EU-Kommission: Montenegro könnte nÀchstes EU-Mitglied werden
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 13:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWie aus einer neuen Analyse der BrĂŒsseler Behörde hervorgeht, könnte das Land bereits Ende dieses Jahres die Beitrittsverhandlungen erfolgreich abschlieĂen. Die tatsĂ€chliche Aufnahme in die Staatengemeinschaft könnte dann 2028 erfolgen.
Entscheidend werde in den kommenden Wochen sein, dass Montenegro seinen konsequenten Fokus auf die Vorbereitung auf die EU-Mitgliedschaft beibehalte sowie bereits beschlossene Reformen nachhaltig umsetze, heiĂt es in der Analyse weiter. Dann gehe die Kommission davon aus, dass der Beitrittsvertrag mit Montenegro im Juni 2027 unterzeichnet werden kann. AnschlieĂend muss noch ein Beitrittsvertrag ausgehandelt und von allen bisherigen 27 Mitgliedstaaten ratifiziert werden.
Auch Albanien und Moldau könnten der Kommission zufolge in den kommenden Jahren der EU beitreten, auĂerdem unterstĂŒtzt die Behörde die BeitrittsbemĂŒhungen der Ukraine.
Der Abschluss der Beitrittsverhandlungen mit Albanien wird Ende 2027 fĂŒr möglich gehalten, der mit Moldau Anfang 2028. Bis zur tatsĂ€chlichen Aufnahme in die EU dĂŒrften dann aber auch bei ihnen noch einmal mehr als 20 Monate vergehen. In dieser Zeit muss zunĂ€chst ein Beitrittsvertrag fertig ausgehandelt und unterzeichnet werden. AnschlieĂend mĂŒssen alle bisherigen Mitgliedstaaten sowie das Kandidatenland den Vertrag ratifizieren. FĂŒr alle LĂ€nder betont die Kommission, dass die LĂ€nder ihre Ziele nur erreichen können, wenn sie alle Aufnahmebedingungen erfĂŒllen.
Beim jĂŒngsten EU-Mitglied Kroatien dauerte das gesamte Verfahren rund zwei Jahre. Das Land war am 1. Juli 2013 beigetreten. Seitdem hat es keine weiteren EU-Beitritte mehr gegeben. Durch den Austritt GroĂbritanniens 2020 sank die Zahl der Mitgliedstaaten wieder auf 27.
Die Ukraine will Ende 2028 einen Abschluss der Beitrittsverhandlungen erreichen. "Die EuropĂ€ische Kommission unterstĂŒtzt dieses ambitionierte Ziel, ist jedoch der Auffassung, dass hierfĂŒr eine Beschleunigung des Reformtempos erforderlich ist", heiĂt es in der Analyse. Als schwierig gelten beispielsweise notwendige Reformen im Bereich der Rechtsstaatlichkeit und der KorruptionsbekĂ€mpfung. Besonders herausfordernd ist dabei, dass die Reformen inmitten des russischen Angriffskriegs umgesetzt werden mĂŒssen.
Sonderrolle Ukraine
FĂŒr die Ukraine ist die EU-Beitrittsperspektive von herausragender Bedeutung. Sie gilt als Signal, dass das Land eine dauerhafte Zukunft in der europĂ€ischen Staatengemeinschaft hat. Eine EU-Mitgliedschaft wĂŒrde die Ukraine nicht nur wirtschaftlich und politisch enger an den Westen binden, sondern ihr durch die Beistandsklausel aus dem EU-Vertrag auch zusĂ€tzliche Sicherheit bieten. Eine Aufnahme noch wĂ€hrend des Krieges gilt allerdings auch wegen der damit verbundenen militĂ€rischen Beistandsverpflichtungen als politisch kaum vorstellbar.
Unter den vier BeitrittskandidatenlĂ€ndern ist die Ukraine das mit Abstand gröĂte. Das Land hat nach jĂŒngsten Weltbank-Zahlen etwa 39 Millionen Einwohner - weniger als halb so viele wie Deutschland - ist aber mit rund 604.000 Quadratkilometern fast 1,7-mal so groĂ wie Deutschland. Das kleine AdriakĂŒstenland Montenegro hat nur rund 620.000 Einwohner. In der Mitte liegen Albanien und Moldau, die beide etwa 2,4 Millionen Einwohner zĂ€hlen.
Wachsen der Staatengemeinschaft soll fĂŒr StabilitĂ€t sorgen
In den EU-Erweiterungsprozess kam zuletzt vor allem aus geopolitischen ErwĂ€gungen wieder neue Dynamik. Die Aufnahme weiterer Staaten soll auch den Einfluss der EU stĂ€rken und verhindern, dass LĂ€nder aus EnttĂ€uschung ĂŒber eine fehlende Beitrittsperspektive engere Partnerschaften mit Russland oder China eingehen.
Gerade der Westbalkan gilt dabei als strategisch besonders wichtige Region, unter anderem wegen seiner Bedeutung fĂŒr die europĂ€ische Sicherheit, Energieversorgung und Migrationspolitik. Mit einer Aufnahme der Ukraine und Moldaus wĂŒrde die EU zudem ihren Einflussraum weit nach Osten ausdehnen.
Zugleich gibt es allerdings auch LĂ€nder, die Risiken sehen - unter anderem wegen der Herausforderungen beim Schutz der neuen AuĂengrenzen und bei der gemeinsamen AuĂen- und Sicherheitspolitik.
Als Problem gilt bei einem EU-Beitritt der Ukraine auch die Integration ihrer riesigen Landwirtschaft. WĂŒrden ukrainische Bauern nach einer Aufnahme uneingeschrĂ€nkt von den europĂ€ischen Agrarsubventionen profitieren, könnte dies den EU-Haushalt massiv belasten und zulasten der bisherigen EmpfĂ€nger gehen. Zudem fĂŒrchten Landwirte in anderen EU-Staaten, dass die vergleichsweise kostengĂŒnstige ukrainische Produktion die Preise etwa fĂŒr Getreide, Zucker und GeflĂŒgel unter Druck setzen könnte.
Die EU-Kommission hat deswegen bereits vorgeschlagen, fĂŒr die Ukraine besondere Ăbergangsregelungen vorzusehen, die sowohl die finanzielle UnterstĂŒtzung als auch den Zugang zum europĂ€ischen Markt fĂŒr sensible Agrarprodukte deutlich einschrĂ€nken könnten. Wie diese genau aussehen sollen, mĂŒsste dann im Rahmen der Beitrittsverhandlungen vereinbart werden.
Weitere BeitrittsanwÀrter
Vorerst keine BeitrittsfahrplĂ€ne gibt es fĂŒr die BeitrittsanwĂ€rter Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und Kosovo sowie fĂŒr die TĂŒrkei und Georgien. Bei diesen LĂ€ndern sind bislang keine ausreichenden Fortschritte gemacht worden. Bei der TĂŒrkei und Georgien liegt der Beitrittsprozess sogar wegen demokratischer und rechtsstaatlicher Defizite ganz auf Eis.
