WDH, RĂŒckschlag

WDH 2: RĂŒckschlag fĂŒr Peking: Taiwan wĂ€hlt China-Kritiker zum PrĂ€sidenten

14.01.2024 - 17:28:49

(fehlendes Wort ergÀnzt)TAIPEH - Nach dem Sieg von William Lai von der china-kritischen Fortschrittspartei bei der PrÀsidentenwahl in Taiwan drohen neue Spannungen mit dem mÀchtigen Nachbarn China.

(fehlendes Wort ergÀnzt)

TAIPEH (dpa-AFX) - Nach dem Sieg von William Lai von der china-kritischen Fortschrittspartei bei der PrĂ€sidentenwahl in Taiwan drohen neue Spannungen mit dem mĂ€chtigen Nachbarn China. Die WĂ€hler verhalfen der Partei zu einer historischen dritten Regierungsperiode und stimmten fĂŒr den Status quo in den angespannten Beziehungen mit der kommunistischen FĂŒhrung. Der bisherige VizeprĂ€sident Lai errang 40 Prozent der Stimmen. Im Parlament verlor seine Partei jedoch die absolute Mehrheit, was die Arbeit seiner Regierung erschweren wird. Die USA, Deutschland und weitere LĂ€nder gratulierten dem 64-JĂ€hrigen. Aus Peking kamen scharfe Töne gegen die Fortschrittspartei und die USA.

Mit 72 Prozent der 19,5 Millionen Wahlberechtigten lag die Beteiligung an der Wahl am Samstag etwas niedriger als 2020. Trotz des hitzigen Wahlkampfs konnten Lais Kontrahenten nicht mithalten. Hou Yu-ih von der china-freundlichen Kuomintang (KMT) erreichte rund 33 Prozent der Stimmen. Ko Wen-je von der populistischen Taiwanischen Volkspartei (TPP) landete bei etwa 26 Prozent. Die Demokratische Fortschrittspartei (DPP) ist damit die erste Partei in Taiwan, die dreimal in Folge eine PrÀsidentschaftswahl gewann. Lais VorgÀngerin Tsai Ing-wen durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.

Peking reagiert verÀrgert

"Wir sagen der internationalen Gemeinschaft, dass wir zwischen Demokratie und Autoritarismus auf der Seite der Demokratie stehen", sagte Lai am Samstagabend in Taipeh - ein klares Signal an China. Das angespannte VerhĂ€ltnis zu Peking war ein bestimmendes Wahlkampfthema in dem Land mit mehr als 23 Millionen Einwohnern. Die Kommunistische Partei zĂ€hlt Taiwan zum Territorium Chinas, obwohl sie die Insel im Indopazifik bislang nie regierte und Taiwan seit Jahrzehnten eine unabhĂ€ngige, demokratisch gewĂ€hlte Regierung hat. Lai rief China auf, den Frieden in der Taiwanstraße, der fĂŒr die globale Schifffahrt wichtigen Meerenge zwischen den beiden Staaten, zu wahren. Auch zeigte er sich zur Zusammenarbeit bereit.

Peking reagierte mit scharfer Kritik: Es gebe nur ein China auf der Welt und Taiwan sei ein Teil Chinas, hieß es. Der Sprecher der Behörde fĂŒr Angelegenheiten mit Taiwan, Chen Binhua, sagte, das Wahlergebnis in Taiwan zeige, dass die Fortschrittspartei nicht die Mehrheit der vorherrschenden öffentlichen Meinung reprĂ€sentiere. China werde sich "separatistischen Handlungen zu einer UnabhĂ€ngigkeit Taiwans" widersetzen. Gerade die Fortschrittspartei ist der KP ein Dorn im Auge. Die Partei steht fĂŒr eine UnabhĂ€ngigkeit Taiwans, was fĂŒr Peking ein rotes Tuch ist. Sollte die Insel diese formell erklĂ€ren, wĂŒrde China die Lage in der Taiwanstraße wohl eskalieren lassen. Lai zieht eine solche ErklĂ€rung jedoch nicht in Betracht.

