Gangart, US-Tech-Riesen

EU verschÀrft Gangart gegen US-Tech-Riesen

Veröffentlicht am: 04.05.2026 um 00:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die EU-Kommission weitet ihre Kontrollen gegen sieben Tech-Riesen aus. Meta und Apple drohen empfindliche Geldbußen wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen den DSA und DMA.
EU verschÀrft Gangart gegen US-Tech-Riesen Illustration mit AI erstellt.

Die EuropÀische Union hat ihre Kontrollen gegen Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, TikTok und X massiv ausgeweitet. Mehrere Milliarden Euro drohen an Strafen.

Meta und Apple im Visier der Kommission

Meta steht vor einer Zerreißprobe mit BrĂŒssel. Die EU-Kommission kam am 29. April zu dem vorlĂ€ufigen Ergebnis, dass Facebook und Instagram gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen. Der Vorwurf: Die Plattformen unternehmen zu wenig, um Kindern unter 13 Jahren die Registrierung zu verwehren. Im schlimmsten Fall droht eine Strafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Umsatzes – umgerechnet rund elf Milliarden Euro.

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Die Kommission fordert von Meta die EinfĂŒhrung robuster AltersschĂ€tzungs- oder -verifikationssysteme. Möglich wĂ€ren Verhaltensanalysen oder die Integration staatlicher Ausweise. Meta weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck – doch der Druck kommt nicht nur aus Europa. Zeitgleich beginnt am heutigen Montag in New Mexico ein Prozess, in dem die Staatsanwaltschaft weitreichende Auflagen durchsetzen will: ein Verbot der Ende-zu-Ende-VerschlĂŒsselung fĂŒr MinderjĂ€hrige, ein monatliches Nutzungslimit von 90 Stunden und die Pflicht, 99 Prozent neuer Missbrauchsinhalte zu erkennen. Meta droht damit, in bestimmten Bundesstaaten den Betrieb einzustellen.

Apple zeigt sich ebenfalls wenig begeistert von der europĂ€ischen Regulierungswelle. Am 2. Mai kritisierte Apple-Manager Kyle Andeer einen Zwischenbericht der Kommission zum Digital Markets Act (DMA) scharf. Die Behörde betreibe „Abwehrpolitik", so der Vorwurf. Dabei hat der DMA Apples Umsatz bislang nicht geschadet. Das VerhĂ€ltnis ist dennoch angespannt – nicht zuletzt wegen einer Steuernachzahlung von 13 Milliarden Euro und der Auflage, das Bezahlsystem fĂŒr konkurrierende Anbieter zu öffnen.

AI und Software-BĂŒndelung unter der Lupe

Die EU ermittelt lĂ€ngst nicht nur gegen soziale Netzwerke. Seit dem 3. Mai verschĂ€rfen die Behörden ihre PrĂŒfung von Alphabets Google – konkret geht es um die Nutzung von Daten fĂŒr das Training KĂŒnstlicher Intelligenz. Auch Microsoft steht wieder im Fokus: Die Integration von Teams in die BĂŒrosoftware-Suite wird erneut auf mögliche WettbewerbsverstĂ¶ĂŸe untersucht.

Der Datenschutz bleibt ein Schwerpunkt. Amazon wurde angewiesen, bestimmte Praktiken der Datenerfassung bei Lagerarbeitern zu unterlassen. TikTok und X stehen weiterhin unter aktiver DSA-Beobachtung. Bei X hat die Kommission bereits Schritte in Richtung einer Geldstrafe eingeleitet – geprĂŒft wird unter anderem der Umgang des Grok-Chatbots mit Nutzerdaten.

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Flankiert werden die Maßnahmen von neuen technischen Leitlinien. Der EuropĂ€ische Datenschutzausschuss (EDPB) veröffentlichte am 2. Mai aktualisierte Vorgaben fĂŒr Datentransfers in die USA. Demnach mĂŒssen Übermittlungen auf gĂŒltigen internationalen Abkommen oder spezifischen Ausnahmen der DSGVO beruhen. Der EU-US Data Privacy Framework (DPF) bleibt das zentrale Instrument, gilt aber nur fĂŒr rund 2.800 zertifizierte US-Unternehmen. Die nĂ€chste ÜberprĂŒfung ist fĂŒr 2027 angesetzt.

