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Europas KI-Infrastruktur: EU-Firmen halten nur 6 Prozent des Chipmarkts

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 21:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

EU-Unternehmen stellen kleine Marktanteile, wÀhrend Ausbauvorhaben und steigender Strombedarf Europas digitale Infrastruktur herausfordern.

Europas Rechenzentren: Geringe EU-Anteile und ambitionierte AusbauplÀne
Skelett eines großen Industriebaus auf einer weiten Baustelle bei DĂ€mmerung als Symbol fĂŒr Infrastrukturentwicklung. Illustration mit AI erstellt.

EuropĂ€ische Unternehmen spielen bei der Kerninfrastruktur fĂŒr Rechenzentren und kĂŒnstliche Intelligenz derzeit nur eine untergeordnete Rolle. Laut einem aktuellen Bericht der Global Electronics Association unter dem Titel „From Chips to Systems“ halten Unternehmen aus der EuropĂ€ischen Union lediglich 6 Prozent des europĂ€ischen Halbleitermarkts fĂŒr Rechenzentren.

Bei der Fertigung und Montage von Servern liegt der europÀische Anteil bei 7 Prozent, wÀhrend auf europÀische Anbieter von Cloud-Infrastruktur 8 Prozent entfallen.

Gleichzeitig plant Europa, seine KapazitĂ€ten im Bereich der Rechenzentren innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren mindestens zu verdreifachen. Der Branchenbericht bringt diese AusbauplĂ€ne direkt mit dem europĂ€ischen Cloud and AI Development Act in Verbindung.

Dominanz auslÀndischer Hersteller und Forderungen der Industrie

Die globale Wertschöpfungskette fĂŒr Rechenzentren wird nach Erhebungen der Organisation von Akteuren außerhalb der EuropĂ€ischen Union beherrscht. Taiwan dominiere die Auftragsfertigung moderner Halbleiter, wĂ€hrend Konzerne aus SĂŒdkorea und den USA das Speichersegment anfĂŒhren.

Die Serverproduktion liege nahezu vollstÀndig in den HÀnden von US-Herstellern, wobei das chinesische Unternehmen Lenovo die einzige wesentliche Ausnahme bilde. Zugleich prognostiziert der Verband, dass Server bereits seit 2024 den wichtigsten Wachstumstreiber der gesamten Elektronikbranche darstellen und bis 2030 vor Smartphones und Automobilelektronik rangieren werden.

Angesichts dieser Ausgangslage appelliert der Verband an die europĂ€ische Politik, die GrĂ¶ĂŸe des Binnenmarkts strategisch einzusetzen. Statt auf Zölle und Handelsbarrieren zu setzen, sollten wirtschaftliche Anreize geschaffen werden, um internationale Technologie- und Fertigungsunternehmen zu Investitionen und Betriebsansiedlungen in den EU-Mitgliedstaaten zu bewegen.

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Debatte ĂŒber technologische SouverĂ€nitĂ€t und Anwendungsfokus

Die Analyse der Global Electronics Association deckt sich mit Warnungen aus Wirtschaft und Wissenschaft vor einem Verlust der europĂ€ischen HandlungsfĂ€higkeit. Ein Expertenpapier der Denkfabrik Arq Foundation beziffert den europĂ€ischen Anteil an der weltweiten Rechenleistung fĂŒr kĂŒnstliche Intelligenz auf unter 5 Prozent, wĂ€hrend die USA 75 Prozent und China 15 Prozent kontrollieren.

Zu den Unterzeichnern zĂ€hlen unter anderem Monika Schnitzer, Margrethe Vestager und Yoshua Bengio. Daan Juijn, Forschungsdirektor der Organisation, betonte, Europa verfĂŒge ĂŒber kein einziges fĂŒhrendes KI-Unternehmen und drohe ohne massive Investitionen den Anschluss zu verlieren.

In einem gemeinsamen Gastkommentar unterstrichen zudem Monika Schnitzer und Philip Fox vom KIRA Center, dass der Zugang zu technologischen Spitzenmodellen fĂŒr Cybersicherheit und Wertschöpfung unverzichtbar sei und US-ExportbeschrĂ€nkungen die bestehende Verwundbarkeit bereits verdeutlicht hĂ€tten.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger warnte vor diesem Hintergrund vor einer bedenklichen AbhĂ€ngigkeit Deutschlands von US-amerikanischen Großkonzernen und forderte eine strategische Infrastrukturpolitik sowie die Durchsetzung europĂ€ischer Digitalgesetze.

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Einen abweichenden Schwerpunkt vertritt hingegen der EU-KI-Berater Jim Hagemann Snabe. Er plĂ€diert dafĂŒr, den ressourcenintensiven Wettlauf um eigene Basisinfrastruktur und Spitzenmodelle aufzugeben und die PrioritĂ€t stattdessen vollstĂ€ndig auf den schnellen Einsatz von KI-Technologien in Industrie und Verwaltung zu legen.

Wachsender Strombedarf belastet die Energieinfrastruktur

Neben LieferkettenengpĂ€ssen stellt die Energieversorgung ein zentrales Nadelöhr fĂŒr den Ausbau europĂ€ischer Rechenzentren dar. Nach Berechnungen von J.P. Morgan, basierend auf SchĂ€tzungen der EuropĂ€ischen Kommission, könnte der Stromverbrauch von Rechenzentren in der EuropĂ€ischen Union von gegenwĂ€rtig rund 70 Terawattstunden bis zum Jahr 2030 auf etwa 115 Terawattstunden ansteigen.

Die US-Bank beziffert den zusĂ€tzlichen jĂ€hrlichen Bedarf bis Ende des Jahrzehnts auf 89 Terawattstunden gegenĂŒber 2023, wovon rund 45 Prozent auf die Iberische Halbinsel und die nordischen LĂ€nder entfallen dĂŒrften.

Die Projektpipeline an neu angekĂŒndigten Rechenzentren belief sich in Europa Ende 2025 auf 66,1 Gigawatt, wĂ€hrend sich gleichzeitig lediglich 10,8 Gigawatt im regulĂ€ren Betrieb befanden.

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