EZB-Zinserhöhung im Dezember: Nagel sieht kaum einen Ausweg
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 19:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEZB-Rat prĂŒft nĂ€chsten Zinsschritt
- Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel hĂ€lt eine Zinserhöhung im Dezember fĂŒr sehr wahrscheinlich notwendig.
- Der EZB-Rat berĂ€t am 17. Dezember ĂŒber die weitere Geldpolitik.
- Der Einlagenzins liegt nach zwei Anhebungen im laufenden Jahr bei 2,5 Prozent.
Nagel erwartet EZB-Zinserhöhung im Dezember
Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel hĂ€lt eine Zinserhöhung der EuropĂ€ischen Zentralbank im Dezember fĂŒr sehr wahrscheinlich notwendig. Der EZB-Rat kommt am 17. Dezember zu seiner nĂ€chsten geldpolitischen Sitzung zusammen.
Nagel sieht kaum Spielraum
âAus heutiger Sicht dĂŒrfte (...) kaum ein Weg an einer Zinserhöhung vorbeifĂŒhren, wenn sich der Inflationsausblick nicht deutlich verbessertâ, sagte Nagel laut Redetext am Abend in Berlin. Er ist Mitglied des EZB-Rates und begrĂŒndete seine EinschĂ€tzung mit dem anhaltend hohen Inflationsdruck.
Die EZB hat die Leitzinsen im laufenden Jahr bereits zweimal angehoben. Bei ihrer Sitzung in der vergangenen Woche belieĂen die WĂ€hrungshĂŒter den fĂŒr Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins bei 2,5 Prozent.
Teuerung liegt deutlich ĂŒber EZB-Ziel
Im September lagen die Verbraucherpreise im Euroraum 3,8 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats. Das war der höchste Wert seit drei Jahren und deutlich mehr als das mittelfristige Inflationsziel der EZB von 2,0 Prozent.
Nach jĂŒngster EinschĂ€tzung der EZB mĂŒssen sich die Menschen im Euroraum bis mindestens 2027 auf eine erhöhte Teuerung einstellen. Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und verstĂ€rkt damit den Preisdruck.
Risiko einer breiteren Preiswelle
Nagel sagte, der Inflationsdruck falle inzwischen sehr wahrscheinlich höher aus als im September erwartet. Wiederholte PreisschĂŒbe bei Energie könnten auch die Preise anderer Waren und Dienstleistungen stĂ€rker nach oben treiben und zunehmend auf Lohnforderungen durchschlagen.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite, bremsen dadurch die Nachfrage und können die Inflation dÀmpfen. Zugleich belasten sie Investitionen und können die Konjunktur schwÀchen.
EZB hÀlt an Zwei-Prozent-Ziel fest
Die EZB strebt fĂŒr den inzwischen 21 LĂ€nder umfassenden Euroraum mittelfristig eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an. Bei dieser Marke sieht die Notenbank ihr wichtigstes Ziel erfĂŒllt: einen stabilen Euro und den Erhalt der Kaufkraft der Menschen zu sichern.
Die von Joachim Nagel erwartete Zinserhöhung wĂŒrde eine geldpolitische Reaktion auf den deutlichen Abstand zwischen der aktuellen Inflation und dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent markieren. Im Euroraum lag die Teuerungsrate im September bei 3,8 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie angestrebt. FĂŒr die Notenbank verschĂ€rft sich damit die Aufgabe, die Preisentwicklung zu bremsen, ohne die Konjunktur unnötig stark zu belasten.
Energiepreise als zentraler Treiber
Der aktuelle Preisdruck hĂ€ngt vor allem mit höheren Energiepreisen zusammen. Solche Schocks wirken zunĂ€chst direkt auf Kraftstoff, Heizung und Strom, können aber ĂŒber Transportkosten auch weitere Waren und Dienstleistungen verteuern. Nagel verwies zudem auf das Risiko, dass wiederholte EnergieschĂŒbe die Lohnforderungen verstĂ€rken und dadurch eine lĂ€nger anhaltende PreisaufwĂ€rtsbewegung auslösen.
Höhere Leitzinsen verteuern Kredite fĂŒr Unternehmen und private Haushalte. Das kann Investitionen, Bauvorhaben und Konsum bremsen, reduziert aber zugleich die Nachfrage und kann so den Inflationsdruck dĂ€mpfen. FĂŒr Sparer kann ein höheres Zinsniveau vorteilhaft sein, wĂ€hrend Kreditnehmer mit steigenden Finanzierungskosten rechnen mĂŒssen.
Entscheidung im Dezember
Der Einlagenzins liegt derzeit bei 2,5 Prozent; ĂŒber eine weitere Anhebung entscheidet der EZB-Rat bei seiner Sitzung am 17. Dezember. MaĂgeblich bleibt, ob sich der Inflationsausblick bis dahin verbessert. Die geldpolitische Debatte dĂŒrfte deshalb zwischen dem Schutz der Kaufkraft und den Risiken einer zusĂ€tzlichen Belastung der europĂ€ischen Wirtschaft abwĂ€gen.
n-tv: âEZB-Ratsmitglied drĂ€ngt auf weitere Zinserhöhungen im Kampf gegen Inflationâ (02.11.2026)
Der Beitrag berichtet, EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir habe fĂŒr weitere Zinserhöhungen plĂ€diert und vor einer dauerhaft hohen Inflation gewarnt. Damit bestĂ€tigt er den restriktiven Kurs, setzt den Schwerpunkt aber auf Kazimir und die Möglichkeit weiterer Schritte statt auf Nagels konkrete EinschĂ€tzung zur Dezember-Sitzung.