Einheitliche Altersverifikation und VPN-EinschrÀnkungen

Die EU treibt den Aufbau einer standardisierten digitalen IdentitĂ€tsinfrastruktur voran. Die Mitgliedsstaaten sollen bis Ende 2026 offizielle Altersverifikations-Apps bereitstellen. Ziel ist es, das Alter eines Nutzers zu bestĂ€tigen, ohne das genaue Geburtsdatum oder die IdentitĂ€t preiszugeben. Um Umgehungen zu verhindern, erwĂ€gt die Kommission laut EU-VizeprĂ€sidentin Henna Virkkunen EinschrĂ€nkungen fĂŒr VPN-Dienste. MinderjĂ€hrige sollen so nicht mehr in der Lage sein, regionale Sperren zu umgehen.

In den USA zeichnet sich parallel ein Flickenteppich ab. Am 1. Mai brachten die Abgeordneten Joyce und Guthrie den SECURE Data Act ein – ein Bundesgesetz, das die derzeitigen 20 verschiedenen Landesgesetze durch einen nationalen Standard ersetzen soll. UnterstĂŒtzt wird der Vorstoß von der US-Handelskammer und dem Einzelhandelsverband. Datenschutzorganisationen wie EPIC und CDT laufen dagegen Sturm. Sie kritisieren, dass das Gesetz keine private Klagemöglichkeit vorsieht und strengere Regelungen einzelner Bundesstaaten aushebeln könnte.

Erst im MĂ€rz unterzeichnete Oklahomas Gouverneur Stitt den Senatsentwurf 546, der ab Januar 2027 Verbrauchern das Recht auf Zugang, Korrektur und Löschung ihrer Daten bei großen Unternehmen einrĂ€umt. Oklahoma ist damit der 25. Bundesstaat mit einem eigenen Datenschutzgesetz. Maryland verbot zudem bestimmte Preispraktiken, und Connecticut treibt umfassende KI-Regulierungen voran.

SicherheitslĂŒcken und Cyberangriffe

Die Regulierungswelle fĂ€llt in eine Zeit erhöhter Cybergefahren. Microsoft und die US-Cybersicherheitsbehörde CISA warnten kĂŒrzlich vor einer SicherheitslĂŒcke in Windows (CVE-2026-32202). CISA verlangt von Bundesbehörden eine Schließung der LĂŒcke bis zum 12. Mai – sie wird bereits aktiv ausgenutzt, um an sensible Daten zu gelangen.

Auch die EU-Kommission selbst ist betroffen. Am 24. MĂ€rz entdeckten Beamte einen Cyberangriff auf die Europa.eu-Cloud-Infrastruktur. Die Hackergruppe ShinyHunters bekannte sich zu der Tat und behauptet, ĂŒber 350 Gigabyte Daten erbeutet zu haben – darunter VertrĂ€ge, E-Mails und personenbezogene Informationen. Interne Systeme der Kommission seien zwar nicht betroffen gewesen, der Vorfall zeigt jedoch die Verwundbarkeit selbst großer Institutionen.

Die globale Dimension der DatensouverĂ€nitĂ€t wurde am 3. Mai erneut deutlich: Ghana lehnte ein Gesundheitsfinanzierungsabkommen mit den USA ab – mit der BegrĂŒndung, die von amerikanischer Seite geforderten Datenzugriffsrechte seien nicht akzeptabel.

Ausblick: Ein hÀrterer Kurs

Mit dem heutigen Prozessauftakt in New Mexico und den bevorstehenden DSA-Strafentscheidungen der EU-Kommission zeichnet sich eine zunehmend konfrontative Phase ab. Die Verfahren gegen Meta und Apple werden richtungsweisend sein – fĂŒr die gesamte Digitalwirtschaft.

In den kommenden Monaten rĂŒcken die technische Umsetzung der EU-Altersverifikation und der mögliche Fortgang des SECURE Data Act in den Fokus. Unternehmen, die in beiden RechtsrĂ€umen operieren, mĂŒssen ihre Datenminimierungs- und Rechenschaftsprozesse verschĂ€rfen. Branchenbeobachter bemĂ€ngeln, dass diese Elemente in vielen Konzernen trotz der Gesetzesflut noch immer fehlen. Die Belastung fĂŒr die US-Tech-Giganten dĂŒrfte hoch bleiben – und das auf absehbare Zeit.

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