EU-SouverÀnitÀt: Kommission plant 200-Mrd-Paket gegen US-Tech-Dominanz
Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 10:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
BrĂŒssel, 3. Juni 2026 â EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen hat heute ein umfassendes MaĂnahmenpaket vorgestellt. Es zielt darauf ab, Europas Position in der globalen Tech-Riege zu stĂ€rken. Die AbhĂ€ngigkeit von amerikanischen und chinesischen Digitalkonzernen soll drastisch sinken. Kernbereiche sind KĂŒnstliche Intelligenz, Cloud-Computing und die Halbleiterproduktion.
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Neues Vergaberecht fĂŒr sensible Bereiche
HerzstĂŒck der Initiative ist der Cloud and AI Development Act (Cada). EU-Tech-Kommissarin Henna Virkkunen prĂ€sentierte das Gesetz in BrĂŒssel. Es reformiert die Vergabe öffentlicher AuftrĂ€ge fĂŒr digitale Dienste grundlegend. Bisher entschied oft der gĂŒnstigste Preis. KĂŒnftig mĂŒssen Behörden bei sensiblen Bereichen wie Verwaltung, Finanzen, Gesundheit und Energie auch nicht-preisliche Kriterien berĂŒcksichtigen. Dazu zĂ€hlt etwa die Nutzung europĂ€ischer Hardware und Software.
Die Kommission zeigt sich besonders besorgt ĂŒber den US-Cloud-Act von 2018. Dieses Gesetz zwingt amerikanische Anbieter, US-Behörden Zugriff auf Kundendaten zu gewĂ€hren â unabhĂ€ngig vom Speicherort. Die Folge: GroĂe US-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Google und Microsoft könnten bei sensiblen öffentlichen Ausschreibungen faktisch ausgeschlossen werden. Besonders heikle Daten, etwa im Verteidigungsbereich, sollen kĂŒnftig ausschlieĂlich in souverĂ€nen europĂ€ischen Clouds gespeichert werden.
Die Zahlen belegen den Handlungsdruck: Europa ist bei rund 80 Prozent seiner digitalen Technologien von auslÀndischen Anbietern abhÀngig. Das geht aus dem Draghi-Report von 2024 hervor. Diese AbhÀngigkeit kostet die europÀische Wirtschaft jÀhrlich schÀtzungsweise 264 Milliarden Euro. US-Unternehmen kontrollieren derzeit rund 70 Prozent des europÀischen Cloud-Marktes und 63 Prozent des globalen Marktes.
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Investitionen in Milliardenhöhe
Um diese Marktdominanz zu brechen, plant die EU einen massiven Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die DatenzentrumskapazitĂ€t soll sich innerhalb der nĂ€chsten fĂŒnf bis sieben Jahre verdreifachen. Ziel ist es, den heimischen Bedarf bis 2035 vollstĂ€ndig aus eigener Kraft zu decken. Die Initiative âInvestAIâ soll insgesamt 200 Milliarden Euro fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz mobilisieren.
UnterstĂŒtzung kommt von einem BĂŒndnis aus 13 europĂ€ischen Cloud-Organisationen. Dazu gehören Unternehmen wie OVHcloud, Nextcloud, Proton und Ecosia. Bereits am 1. Juni 2026 veröffentlichten diese Anbieter einen offenen Brief. Sie fordern digitale SouverĂ€nitĂ€t und die Bevorzugung heimischer Anbieter bei sensiblen öffentlichen AuftrĂ€gen. OVHcloud arbeitet eigenen Angaben zufolge bereits an einer eigenen Verteidigungssparte und fĂŒhrt GesprĂ€che mit der Kommission ĂŒber den Austausch bestimmter auslĂ€ndischer Cloud-Dienste.
Auch auf nationaler Ebene tut sich einiges. Bei einem kĂŒrzlichen Gipfeltreffen in Frankreich wurden Rekordinvestitionen von insgesamt 93 Milliarden Euro angekĂŒndigt. Der japanische Mischkonzern SoftBank will bis 2031 rund 45 Milliarden Euro in französische Rechenzentren investieren. Weitere Zusagen kamen von Unternehmen wie Brookfield und Ardian.
Halbleiter: Ehrgeizige Ziele, kritische Stimmen
Das Paket enthĂ€lt zudem eine Ăberarbeitung des EU-Chips-Acts. Ziel ist es, 120 Milliarden Euro an Investitionen fĂŒr die Halbleiterindustrie zu mobilisieren. Eine wichtige Neuerung: Die EU erhĂ€lt Notfallbefugnisse. Bei kritischen Lieferkettenunterbrechungen könnte sie bestimmte Hersteller oder AuftrĂ€ge priorisieren.
Der EuropĂ€ische Rechnungshof zeigt sich jedoch skeptisch. Die Kommission strebt an, dass Europa bis 2030 einen Anteil von 20 Prozent am globalen Halbleitermarkt kontrolliert. Die aktuellen Prognosen des Rechnungshofs sehen die Union jedoch nur bei 11,7 Prozent. Das ambitionierte Ziel scheint in weite Ferne gerĂŒckt.
Das Gesetzespaket muss nun vom EuropĂ€ischen Parlament und den Mitgliedstaaten geprĂŒft und genehmigt werden. Erst dann kann es offiziell in Kraft treten.
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