EU-Standard ESRS-40a: 800 Konzerne zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 12:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die EU-Kommission will mit dem neuen Standard ESRS-40a bis zu 800 globale Konzerne zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichten. Betroffen sind Unternehmen mit signifikanten Umsätzen im EU-Binnenmarkt. Damit dehnt Brüssel die Reichweite der europäischen ESG-Standards erstmals massiv auf Akteure außerhalb der Union aus.
Wer berichten muss
Die Pflicht knüpft an konkrete Umsatzschwellen an: Nicht-EU-Konzerne müssen berichten, wenn sie in der EU mehr als 450 Millionen Euro Jahresumsatz erzielen. Zusätzlich muss die lokale Tochtergesellschaft die 200-Millionen-Marke überschreiten.
Besonders betroffen sind Unternehmen aus dem englischsprachigen Raum. Rund 450 der identifizierten Konzerne haben ihren Sitz in den USA, etwa 200 in Großbritannien. Der Entwurf sieht für sie eine reduzierte Berichtspflicht vor – der administrative Aufwand soll in verhältnismäßigem Rahmen bleiben.
Zeitplan bis zur ersten Bilanz
Der Entwurf startet nun in die Konsultationsphase. Bis Ende Oktober 2026 können Stellungnahmen eingereicht werden, Mitte 2027 soll ein delegierter Rechtsakt verabschiedet werden. Die erste Berichterstattung nach den neuen Vorgaben ist für das Jahr 2029 geplant.
Parallel rücken kleine und mittlere Unternehmen in den Fokus: Der VSME-Standard staffelt die Pflichten nach Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl. Kleinstunternehmen werden ab 450.000 Euro Bilanzsumme und zehn Mitarbeitern erfasst, mittlere Betriebe ab 25 Millionen Euro und 250 Beschäftigten. Spezialisierte Software könnte den Aufwand für diese Berichte um bis zu 75 Prozent senken.
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Globale Angleichung, lokale Probleme
Die Verschärfung fällt in eine phase internationaler Harmonisierung. Vietnam hat kürzlich GRI-Standards übersetzt, um lokalen Unternehmen den Zugang zu globalen Kapitalströmen zu erleichtern. Auch die Türkei überarbeitete ihre Standards und erklärte das Treibhausgas-Protokoll für verbindlich.
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Die Datenpraxis hinkt hinterher: In Polen meldeten 42 Prozent der Unternehmen Fehler in ihren Vergleichsdaten. Esther An vom GRI-Aufsichtsrat betont, dass Innovationen und Investitionen entscheidend für die Wirkung der Maßnahmen seien. Nguyen Cong Minh Bao, GRI-Landesdirektor für Vietnam, verweist auf die Digitalisierung als Schlüssel für vergleichbare und vertrauenswürdige Lieferkettendaten.
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