ROUNDUP, Orban-Besuch

Orban-Besuch entfacht politischen Boxkampf im EU-Parlament

09.10.2024 - 15:23:58

EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen und mehrere Europaabgeordnete haben sich mit Ungarns MinisterprÀsidenten Viktor Orbans einen heftigen Schlagabtausch im Europaparlament geliefert.

Die VorwĂŒrfe: Vetternwirtschaft, Missbrauch von EU-Geldern und Ungarn als Einfallstor fĂŒr russische und chinesische Interessen. Orban kritisierte in Straßburg die aus seiner Sicht gescheiterte EU-Migrationspolitik. In Kritik der Rednerinnen und Redner - die unter anderem aus den Reihen der Christdemokraten, Liberalen, Sozialdemokraten kam - sieht er LĂŒgen und Propaganda. "Es ist eine Art Intifada, die hier organisiert wird", so der Regierungschef.

Von der Leyen geht hart mit Orban ins Gericht

In ihrem knapp zehnminĂŒtigen Redebeitrag brachte von der Leyen eine Attacke nach der nĂ€chsten: Die ungarische Regierung habe Schleuser vorzeitig aus dem GefĂ€ngnis entlassen, Russen ohne zusĂ€tzliche Sicherheitschecks ins Land gelassen und der chinesischen Polizei erlaubt, in Ungarn zu arbeiten. "Das ist keine Verteidigung der SouverĂ€nitĂ€t Europas. Das ist eine HintertĂŒr fĂŒr auslĂ€ndische Einmischung", sagte die deutsche Spitzenpolitikerin. Orban werfe seine Probleme nur seinen Nachbarn ĂŒber den Zaun.

Damit Ă€ußert von der Leyen weitgehend dieselbe Kritik, die auch aus den Reihen großer Fraktionen zu hören war. In den kommenden Wochen ist die CDU-Politikerin noch auf deren UnterstĂŒtzung angewiesen, damit das Parlament grĂŒnes Licht fĂŒr ihren Vorschlag fĂŒr die Besetzung der zukĂŒnftigen EU-Kommission gibt.

Die EuropĂ€ische Kommission, Nichtregierungsorganisationen und Europaabgeordnete werfen Ungarn schon lĂ€nger vor, europĂ€ische Werte zu verletzen. Kritisiert werden unter anderem mangelnde Rechtsstaatlichkeit und die EinschrĂ€nkung der Meinungsfreiheit. JĂŒngst hatte der EuGH geurteilt, dass sich Ungarn nicht an EU-Recht hĂ€lt und eine Millionenstrafe verhĂ€ngt.

Beziehung zu Russland in der Kritik

Von der Leyen warf Orban indirekt vor, sich nicht an sein Wort zu halten. Nach Russlands Angriff auf die Ukraine hÀtten alle Staats- und Regierungschefs der EU beschlossen, sich unabhÀngiger von russischer Energie zu machen und Alternativen zu suchen. Insbesondere ein Mitgliedstaat habe jedoch nur nach Alternativen Ausschau gehalten, wie es weiter russische Energie kaufen könne.

Orban griff Kritiker auch namentlich an. Den deutschen Abgeordneten Daniel Freund (GrĂŒne) bezeichnete Orban in seinem Abschlussstatement als den "korruptesten Mensch auf dieser Erde", weil er fĂŒr Berichte ĂŒber Ungarn Geld des jĂŒdischen US-MilliardĂ€rs George Soros nutze. Die ungarische Regierung macht immer wieder Stimmung gegen den aus Ungarn stammenden Holocaust-Überlebenden Soros, auch mit antisemitischen Stereotypen. Freund ist einer der vehementesten Gegner Orbans im EU-Parlament. Der FDP-Abgeordnete Moritz Körner sieht in Orban einen "nĂŒtzlichen Idioten Chinas" und Russlands der gegen die Interessen der EU agiere. "Die Mehrheit der EU-Abgeordneten sieht in Orban nur noch einen korrupten Möchtegern-Autokraten."

Orban setzt Migration als Schwerpunkt

In seiner Auftaktrede forderte Orban als Reaktion auf "illegale Migration" in die EU regelmĂ€ĂŸige Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Schengenstaaten. Es bestehe das Risiko, dass der eigentlich grenzkontrollfreie Schengen-Raum auseinanderbreche. An ihm beteiligen sich derzeit 25 der 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Konkret will Orban Asylverfahren kĂŒnftig in Staaten außerhalb der EU in externen "Hotspots" durchfĂŒhren lassen.

Illegale Migration fĂŒhre zu wachsendem Antisemitismus, wachsender Gewalt gegen Frauen und wachsender Homophobie, behauptete Orban. Der seit Jahren wachsende Migrationsdruck sei eine signifikante Belastung- insbesondere fĂŒr Mitgliedstaaten mit einer EU-Außengrenze. Dasaktuelle europĂ€ische Asylsystem funktioniere einfach nicht.

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen erwiderte in einer Rede, jeder verstehe, dass die Migration eine europĂ€ische Herausforderung sei, die eine europĂ€ische Lösung erfordere. DafĂŒr gebe es aber das neue Migrations- und Asylpaket, das nun umgesetzt werden mĂŒsse.

@ dpa.de