Fachkräftemangel, Millionen

Fachkräftemangel: 4,57 Millionen Beschäftigte ohne Berufsabschluss

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz Rekord-Fachkräftemangel bauen Firmen Stellen ab und verlagern Prozesse. KI und Kostendruck treiben die Transformation.

Deutscher Arbeitsmarkt: Fachkräftemangel trifft auf Stellenabbau und KI
Ein professioneller Arbeitsplatz im Büro mit Finanzdaten auf Bildschirmen als Symbol für die Lage im Finanzwesen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird immer widersprüchlicher. Während der Fachkräftemangel ein Rekordniveau erreicht, bauen Unternehmen gleichzeitig Stellen ab und verlagern Prozesse ins Ausland. Schuld sind wirtschaftliche Unsicherheit und der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz.

Laut dem Manpower Global Manufacturing Outlook finden rund 72 Prozent der Hersteller keine ausreichend qualifizierten Talente. Besonders kritisch: Gut 60 Prozent der Beschäftigten erhielten in den vergangenen sechs Monaten kein gezieltes Training für neue Kompetenzen. Gleichzeitig befürchten 45 Prozent der Arbeitnehmer, innerhalb der nächsten zwei Jahre durch Automatisierung oder KI ersetzt zu werden.

Immer mehr Beschäftigte ohne Abschluss

Ein wesentlicher Treiber des Fachkräftemangels ist die wachsende Zahl an Geringqualifizierten. Eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zeigt: Die Zahl der Beschäftigten ohne Berufsabschluss zwischen 25 und 64 Jahren stieg von 3,76 Millionen im Jahr 2017 auf rund 4,57 Millionen im Jahr 2025. Damit haben 14 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Die Arbeitslosenquote unter Ungelernten lag im vergangenen Jahr bei über 20 Prozent – bei Menschen mit abgeschlossener Ausbildung waren es nur 3,5 Prozent. Jährlich kommen rund 100.000 Personen ohne Abschluss hinzu, doch nur ein Bruchteil beginnt eine qualifizierende Weiterbildung. Experten sehen Potenzial in Teilqualifizierungen für Lagerwesen, Verkauf und Bürotätigkeiten.

Kostendruck dominiert die Agenda

Trotz des Mangels an Spezialisten setzen viele Finanzverantwortliche aufs Sparen. Eine Deloitte-Umfrage unter 120 CFOs ergab: Für 72 Prozent steht die Kostenreduktion an oberster Stelle. Hauptbelastungen sind eine schwache Inlandsnachfrage und geopolitische Unsicherheiten.

Das zeigt sich konkret in Personalentscheidungen. Zalando baut im Bereich Finanz- und Personalprozesse in Berlin rund 150 bis 200 Stellen ab. Stattdessen entsteht ab 2027 ein neuer Standort in Bukarest mit zunächst 60 Stellen. Als Gründe nennt das Unternehmen Wettbewerb, die wirtschaftliche Lage und die wachsende Bedeutung von KI. In Erfurt schließt zudem ein Logistikzentrum mit rund 2.100 Stellen Ende September.

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KI verändert die Finanzabteilungen

Die technologische Transformation stellt die Anforderungen an Finanzabteilungen grundlegend auf den Kopf. Bildungsanbieter wie der BDO Business Campus betonen, dass Grundlagen der Buchhaltung trotz KI unverzichtbar bleiben. Technologieexperten prognostizieren aber einen Rückgang klassischer Verwaltungsrollen.

Autonome KI-Agenten erreichen laut Softwarebranche mittlerweile Genauigkeitsraten von über 95 Prozent und können komplexe Prüfprozesse ohne menschliches Eingreifen übernehmen. Die Folge: Unternehmen investieren massiv in Automatisierung – auch wenn der genaue Return on Investment in vielen Fällen noch unklar ist. In der Finanzfunktion planen derzeit nur 45 Prozent der CFOs eine zeitnahe Skalierung von KI-Lösungen.

Weniger Ausbildungsplätze im Mittelstand

Auch die Nachwuchssicherung im Mittelstand stockt. Eine Umfrage unter Familienunternehmern zeigt: 14 Prozent der Betriebe wollen im laufenden Jahr weniger Ausbildungsplätze anbieten. Als Haupthindernis nennen 54 Prozent die unzureichende schulische Vorbildung der Bewerber. Die Unsicherheit über die allgemeine Wirtschaftsentwicklung ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Bereits 2025 war die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bundesweit um zwei Prozent gesunken.

Um im Wettbewerb um Talente dennoch zu bestehen, setzen Arbeitgeber verstärkt auf Zusatzleistungen. Die betriebliche Altersvorsorge gilt dabei als zentrales Instrument: Zwei Drittel der Arbeitgeber sehen sie als wesentlichen Faktor im Fachkräftewettbewerb, für 50 Prozent der Arbeitnehmer gehört sie zu den drei wichtigsten Zusatzleistungen.

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Wechsel in den Führungsetagen

Inmitten dieser Umbruchphase gibt es auch personelle Veränderungen in den Finanzvorständen. Am 3. August 2026 übernimmt Robert Puster die CFO-Rolle beim Schuhhersteller Lloyd. Bei Wacker Neuson wird Reinhard Frisch zum 1. September neuer Finanzvorstand und folgt auf Christoph Burkhard, der das Unternehmen Ende August verlässt. Die Wechsel unterstreichen den Bedarf an erfahrener Führung in einer Phase zwischen Kostendisziplin und digitaler Transformation.

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