ETS, EU-Einigung

ETS 1: EU-Einigung hebt Schwelle der Marktreserve auf 700 Millionen Zertifikate

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 23:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Parlament und Rat verstÀndigen sich vorlÀufig auf mehr Spielraum in der MarktstabilitÀtsreserve; die formelle BestÀtigung steht noch aus.
Weite Industrielandschaft mit Windkraftanlagen und modernen ProduktionsstÀtten bei Tageslicht Illustration mit AI erstellt.

Der Rat der EuropĂ€ischen Union und das EuropĂ€ische Parlament haben eine vorlĂ€ufige Einigung ĂŒber eine gezielte Anpassung der Regeln fĂŒr das europĂ€ische Emissionshandelssystem ETS 1 erzielt. Kern des Beschlusses ist die Anhebung der Invalidierungsschwelle der MarktstabilitĂ€tsreserve (MSR) von bisher 400 Millionen auf kĂŒnftig 700 Millionen Zertifikate.

Die Einigung stellt einen Kompromiss zwischen den Verhandlungspositionen beider EU-Institutionen dar. WĂ€hrend das EuropĂ€ische Parlament ursprĂŒnglich eine Anhebung auf 650 Millionen Zertifikate ab Februar 2027 gefordert hatte, plĂ€dierte der Rat fĂŒr eine vollstĂ€ndige Aussetzung des Mechanismus bis Ende 2030 mit einem anschließenden Wert von 800 Millionen.

Ein Vorschlag der EuropÀischen Kommission, die Invalidierung unbefristet auszusetzen, fand keine Mehrheit. Damit bleibt die Entwertung von Berechtigungen oberhalb der neu definierten Schwelle grundsÀtzlich in Kraft.

Puffer gegen Preisschwankungen und Schutz der Industrie

Durch die Einigung können kĂŒnftig bis zu 300 Millionen zusĂ€tzliche Rechte in der Reserve gehalten werden. Diese sollen als Puffer dienen, um extreme PreisausschlĂ€ge abzufedern – insbesondere mit Blick auf die sinkende Gesamtemissionsobergrenze ab Mitte des nĂ€chsten Jahrzehnts.

Ziel von Parlament und Rat ist es, die langfristige LiquiditĂ€t und Vorhersagbarkeit im Markt zu verbessern sowie die WettbewerbsfĂ€higkeit der europĂ€ischen Industrie zu stĂŒtzen.

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Darragh O'Brien, Irlands Minister fĂŒr Klima, Energie und Umwelt, der im Rahmen der EU-RatsprĂ€sidentschaft verhandelte, bezeichnete den Beschluss als ausgewogenes Ergebnis. Der Kompromiss biete der Industrie unmittelbare FlexibilitĂ€t, sichere die PreisstabilitĂ€t und schĂŒtze zugleich die IntegritĂ€t des europĂ€ischen Kohlenstoffmarkts.

Historie und wirtschaftliche Bedeutung des Systems

Die MarktstabilitĂ€tsreserve war 2019 eingefĂŒhrt worden. Nach Angaben der EuropĂ€ischen Kommission dient das Instrument dazu, bei einem MarktĂŒberschuss das Auktionsvolumen zu reduzieren und bei Knappheit zusĂ€tzliche Zertifikate freizugeben. Seit dem Start des spezifischen Invalidierungsmechanismus im Jahr 2023 wurden nach Angaben von Rat und Parlament bereits ĂŒber 3 Milliarden Zertifikate dauerhaft vom Markt genommen.

Ausgangspunkt fĂŒr die nun verhandelte Neuregelung waren ein Kommissionsvorschlag vom 01.04.2026 sowie die Schlussfolgerungen des EuropĂ€ischen Rates vom 16.10.2026. Das ETS 1 deckt nach Angaben der Kommission rund 40 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der EuropĂ€ischen Union ab.

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EU-Daten zufolge entfallen im Schnitt rund 11 Prozent der europÀischen Stromrechnung auf das Emissionshandelssystem; regional schwanken die Werte deutlich, etwa mit 24 Prozent in Polen und 20 Prozent in Tschechien.

Formelle Annahme und weitere Schritte

Die Neuregelung ist der EuropĂ€ischen Kommission zufolge ein erster Schritt hin zu einer umfassenderen Modernisierung des Marktes. Im Rahmen der breiteren ÜberprĂŒfung des ETS ist zudem vorgesehen, kĂŒnftig eine schrittweise Senkung der Invalidierungsschwelle zu vereinbaren.

Die neuen Vorgaben treten unmittelbar nach ihrer formellen Annahme in Kraft. Der vorlĂ€ufige Kompromiss muss hierfĂŒr noch formal vom EuropĂ€ischen Parlament und vom Rat der EU bestĂ€tigt und im Amtsblatt der EuropĂ€ischen Union veröffentlicht werden.

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