Evakuierung, Zug

Evakuierung im Zug: vida fordert jährliche Übungen für das Personal

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 20:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft verlangt verbindliche Besetzungsregeln und regelmäßige Evakuierungstrainings; der ÖBB-Vorstand sagte jährliche Übungen zu.
Leerer Eisenbahntunnel mit Schienen und Notbeleuchtung Illustration mit AI erstellt.

Die Eisenbahnergewerkschaft vida verlangt verbindliche und einheitliche Mindeststandards für die Personalbesetzung sowie für Räumungs- und Evakuierungsschulungen bei sämtlichen österreichischen Eisenbahnunternehmen.

Wie Branchenberichte von Ende Oktober 2026 zeigen, drängt die Arbeitnehmervertretung auf regelmäßige, realitätsnahe Übungen für das Zugpersonal in Notfallsituationen. Wer im Ernstfall Verantwortung für hunderte Fahrgäste trage, müsse genau wissen, was zu tun sei, betonte Gerhard Tauchner von der Gewerkschaft vida.

Hintergrund der Initiative sind Sicherheitsdebatten nach einem Zwischenfall im Wienerwaldtunnel. Die Gewerkschaft kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die behördliche Untersuchung des Vorfalls mit einem ICE durch die Oberste Eisenbahnbehörde nach 15 Monaten noch immer nicht abgeschlossen worden sei.

Mängel bei Notfallübungen und Kritik der Belegschaft

Parallel zu den gewerkschaftlichen Forderungen schlug auch der ÖBB-Betriebsrat Alarm. In einem Schreiben an das ÖBB-Management hielt die Personalvertretung fest, dass Schulungen entweder gar nicht oder zumindest nicht in ausreichendem Umfang angeboten würden.

Demnach fänden standardmäßige Evakuierungsübungen häufig nur während der Grundausbildung statt. Bei langjährigen Beschäftigten lägen diese Schulungen teilweise bereits über 20 Jahre zurück. Zudem enthalte die Grundausbildung keine strecken- und tunnelspezifischen Schwerpunkte.

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Berichten über Aussagen von ÖBB-Beschäftigten zufolge finden angekündigte praktische Trainings bislang nicht ausreichend statt. Das Zugpersonal müsse sich im Ernstfall oft weiterhin auf eigene Erfahrung und Improvisation verlassen, anstatt auf fest verankerte Routinen zurückgreifen zu können. Bei hoher Auslastung befördern ÖBB-Garnituren bis zu 1000 Fahrgäste, was die Anforderungen an Evakuierungen im Gefahrenbereich verdeutlicht.

Reaktionen des Managements und Prüfungen der Behörden

Die Unternehmensführung reagierte auf die Kritik. Der ÖBB-Vorstand sagte schriftlich zu, praktische Trainings künftig jährlich als festen Bestandteil des Dienstunterrichts durchzuführen. ÖBB-Chef Andreas Matthä verwies in einem Fernsehinterview darauf, dass bereits Nachschulungen stattgefunden hätten.

Die Umsetzung der Trainingsmaßnahmen wird durch die Oberste Eisenbahnbehörde kontrolliert, während das Verkehrsministerium die konkrete Ausgestaltung prüft. Ein Zwischenbericht der Aufsichtsbehörde hielt für den früheren Evakuierungsfall im Tunnel bereits Kommunikationsprobleme, technische Pannen und Mängel bei der Ausbildung fest.

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Personalbesetzung und Dienstzeiten im Fokus

Neben den fachlichen Schulungen sieht die Gewerkschaft vida auch strukturellen Nachholbedarf beim Thema Besetzung und Arbeitszeiten. Die Organisation verwies auf den Vergleich mit der Luftfahrt: Während dort eine feste Mindestanzahl an Flugbegleitern pro Sitzplatz gesetzlich vorgeschrieben sei, dürften im regionalen und lokalen Bahnverkehr Züge mit bis zu 500 Reisenden gänzlich ohne Zugbegleiter verkehren.

Zusätzlich fordert vida ausreichend bemessene Ruhezeiten zwischen den einzelnen Dienstschichten, um Übermüdung vorzubeugen und die Sicherheit auf der Schiene zu gewährleisten. Diese Thematik bildet auch einen zentralen Streitpunkt in den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen für die Branche.

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