Fachkräftemangel, Millionen

Fachkräftemangel: 4,3 Millionen Erwerbspersonen fehlen bis 2036

14.06.2026 - 17:15:27 | boerse-global.de

Neue IW-Prognose erwartet bis 2036 rund 4,3 Millionen fehlende Erwerbspersonen. Demografie und sinkende Zuwanderung sind die Hauptursachen.

IW Studie: Fachkräftemangel in Deutschland verschärft sich drastisch
Fachkräftemangel - Ein leerer, moderner Büroraum oder eine Fabrikhalle mit einer einzelnen älteren Person, die auf digitale Diagramme zum Arbeitskräftemangel blickt. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bis 2036 werden rund 4,3 Millionen Erwerbspersonen fehlen – 1,3 Millionen mehr als noch 2024 geschätzt.

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Demografie und Zuwanderung als Haupttreiber

Grund für die Revision sind neue Daten des Statistischen Bundesamtes. Die Forscher rechnen mit geringerer Zuwanderung und anhaltender Wirtschaftsschwäche. Die Gesamtbevölkerung soll bis 2045 auf 81,1 Millionen sinken – ein Minus von 2,9 Prozent.

Besonders dramatisch: Das Erwerbspersonenpotenzial fällt von 55 Millionen (2025) auf 51,2 Millionen im Jahr 2036. Das ist ein Rückgang um 6,9 Prozent. Bis 2045 droht ein weiteres Absinken auf 50,4 Millionen. Hauptgrund ist der Renteneintritt der Babyboomer. Nur 9,8 Millionen junge Menschen werden bis 2036 nachrücken – zu wenig, um die Abgänge zu kompensieren.

Nahles: „Demografie wirkt jetzt“

Auch die Bundesagentur für Arbeit schlägt Alarm. BA-Chefin Andrea Nahles betonte am 13. Juni 2026: Die Demografie wirke nun unmittelbar. Im laufenden Jahr sinke das Erwerbspersonenpotenzial erstmals um rund 40.000 Personen. Der langfristige Personalmangel sei ein größeres Problem als die aktuelle Arbeitslosigkeit von rund 3 Millionen Menschen.

Hinzu kommt: Deutschland verliert an Attraktivität für ausländische Fachkräfte. Die Kombination aus schwacher Wirtschaft und geringer Zuwanderung gefährdet das künftige Wachstum. Während in der Stahlindustrie aktuell Billigimporte und hohe Energiekosten Jobs kosten – Tausende Stahlarbeiter protestierten am 12. Juni in Berlin und Völklingen –, bleibt der strukturelle Fachkräftemangel das dominierende Risiko.

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Was jetzt passieren muss

Um die Lücke von 4,3 Millionen zu schließen, fordern Ökonomen schnelles Gegensteuern. Das IW setzt auf verstärkte Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Zudem müsse die Pro-Kopf-Arbeitszeit steigen – etwa durch geringere Steuern und Abgaben.

Weitere Potenziale sieht die Bundesagentur bei Frauen, Älteren und Zuwanderern. Bei Frauen ist die Erwerbsquote zwar hoch, das Arbeitsvolumen wegen Teilzeit aber oft niedrig. Parallel ändert sich das regulatorische Umfeld: Seit dem 1. Mai 2026 gilt das Bundestariftreuegesetz. Es bindet öffentliche Aufträge ab 50.000 Euro an Tariftreue – Gewerkschaften sehen aber noch Nachbesserungsbedarf, etwa bei der Weiterbildung.

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