Status quo gegen Ein-China-Prinzip

In Bezug auf China ist in Taiwan oft vom Status quo die Rede. Gemeint ist, dass die Volksrepublik China und die Republik China, wie Taiwan heute noch offiziell heißt, nicht zusammengehören - und in friedlicher Koexistenz leben. Peking beruft sich dagegen historisch auf einen Ein-China-Grundsatz. 1992 bekannten sich beide Seiten auch dazu, dass es nur ein China gibt, ohne es aber nĂ€her zu definieren. Nach seiner Ein-China-Doktrin erlaubt Peking seinen diplomatischen Partnern nicht, auch offizielle Beziehungen zu Taiwan zu unterhalten. Aus Angst vor dem Druck aus Peking erkennen auch nur wenige, kleinere Staaten die Inselrepublik diplomatisch an.

VerĂ€rgert reagierte Peking auch auf die ErklĂ€rung Washingtons zur Wahl. Die USA verstießen damit gegen ihre eigene Zusage, nur Kultur- und Handelsbeziehungen oder anderen inoffiziellen Austausch mit Taiwan zu unterhalten, teilte das Außenministerium mit. Dies sende "ein falsches Signal an die separatistischen KrĂ€fte" in Taiwan. Die Taiwan-Frage stehe im Zentrum der Kerninteressen Chinas und stelle die "erste rote Linie" dar, die in den US-China-Beziehungen nicht ĂŒberschritten werden dĂŒrfe.

Auch Deutschland schickt GlĂŒckwĂŒnsche zur Wahl

Als Taiwans VerbĂŒndeter und UnterstĂŒtzer im Konfliktfall gratulierten die USA dem neuen PrĂ€sidenten und betonten, sich auf die Zusammenarbeit mit Lai zu freuen. PrĂ€sident Joe Biden unterstrich jedoch, eine UnabhĂ€ngigkeit Taiwans nicht zu unterstĂŒtzen. Noch am Sonntag wurde eine informelle US-Delegation um den frĂŒheren Nationalen Sicherheitsberater Stephen Hadley und den ehemaligen Vize-Außenminister James Steinberg in Taiwan erwartet.

Die Bundesregierung kĂŒndigte an, dass Deutschland die Beziehungen zu Taipeh ausbauen möchte. Dies solle in Einklang mit der deutschen Ein-China-Politik geschehen, erklĂ€rte ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts in Berlin. "Die freien und friedlichen Wahlen in Taiwan haben erneut gezeigt, wie stark die Demokratie in Taiwan verwurzelt ist und wie sehr die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler mit demokratischen Werten verbunden sind." Deutschland unterhalte in vielen Bereichen enge und gute Beziehungen mit Taiwan. "Frieden und StabilitĂ€t in der Straße von Taiwan sind von entscheidender Bedeutung fĂŒr die Region und weit darĂŒber hinaus."

Wie geht es weiter fĂŒr Taiwan?

Beobachter rechnen zwar nicht mit einem Krieg in der Taiwanstraße. Doch erwartet Helena Legarda, Expertin fĂŒr Außen- und Sicherheitspolitik am China-Institut Merics in Berlin, eine Reaktion Chinas. "Lais Sieg wird die Spannungen in der Taiwanstraße erhöhen, und es gibt die Erwartung, dass Peking damit reagiert, den Druck auf Taiwan zu erhöhen." Möglich seien etwa MilitĂ€rĂŒbungen oder handelspolitische Zwangsmaßnahmen. Taiwan setzt auf eine Abschreckung Chinas durch AufrĂŒstung. In diesem Jahr investiert das Land, das unter anderem von den USA seine Waffen und RĂŒstung bezieht, eine Rekordsumme in seine Verteidigung.

Der Experte Chen Ming-chi von der taiwanischen National Tsinghua UniversitĂ€t rechnet damit, dass sich der Austausch mit Deutschland intensivieren wird. Die neue Administration werde versuchen, stĂ€rkere und bessere Beziehungen zu wichtigen europĂ€ischen LĂ€ndern wie Deutschland zu formen. Als Möglichkeiten sehe er parlamentarischen Austausch oder Wirtschaftsbeziehungen. Chen verwies auf die angekĂŒndigte Investition des Halbleiterspezialisten TSMC in Dresden. Die taiwanische Firma fertigt wichtige Teile fĂŒr Smartphones.

@ dpa.de