EU-Verordnung 2026/ 1744: Strenge KI-Regeln fĂŒr Personal ab Dezember 2027
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deAngesichts des fortschreitenden Wandels in den Unternehmen verlangt die Gewerkschaft Verdi verbindliche Vorgaben fĂŒr den betrieblichen Umgang mit KĂŒnstlicher Intelligenz.
Da die Technologie inzwischen nahezu jeden Arbeitsplatz grundlegend verĂ€ndere, seien klare Regeln fĂŒr die Anwendung unerlĂ€sslich. Dabei setzt der Verdi-Vorsitzende insbesondere auf europĂ€ische Cloud-Infrastrukturen, um digitale SouverĂ€nitĂ€t zu wahren.
UnterstĂŒtzung fĂŒr ein rascheres Vorgehen kommt aus der Politik: Digitalminister Wildberger erklĂ€rte, bei der Regulierung von KI kĂŒnftig schneller und aktiver agieren zu wollen.
Zunehmende Verbreitung und Bedeutung der Mitbestimmung
Die Dringlichkeit verlĂ€sslicher Rahmenbedingungen spiegeln aktuelle Erhebungen wider. Nach dem Diskussionspapier Nummer 53 des Weizenbaum-Instituts auf Basis der Betriebsbefragung âKI im Betriebâ 2025 unter 440 deutschen Betrieben stieg der Einsatz entsprechender Systeme im Regelbetrieb von rund 50 % im Jahr 2024 auf 62 % im Jahr 2025 an. Knapp 80 % der Unternehmen verfolgen damit Automatisierungs- und Effizienzziele, wĂ€hrend zwei Drittel derzeit mit der Technologie experimentieren.
Gewonnene Arbeitszeit flieĂt laut der Untersuchung vorrangig in die ProduktqualitĂ€t (82 %) sowie in den Abbau von Mehrarbeit (70 %). Gleichzeitig beabsichtigen 40 % der befragten Betriebe, mittels KI Personal einzusparen; etwa ein Drittel nimmt bereits eine leichte Abnahme von ArbeitsplĂ€tzen wahr.
ProduktivitĂ€tsgewinne erwarten drei Viertel der Manager und zwei Drittel der BetriebsrĂ€te. Eine entscheidende Rolle spielt die betriebliche Mitbestimmung: In Betrieben, in denen BetriebsrĂ€te bei der EinfĂŒhrung einbezogen werden â was derzeit bei 53 % der Fall ist â, lassen sich eine höhere Akzeptanz sowie seltenere Arbeitsintensivierungen verzeichnen.
Wer sich mit der EinfĂŒhrung neuer Technologien befasst, sollte seine Mitbestimmungsrechte prĂ€zise kennen. Dieser kostenlose Ratgeber erklĂ€rt verstĂ€ndlich, wie Sie den maĂgeblichen Paragrafen des Betriebsverfassungsgesetzes rechtssicher fĂŒr die Belegschaft nutzen. Das HerzstĂŒck der Mitbestimmung jetzt kostenlos entdecken
Risiken durch Technostress und arbeitsrechtliche Grenzen
Fehlen klare Regelungen und Zeitfenster fĂŒr die QualitĂ€tskontrolle, kann der Einsatz moderner Systeme zu Technostress und Wissensverlust fĂŒhren. Werden Effizienzgewinne rein fĂŒr Kostenensenkungen genutzt, schwĂ€cht dies langfristig die Fachkompetenz der Belegschaft. Auch rechtliche Risiken nehmen zu. Ein Arbeitsrechtler wies darauf hin, dass die heimliche Nutzung von KI am Arbeitsplatz erhebliche KĂŒndigungsrisiken birgt.
Welche Konsequenzen unĂŒberprĂŒfte Ergebnisse haben können, zeigte unlĂ€ngst das Bundesarbeitsgericht. Mit Beschluss vom 30. September 2026 (Az. 2 AZN 339/26) verwarf das Gericht eine von einer KI erstellte Nichtzulassungsbeschwerde als unzulĂ€ssig.
Ausschlaggebend war die unterbliebene anwaltliche PrĂŒfung: Neben formalen MĂ€ngeln und einer unzureichenden BegrĂŒndung basierte der Schriftsatz auf frei erfundenen Gerichtsentscheidungen. Vor dem Bundesarbeitsgericht herrscht Vertretungszwang, weshalb SchriftsĂ€tze zwingend das Ergebnis eigener geistiger Arbeit des BevollmĂ€chtigten darstellen mĂŒssen.
Die rechtssichere Gestaltung von Arbeitsbedingungen erfordert in Zeiten des digitalen Wandels fundierte Verhandlungsgrundlagen. Sichern Sie sich praxiserprobte Muster und Checklisten, um betriebliche Vereinbarungen erfolgreich und zum Wohle der BeschÀftigten durchzusetzen. Kostenlose Muster-Betriebsvereinbarung hier herunterladen
Internationale Debatte ĂŒber regulatorische Leitplanken
Auch auf europÀischer Ebene wÀchst der Druck auf die Gesetzgeber. Gewerkschaften fordern strengere Schutzvorkehrungen in der kommenden EU-BeschÀftigungsgesetzgebung, dem Quality Jobs Act, insbesondere mit Blick auf algorithmische Arbeitsplatzsteuerung.
Auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung forderte die Co-Chefredakteurin von netzpolitik.org, Anna Biselli, Europa mĂŒsse KI ebenso selbstbewusst wie den Datenschutz regulieren und Vorgaben auch gegenĂŒber US-Anbietern durchsetzen, anstatt Regeln zugunsten wirtschaftlicher FreirĂ€ume aufzuweichen.
In Norwegen einigten sich die Regierung und die Sozialpartner bereits im Oktober 2026 auf eine Vereinbarung zu Offenheit, Mitbestimmung und Weiterbildung. Der norwegische Digitalisierungs- und Verwaltungsminister Torgeir Micaelsen betonte, Technologie dĂŒrfe nicht ĂŒber die Köpfe der BeschĂ€ftigten hinweg eingefĂŒhrt werden.
WĂ€hrend die NTL-Vorsitzende Kjersti Barsok und ihr Stellvertreter Eivind Norum konkrete Mitbestimmung vor der EinfĂŒhrung einfordern, rĂŒcken auch EU-weit Fristen nĂ€her: Nach Inkrafttreten der Verordnung (EU) 2026/1744 greifen ab Dezember 2027 strenge Vorgaben fĂŒr Hochrisiko-Systeme in der Personalauswahl und -fĂŒhrung.
