EU-China-Handel, Maros Sefcovic

EU-China-Handel: Handelskammer fordert Dialog statt pauschaler Zölle

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 02:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Vor GesprĂ€chen in Peking fordert die Deutsche Handelskammer in China einen Dialog mit der Volksrepublik und gezielte statt pauschaler EU-Maßnahmen. Zugleich erwarten 80 Prozent der befragten Unternehmen Folgen, falls die Handelsverhandlungen scheitern.

Oliver Oehms von der AHK China hofft auf den Dialog zwischen der EU und China. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa
Oliver Oehms von der AHK China hofft auf den Dialog zwischen der EU und China. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa

Vor der China-Reise von EU-Handelskommissar Maros Sefcovic wirbt die Deutsche Handelskammer in China fĂŒr Dialog und gezielte Maßnahmen im Handelsstreit.

Handelskammer warnt vor pauschalen Zöllen

„Entscheidend ist, dass China in den Dialogen neben bestehenden Herausforderungen auch als Partner berĂŒcksichtigt wird“, erklĂ€rte Oliver Oehms, geschĂ€ftsfĂŒhrendes Vorstandsmitglied der Kammer in Nordchina, laut Mitteilung.

Die EU solle ihre Maßnahmen auf die Probleme einzelner Branchen zuschneiden. Die Kammer plĂ€diere fĂŒr Initiativen, die Nutzen und Risiken abwĂ€gten und auf sektorspezifische Instrumente setzten, statt pauschale Zölle oder allgemeine Vorgaben zu erlassen.

Unternehmen sehen Risiken einer Eskalation

Oehms verwies zugleich auf Vorteile der Zusammenarbeit. Deutsche Unternehmen entwickelten in China zunehmend Wissen, das auch den deutschen Konzernzentralen zugutekommen und ihre WettbewerbsfĂ€higkeit stĂ€rken könne. Die Wirtschaftspolitik solle diesen Austausch fördern, wenn er beiden Seiten nĂŒtze.

Die Handelskammer veröffentlichte vor der geplanten Reise außerdem Ergebnisse ihrer diesjĂ€hrigen GeschĂ€ftsklimaumfrage. Die Unternehmen sollten einschĂ€tzen, wie stark ihr China-GeschĂ€ft betroffen wĂ€re, falls die laufenden Handelsverhandlungen zwischen der EU und China keine greifbaren Ergebnisse brĂ€chten und eine mit einem Handelskonflikt vergleichbare Lage entstĂŒnde.

80 Prozent rechnen mit Auswirkungen

33 Prozent der Befragten erwarten in diesem Fall erhebliche Auswirkungen, 47 Prozent moderate. Insgesamt rechnen damit 80 Prozent mit Folgen fĂŒr ihr China-GeschĂ€ft. 14 Prozent erwarten keinen Einfluss.

GesprÀche in Peking geplant

Sefcovic wird am Donnerstag und Freitag in Peking zu GesprÀchen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao erwartet. Die EU dringt auf einen Abbau des Ungleichgewichts im Handel mit China und kauft deutlich mehr Waren aus der Volksrepublik, als sie dorthin verkauft.

Peking weist die Kritik an seinen HandelsĂŒberschĂŒssen und ÜberkapazitĂ€ten als protektionistisch zurĂŒck.

Handelsstreit belastet Europas Industrie

Die GesprĂ€che in Peking treffen auf ein strukturelles Ungleichgewicht: Die EU importiert deutlich mehr Waren aus China, als sie dorthin exportiert. Zugleich wirft sie China staatliche Subventionen, ÜberkapazitĂ€ten und Wettbewerbsverzerrungen vor. Besonders sichtbar ist der Konflikt in strategischen Branchen wie der Automobilindustrie, bei Batterien und weiteren Technologien.

In den vergangenen Monaten hat sich deshalb der politische Druck in Europa erhöht, Handelsschutzinstrumente schneller und gezielter einzusetzen. Deutschland und Frankreich werben fĂŒr zusĂ€tzliche Möglichkeiten, gegen unfaire Handelspraktiken vorzugehen und AbhĂ€ngigkeiten bei Lieferketten zu verringern. Parallel fordern deutsche Ministerien eine konsequentere Nutzung von Ausgleichszöllen, InvestitionsprĂŒfungen und Regeln zum Schutz geistigen Eigentums.

Wirtschaft zwischen AbhÀngigkeit und Kooperation

FĂŒr deutsche Unternehmen bleibt China zugleich ein wichtiger Absatz- und Produktionsstandort. Die GeschĂ€ftsklimaumfrage der Handelskammer zeigt, wie stark Firmen eine Eskalation fĂŒrchten: 80 Prozent erwarten im Fall eines handelskonfliktĂ€hnlichen Szenarios moderate oder erhebliche Auswirkungen auf ihr China-GeschĂ€ft. Damit steht die EU vor einem Zielkonflikt. Sie will ihre Industrie vor verzerrtem Wettbewerb schĂŒtzen, ohne den Austausch abzuwĂŒrgen, der Unternehmen Zugang zu MĂ€rkten, Wissen und Lieferketten verschafft.

FĂŒr die GesprĂ€che in Peking bedeutet das: Gefragt sind konkrete Vereinbarungen fĂŒr einzelne Branchen statt pauschaler Strafmaßnahmen. Gelingt kein Fortschritt, könnten neue Handelsschutzmaßnahmen und Gegenreaktionen aus China die Kosten fĂŒr Unternehmen erhöhen und Investitionsentscheidungen erschweren.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Zum Schutz deutscher Wirtschaft: SPD-gefĂŒhrte Ministerien fordern verschĂ€rfte Wirtschaftssanktionen gegen China“ (05.10.2026)

Der Bericht hebt hervor, die SPD-gefĂŒhrten Ministerien forderten ein hĂ€rteres Vorgehen gegen staatliche Subventionen, ÜberkapazitĂ€ten und wirtschaftlichen Zwang aus China. Er setze damit einen deutlich konfrontativeren Schwerpunkt als die Handelskammer, bestĂ€tige aber den Druck, europĂ€ische Schutzinstrumente gezielter und schneller einzusetzen.

DER SPIEGEL: „EU: Deutschland und Frankreich drĂ€ngen auf neue Instrumente gegen unfaire Handelspartner“ (05.10.2026)

Der Artikel schreibe, Deutschland und Frankreich wollten der EU schnellere Instrumente gegen unfaire Handelspartner ermöglichen, darunter eine stĂ€rkere Diversifizierung von Lieferketten und ein Verfahren zum Ausschluss eines Landes vom Binnenmarkt. Anders als die Handelskammer konzentriere sich der Bericht auf die geplante VerschĂ€rfung der europĂ€ischen Abwehrmöglichkeiten; offen bleibe, ob und gegen welche Staaten ein solches Instrument eingesetzt wĂŒrde.

Beide Berichte bestĂ€tigten den wachsenden politischen Druck auf China, unterschieden sich aber in der Bewertung des angemessenen Vorgehens: WĂ€hrend die Handelskammer den Dialog und sektorspezifische Maßnahmen betone, rĂŒckten die anderen BeitrĂ€ge schĂ€rfere Schutzinstrumente und eine Verringerung wirtschaftlicher AbhĂ€ngigkeiten in den Mittelpunkt.

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