat mehr als 100 Filialen.
- Der ElektronikhÀndler Coolblue aus Rotterdam eröffnete 2021 seine erste Filiale in Deutschland. Aktuell gibt es sieben GeschÀfte, bis 2029 sollen rund 30 weitere hinzukommen.
- Dille & Kamille - eine Handelskette fĂŒr Haus, Garten und KĂŒche - wurde 1974 in Utrecht gegrĂŒndet. Seit vier Jahren ist sie hierzulande vertreten, inzwischen mit elf GeschĂ€ften. «Dille & Kamille wird in Deutschland auf jeden Fall weiter expandieren», heiĂt es.
- In den Niederlanden gegrĂŒndet wurde auch Picnic. Seit 2018 gibt es den Lebensmittel-Lieferdienst, an dem Edeka beteiligt ist, auch in Deutschland. Picnic beliefert Kunden in 250 StĂ€dten.
- Ebenfalls ausschlieĂlich online prĂ€sent ist die Shop Apotheke. Die Versandapotheke, die zum niederlĂ€ndischen Konzern Redcare Pharmacy gehört, zĂ€hlt zu den umsatzstĂ€rksten Onlineshops in der Bundesrepublik.
- Eine Verbindung ins Nachbarland hat auch Lieferando. Die Bestellplattform gehört zum niederlÀndischen Lieferdienst Just Eat Takeaway.
- NiederlĂ€ndische Wurzeln haben zudem Spar und Euronics. Beide zĂ€hlen inzwischen jedoch zu deutschen Gesellschaften.Â
Was Experten sagen
Was bringt niederlĂ€ndische Unternehmen dazu, nach Deutschland zu expandieren? «Der Heimatmarkt Niederlande ist mit 18 Millionen Einwohnern ĂŒberschaubar», sagt Janine Damm von der deutsch-niederlĂ€ndischen Handelskammer. Deutschland sei aufgrund kultureller NĂ€he und Ă€hnlicher MentalitĂ€t mit ĂŒber 80 Millionen Einwohnern attraktiv. Hinzu kommt die logistisch gĂŒnstige Lage. Deutschland kann direkt aus den Niederlanden beliefert werden. «Das unternehmerische Risiko ist also verhĂ€ltnismĂ€Ăig klein.»Â
Unterschiede sieht sie vor allem in der GeschĂ€ftskommunikation. «In den Niederlanden sind die Hierarchien flacher, die Umgangsformen, auch unter GeschĂ€ftspartnern, lockerer», sagt Damm. Deutsche legten groĂen Wert auf Vorbereitung, PĂŒnktlichkeit und VerlĂ€sslichkeit. Der formellere Umgang könne zu MissverstĂ€ndnissen und Konflikten fĂŒhren.Â
«NĂ€he allein reicht nicht fĂŒr Erfolg», sagt Handelsexperte Hazewinkel. NiederlĂ€ndische EinzelhĂ€ndler seien bei Trends und Stilen, etwa in der Mode, manchmal einen Schritt voraus. «Aufgrund der geringen GröĂe des Landes mussten wir NiederlĂ€nder uns immer anpassen. Deshalb sind wir vielleicht etwas aufgeschlossener fĂŒr Neuheiten.»Â
FĂŒr Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE ist der Erfolg vieler niederlĂ€ndischer Ketten kein Zufall. «Er basiert auf fokussierten Konzepten, Kaufmannsgeist und der cleveren Nutzung der kulturellen NĂ€he. Was wir vom niederlĂ€ndischen Pragmatismus lernen können, ist der Mut zum Testen.» NiederlĂ€ndische HĂ€ndler seien oft «Meister der Nische». Sie definierten ein klares Kundenversprechen - bei Service, Design oder Preis - und setzten es konsequent um.Â
Nicht alle schaffen esÂ
Einige Expansionsversuche sind allerdings gescheitert. Die Warenhauskette Hema hatte gröĂere ExpansionsplĂ€ne, verfolgte diese jedoch nicht weiter. Aktuell betreibt sie noch knapp 20 Filialen in Deutschland. Auch die Non-Food-Kette Blokker versuchte es hierzulande, zog sich jedoch wieder zurĂŒck.Â
Deutsche Filialen gab es auch von der Supermarktkette Albert Heijn. Die letzten schlossen 2018 - «weil das Format nur ein bescheidenes Wachstum verzeichnete und kein ausreichendes Potenzial fĂŒr ein nachhaltiges GeschĂ€ft bot», wie es heiĂt. Der Non-Food-Discounter Xenos stellte seine AktivitĂ€ten ebenfalls ein, die Filialen wurden von Tedi ĂŒbernommen.





