EUDR-Compliance: Schweiz, Vietnam und Großbritannien schärfen Regeln
30.06.2026 - 22:15:40 | boerse-global.de
Betroffene Branchen und internationale Partner intensivieren ihre Vorbereitungen. Vietnam diskutiert Leitlinien für die Kautschukindustrie, Großbritannien legte eigene Richtlinien vor – und große Kaffeekonzerne setzen auf Satellitentechnik.
Vietnam und Großbritannien ziehen gleich
Am heutigen Dienstag trafen sich Vertreter der vietnamesischen Kautschukindustrie zu einem Konsultationsworkshop. Ihr Ziel: die praktische Umsetzung der EUDR standardisieren und Kosten für Unternehmen minimieren. Im Fokus standen technische Details wie die Bestimmung von Grundstückskoordinaten für Flächen unter vier Hektar und die Definition von Entwaldung. Industrievertreter fordern zudem die Priorisierung offizieller Datenquellen und Entlastungen für Kleinbauern.
Einen Tag zuvor konkretisierte die britische Regierung ihre eigenen Pläne. Das Umweltministerium DEFRA legte Leitlinien vor, die sich eng am EU-Vorbild orientieren. Sie sehen obligatorische Sorgfaltspflichten für Unternehmen vor, die mehr als eine Million Pfund Umsatz mit Rohstoffen wie Holz, Rindern, Kakao, Kaffee, Palmöl, Kautschuk oder Soja erzielen.
Eine Besonderheit: Nordirland bleibt aufgrund geltenden EU-Rechts von der neuen britischen Gesetzgebung ausgenommen. Nach einer Konsultation noch in diesem Jahr wird die Verabschiedung des Gesetzes für 2027 erwartet.
Kaffeekonzerne setzen auf KI und Satelliten
Wer die neuen EUDR-Regeln für 2026 umsetzen muss, findet in diesem Report die wichtigsten Compliance-Hebel – von der Lieferketten-Überwachung bis zur Haftungsminimierung. Jetzt kostenlosen Report anfordern
Wie überwacht man komplexe Lieferketten? Kaffeekonzerne wie Tchibo oder JDE Peet's setzen zunehmend auf Hochtechnologie. Satellitendaten von Airbus und KI-gestützte Auswertungen sollen Entwaldungsrisiken frühzeitig erkennen. Der Druck ist enorm: Bei Verstößen gegen die EUDR drohen Geldbußen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes.
Die Initiative „Coffee Canopy Partnership“ startete bereits in Ostafrika. Bis 2027 soll sie global ausgeweitet werden.
Doch nicht alle sind begeistert. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte am heutigen Dienstag Nachbesserungen beim CO?-Grenzausgleich (CBAM). Kritik: hoher bürokratischer Aufwand und drohende Wettbewerbsverzerrungen. Auch Bankenvertreter äußern Bedenken. Eine Umfrage des Genoverbands unter 277 Bankvorständen zeigt: Die zunehmende Nachhaltigkeitsregulierung bremst die Kreditvergabe. Viele Firmenkunden sind mit der Datenbereitstellung überfordert.
Schweiz geht eigenen Weg bei der Haftung
Bis zu vier Prozent Umsatz Bußgeld drohen bei EUDR-Verstößen – bevor Ihre Konkurrenz auf KI-gestützte Satellitendaten setzt. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie mit konkreten Tools und Checklisten Ihre Lieferkette absichern. EUDR-Risiko-Check jetzt starten
Die EU strich im März 2026 die zivilrechtliche Haftung für Auslandstöchter – Teil ihres Omnibus-Pakets. Der Schweizer Bundesrat schlägt einen anderen Kurs ein. Ein am heutigen Dienstag vorgestellter Gesetzesentwurf zur nachhaltigen Unternehmensführung sieht eine explizite Haftung für Schweizer Konzerne vor.
Geprüft werden zwei Varianten: eine Verschuldenshaftung oder eine Geschäftsherrenhaftung. Damit geht die Schweiz bei den Sorgfaltspflichten über die aktuellen EU-Standards hinaus.
