Act, Kennzeichnungspflicht

EU AI Act: Neue Kennzeichnungspflicht für KI-Chatbots ab sofort

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Seit Anfang August 2026 gelten verbindliche EU-Transparenzregeln für KI. Unternehmen müssen Chatbots kennzeichnen und KI-Inhalte markieren, sonst drohen hohe Bußgelder.

EU AI Act: Transparenzpflichten für KI-Systeme treten im August 2026 in Kraft
Digitale Schnittstelle mit abstraktem neuronalen Netzwerk und Datenströmen als Symbol für KI-Transparenz und Regulierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Anfang August 2026 sind die Transparenzvorschriften des europäischen Gesetzes über Künstliche Intelligenz (EU AI Act) verbindlich in Kraft getreten. Gemäß Artikel 50 der Verordnung müssen Unternehmen nun offenlegen, wenn Nutzer mit einem KI-System interagieren. Dies betrifft insbesondere Chatbots, die sich künftig eindeutig als künstliche Intelligenz zu erkennen geben müssen. Zudem sieht das Gesetz eine umfassende Kennzeichnungspflicht für Deepfakes und andere KI-generierte Inhalte vor.

Verpflichtungen zur Kennzeichnung und Offenlegung

Die neuen Regelungen verpflichten Anbieter und Betreiber, KI-generierte Bilder, Videos und Texte sowohl sichtbar als auch maschinenlesbar zu kennzeichnen. Insbesondere KI-Texte, die öffentliche Themen behandeln, unterliegen künftig einer Labelling-Pflicht. Diese Bestimmungen richten sich vorwiegend an professionelle Akteure, darunter auch Influencer. Privatpersonen sind von den Transparenzpflichten hingegen ausgenommen. Große Anbieter wie Google, Meta und OpenAI müssen ihre Systeme entsprechend anpassen, um die Anforderungen zu erfüllen.

Auch der Einsatz von Systemen zur Emotionserkennung muss künftig offengelegt werden. Für bestehende Systeme gilt eine Übergangsfrist: Bis zum 2. Dezember 2026 müssen diese nachgerüstet werden, wobei ein besonderer Fokus auf der Implementierung maschinenlesbarer Wasserzeichen liegt. Medienunternehmen bleiben von den Kennzeichnungspflichten weitgehend befreit, sofern eine redaktionelle Kontrolle vorliegt. Dies gilt ebenfalls für künstlerische oder satirische Inhalte sowie für redaktionell geprüfte Beiträge. Der österreichische Rundfunk ORF hat bereits angekündigt, die Kennzeichnung von KI-Inhalten auszuweiten und diese künftig timecode-genau vorzunehmen.

Überwachung und Sanktionen durch die Behörden

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Die Einhaltung der neuen Standards wird auf europäischer Ebene durch das KI-Amt kontrolliert. In Deutschland übernimmt die Bundesnetzagentur die Funktion der zuständigen Aufsichtsbehörde. In Österreich wurde indes berichtet, dass eine entsprechende nationale Aufsichtsbehörde für die Transparenzpflichten zum Zeitpunkt des Inkrafttretens noch fehlt.

Bei Verstößen gegen die Transparenzregeln sieht der EU AI Act empfindliche Strafen vor. Den Unternehmen drohen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder bis zu 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Sollten Unternehmen verbotene Praktiken anwenden, können die Strafzahlungen auf bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes steigen.

Kritik aus der Wirtschaft und technische Hürden

Trotz der Unterzeichnung eines Verhaltenskodex durch 190 Unternehmen stießen die neuen Pflichten in der Wirtschaft auch auf Kritik. Der Branchenverband eco bemängelte fehlende technische Standards und forderte eine stärkere Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit. Ein Kritikpunkt des Verbandes war zudem, dass verbindliche Leitlinien erst 13 Tage vor dem Inkrafttreten der Regeln veröffentlicht worden seien.

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Experten äußerten zudem Zweifel an der technischen Wirksamkeit der Kennzeichnungen. Zwar könnten schätzungsweise über 95 Prozent der KI-Beiträge erkannt werden, doch seien Wasserzeichen häufig leicht zu entfernen. Zudem böten offene Modelle Möglichkeiten, die vorgeschriebenen Labels zu umgehen.

Weitere Zeitpläne und Verbote

EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen bezeichnete die neuen Regeln als wichtigen Schritt hin zu einer vertrauenswürdigen KI für Menschen und Unternehmen. Über die aktuellen Transparenzregeln hinaus sind bereits weitere Schritte festgelegt. Ab Dezember 2026 greift ein Verbot für sogenannte Nudify-Apps und Deepfake-Pornografie. Die strengeren Anforderungen für Hochrisiko-Systeme treten am 2. Dezember 2027 in Kraft, während spezifische Regeln für Hochrisiko-Produkte ab August 2028 gelten sollen.

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