Spanien, Portugal

Bericht zum Blackout: Stufenweiser Ausfall vieler Anlagen

04.10.2025 - 04:00:09 | dpa.de

Fachleute haben den schweren Netzausfall auf der iberischen Halbinsel Ende April analysiert. Was die bisherigen Erkenntnisse fĂŒr die Sicherheit der europĂ€ischen Stromversorgung bedeuten.

WĂ€hrend des Blackouts sitzen GĂ€ste eines StraßencafĂ©s in der Kleinstadt PremiĂ  de Mar bei Barcelona im Licht von Taschenlampen und trinken lauwarmes Bier. (Archivbild) - Foto: Jan-Uwe Ronneburger/dpa

Dem massiven Stromausfall in Spanien und Portugal Ende April sind außergewöhnliche Spannungsschwankungen vorausgegangen. Die Phase schwerwiegender NetzausfĂ€lle begann einige Millisekunden nach 12.32 Uhr und 57 Sekunden in der Region Granada, wie aus dem Zwischenbericht eines Expertengremiums hervorgeht, den der Verband europĂ€ischer Übertragungsnetzbetreiber (Entso-E) veröffentlicht hat. In kurzer Zeit fielen stufenweise Erzeugungsanlagen auf der iberischen Halbinsel aus. Auch ein kleiner Teil Frankreichs war betroffen.

Die Ermittlung der genauen Ursache dauert den Angaben zufolge noch an. Ein Abschlussbericht solle voraussichtlich im ersten Quartal 2026 veröffentlicht werden. «Er wird eine detaillierte Ursachenanalyse und Empfehlungen enthalten, wie Ă€hnliche Ereignisse im europĂ€ischen Stromnetz in Zukunft verhindert werden können», kĂŒndigte Entso-E in BrĂŒssel an.

Bedeutendstes Ereignis seit ĂŒber 20 Jahren

Der am Freitag veröffentlichte Sachverhaltsbericht enthÀlt auf 264 Seiten eine detaillierte Beschreibung der Abfolge der Ereignisse, die im Vorfeld und im Anschluss an den Stromausfall stattfanden. Grafiken zeigen eindrucksvoll, wie die Stromversorgung am 28. April zusammenbrach. 

Vor allem lasse sich anhand der Daten ablesen, dass es eine Vorgeschichte gegeben habe, erklĂ€rte Dominik Schlipf vom Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW in Stuttgart. Auch verdeutlicht die Zusammenstellung aus Sicht des Leiters SystemstabilitĂ€t, wie komplex das europĂ€ische Verbundsystem ist. 

Der beispiellose Vorfall sei «das bedeutendste Ereignis im europĂ€ischen Stromnetz seit ĂŒber zwei Jahrzehnten», schreiben die Fachleute in dem Bericht. FĂŒr EU-Energiekommissar Dan Jorgensen macht er deutlich, dass das Energiesystem Europas vor neuen Herausforderungen stehe. 

«Wir mĂŒssen gemeinsam daraus lernen und entschlossen handeln, um solche VorfĂ€lle zu verhindern», sagte er. «Unser Lebensstil und unser wirtschaftlicher Wohlstand hĂ€ngen von einem Energiesystem ab, das nicht nur sauberer und effizienter, sondern auch sicher, zuverlĂ€ssig und widerstandsfĂ€hig ist.»

Deutschland besser im europÀischen Stromnetz verbunden

Deutschland ist nach Auskunft der vier hiesigen Übertragungsnetzbetreiber gut an die europĂ€ischen NachbarlĂ€nder angebunden. «Es ist durch seine zentrale Lage deutlich stĂ€rker vermascht als die iberische Halbinsel.» Da die Ursachen fĂŒr den Blackout in Spanien und Portugal noch nicht abschließend geklĂ€rt seien, könnten derzeit allerdings keine belastbaren Aussagen darĂŒber getroffen werden, wie ein solcher Fall konkret in Deutschland abgewickelt worden wĂ€re.

Generell sei das europĂ€ische Verbundnetz auf einen zeitgleichen Ausfall von drei Gigawatt Erzeugungsleistung ausgelegt - unabhĂ€ngig vom EnergietrĂ€ger. Sollte das passieren, bekĂ€men Verbraucherinnen und Verbraucher davon nichts mit. «Noch grĂ¶ĂŸere zeitgleiche ErzeugungsausfĂ€lle können zusĂ€tzliche Notmaßnahmen erfordern, um das System zu stabilisieren», hieß es. 

Ferner arbeiten die Unternehmen nach eigenen Angaben kontinuierlich daran, die SystemstabilitÀt zu gewÀhrleisten und das Stromversorgungssystem gegen AusfÀlle zu wappnen. Dass diese Strategie richtig sei, untermauere die bisherige Analyse des Stromausfalls Ende April, sagte Schlipf von TransnetBW.

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