EuropÀische SouverÀnitÀt: EU sperrt US-Cloud-Anbieter faktisch aus
05.06.2026 - 11:17:43 | boerse-global.de
Die EuropĂ€ische Kommission hat ein Gesetzespaket vorgestellt, das die AbhĂ€ngigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Technologiekonzernen massiv reduzieren soll. Das âEuropĂ€ische Paket zur technologischen SouverĂ€nitĂ€tâ umfasst unter anderem den âChips Act 2.0â sowie den âCloud and AI Development Actâ (CADA). Ziel ist es, die digitale Autonomie zu stĂ€rken und kritische Infrastrukturen vor externen Einflussnahmen zu schĂŒtzen.
Cloud-Regeln schlieĂen US-Anbieter faktisch aus
Ein zentraler Punkt des Pakets ist der âCloud and AI Development Actâ. Ăffentliche Daten mĂŒssen kĂŒnftig verstĂ€rkt in europĂ€ischen Rechenzentren gespeichert werden. DafĂŒr fĂŒhrt die EU ein vierstufiges Sicherheitssystem ein â das Cloud Cybersecurity Scheme (CCSF).
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Ab der zweiten Vertrauensstufe mĂŒssen Anbieter nachweisen, dass Drittstaaten keinen Einfluss auf ihre Dienste ausĂŒben können. Branchenexperten zufolge trifft das US-Anbieter hart: Das US-Recht gewĂ€hrt Behörden weitreichende Zugriffsbefugnisse auf Daten. In der höchsten Sicherheitsstufe ist eine vollstĂ€ndige Kontrolle durch europĂ€ische Instanzen vorgesehen.
Hintergrund ist unter anderem die Sorge vor einem sogenannten âKill-Switchâ. 2025 waren Richter des Internationalen Strafgerichtshofs zeitweise von ihren Microsoft-Konten getrennt worden.
Aktuell beherrschen drei US-Giganten ĂŒber 70 Prozent des europĂ€ischen Cloud-Marktes. Insgesamt gab die EU 2025 ĂŒber 260 Milliarden Euro fĂŒr Software aus Drittstaaten aus. Das EU-Parlament ist bereits auf die französische Suchmaschine Qwant umgestiegen.
Chips Act 2.0: Mehr Nachfrage, schnellere Verfahren
Mit dem âChips Act 2.0â reagiert die Kommission auf die stagnierenden Marktanteile in der Halbleiterproduktion â derzeit rund 10 Prozent. Bis 2030 soll sich dieser Anteil auf 20 Prozent verdoppeln.
Anders als die erste Fassung von 2023 fördert das Gesetz nun stĂ€rker die Nachfrage nach Halbleitern âMade in Europeâ. Auch die Genehmigungsverfahren fĂŒr Hersteller sollen beschleunigt werden. Das Paket sieht zudem ein âExzellenzlabelâ fĂŒr Halbleiterregionen vor.
Bis 2035 sind Investitionen von 120 Milliarden Euro geplant. Bei LieferengpĂ€ssen soll kĂŒnftig eine PrioritĂ€tenliste die Versorgung systemrelevanter Branchen sichern. EU-KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen betonte, Europa könne es sich nicht leisten, bei Technologien fĂŒr KrankenhĂ€user oder Energienetze von auslĂ€ndischen Akteuren abhĂ€ngig zu sein.
Rechenzentren: KapazitĂ€t soll sich verfĂŒnffachen
Ein weiteres Ziel: Die europĂ€ischen RechenzentrumskapazitĂ€ten sollen sich innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen. Bis 2030 soll die KapazitĂ€t von 12 auf 60 Gigawatt steigen â das erfordert Investitionen von rund 200 Milliarden Euro.
Bereits fĂŒr Juli 2026 kĂŒndigte die Kommission eine Ausschreibung fĂŒr âKI-Gigafabrikenâ an. Flankiert wird das durch eine neue Open-Source-Strategie und einen Fahrplan fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz im Energiesektor. Damit soll die Effizienz der europĂ€ischen Stromnetze steigen.
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Gemischte Reaktionen aus der Wirtschaft
Der Branchenverband Bitkom lobte die VorschlĂ€ge als Schritt in die richtige Richtung, mahnte aber: Europa mĂŒsse nun Taten folgen lassen. Der Verband der Internetwirtschaft (eco) und der US-IT-Verband CCIA warnten dagegen vor einer âdigitalen Abschottungâ. Sie befĂŒrchten eine gefĂ€hrliche Marktabschottung, die Innovationen behindern könnte.
Der CEO des Cloud-Anbieters Ionos gab zu bedenken: SouverĂ€nitĂ€t sei nicht mit vollstĂ€ndiger Autarkie gleichzusetzen. Kritiker vom Halbleiterverband ESIA merkten an, dass sich technologische FĂŒhrerschaft nicht allein durch Regulierung herbeifĂŒhren lasse. Das EU-Parlament und der Rat der Mitgliedstaaten verhandeln nun ĂŒber die konkrete Ausgestaltung.
