Eurozonen-Inflation, EZB-Zinserhöhung

Eurozonen-Inflation steigt wegen Iran-Krieg auf Drei-Jahres-Hoch

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 11:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Inflation im Euroraum ist im September wegen stark gestiegener Energiepreise auf 3,8 Prozent geklettert. Damit wächst der Druck auf die EZB, ihren geldpolitischen Kurs zu verschärfen.

Die Inflation in der Eurozone steigt: Die Finanzmärkte erwarten fest eine Zinserhöhung der EZB. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa
Die Inflation in der Eurozone steigt: Die Finanzmärkte erwarten fest eine Zinserhöhung der EZB. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa

Die Inflation in der Eurozone ist im September wegen hoher Energiepreise deutlich auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen.

Teuerung deutlich über EZB-Ziel

Die Verbraucherpreise legten im Jahresvergleich um 3,8 Prozent zu, wie Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im August hatte die Inflationsrate noch 3,2 Prozent betragen; höher lag sie zuletzt im September 2023.

Die Teuerung liegt damit klar über dem mittelfristigen Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent. Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die EZB die Leitzinsen in diesem Jahr ein drittes Mal anheben wird. Der Einlagenzins, der für Banken und Sparer besonders wichtig ist, würde dann auf 2,75 Prozent steigen.

Ökonomen erwarten Zinsschritt im Dezember

Als wichtigsten Grund für den Anstieg nennen Volkswirte die massiven Preiserhöhungen bei Energie. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte, Unternehmen könnten die höheren Kosten zunehmend an ihre Kunden weitergeben und damit die Inflation verfestigen.

VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel hält eine Zinserhöhung im Dezember für nahezu sicher. Bei der Sitzung im Oktober dürften die Währungshüter die Leitzinsen seiner Einschätzung nach zunächst unverändert lassen.

Öl und Sprit als zentrale Preistreiber

Die Energiepreise stiegen im September im Jahresvergleich um 18,8 Prozent, nach einem Plus von 14,3 Prozent im August. Wegen des Iran-Kriegs zogen die Rohölpreise an den Börsen kräftig an; dadurch verteuerten sich auch Benzin und Diesel.

Auch die Preise für Dienstleistungen stiegen schneller. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel erhöhte sich leicht auf 2,5 Prozent. Die EZB beobachtet diesen Wert besonders genau, weil sie verhindern will, dass der Energiepreisschub auf weitere Güter und Dienstleistungen übergreift und eine Lohn-Preis-Spirale auslöst.

Deutschland führt Tankrabatt ein

In Deutschland stieg die Inflationsrate im September auf 3,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2023. Vor allem Heizen und Tanken verteuerten sich.

Die Bundesregierung senkt deshalb von Oktober bis Jahresende die Steuern auf Kraftstoffe um rund 17 Cent je Liter. Der Tankrabatt soll Autofahrer entlasten und den Preisanstieg dämpfen.

Energiepreise setzen EZB unter Druck

Der Inflationssprung im Euroraum ist vor allem ein Energieschock. Steigende Rohölpreise verteuern zunächst Benzin, Diesel und Heizöl; anschließend können höhere Transport-, Produktions- und Versorgungskosten auf Waren und Dienstleistungen übergreifen. Genau diese zweite Runde ist für die Geldpolitik entscheidend.

Die Kerninflation von 2,5 Prozent liegt zwar deutlich unter der Gesamtteuerung, aber weiterhin über dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Damit erhält die Notenbank ein doppeltes Problem: Sie muss verhindern, dass der Energiepreisschub dauerhaft in breitere Preis- und Lohnforderungen mündet, darf zugleich aber eine konjunkturelle Abschwächung durch höhere Zinsen nicht verstärken.

Was die Entwicklung für Haushalte bedeutet

Für Verbraucher sind die Folgen unmittelbar an der Tankstelle und bei den Heizkosten sichtbar. Der angekündigte Tankrabatt in Deutschland kann die Belastung ab Oktober zeitweise mindern; er verändert jedoch nicht den internationalen Ölpreis und entlastet nicht alle Haushalte gleichermaßen.

Eine Zinserhöhung würde Kredite, Baufinanzierungen und Unternehmensdarlehen verteuern. Sparer könnten von höheren Einlagenzinsen profitieren, während Staaten und Firmen mit steigenden Finanzierungskosten rechnen müssten. Entscheidend bleibt, ob sich der Ölpreisschock abschwächt oder weitere Preisbereiche erfasst.

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