FinanzkriminalitĂ€t: Bundesregierung beschlieĂt 26-Punkte-Plan gegen Quishing
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 20:15 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Allein am heutigen Samstag wurden zehntausende gefĂ€lschte Bankbriefe mit manipulierten QR-Codes versendet. Die Bundesregierung hatte bereits am Donnerstag einen umfassenden MaĂnahmenkatalog gegen die ausufernde FinanzkriminalitĂ€t vorgelegt.
Quishing: Jede neunte Phishing-Mail enthÀlt bösartigen QR-Code
Die Bedrohungslage hat sich in der ersten JahreshĂ€lfte massiv verschĂ€rft. Beim Quishing umgehen Kriminelle mit QR-Codes die ĂŒblichen Spam-Filter. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete diese Methode einen Zuwachs von 146 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Bereits jede neunte Phishing-Mail enthÀlt einen bösartigen QR-Code. Allein im MÀrz wurden monatlich rund 18,7 Millionen Angriffsversuche registriert.
Smishing legt um 162 Prozent zu
Auch das SMS-Phishing, bekannt als Smishing, hat im zweiten Quartal deutlich zugelegt â ein Plus von 162 Prozent. Besonders im Umfeld sportlicher GroĂereignisse wie der Weltmeisterschaft stiegen die Phishing-AktivitĂ€ten zeitweise um 500 Prozent.
Die TĂ€ter agieren zunehmend professionell. Die aktuellen Briefe enthalten tĂ€uschend echte QR-Codes, die auf gefĂ€lschte Bankseiten fĂŒhren. Betroffen sind namhafte Institutionen wie die ING, die AOK und das Steuerportal Elster. Bei Elster nutzen BetrĂŒger die bevorstehende Abgabefrist Ende Juli, um Nutzer unter dem Vorwand einer Kontoaktualisierung auf prĂ€parierte Seiten zu locken.
Neue Maschen: Gestohlene Smartphones und KI-Betrug
Die Methoden gehen weit ĂŒber E-Mails hinaus. Die Deutsche Telekom warnte Mitte Juli vor einer neuen Masche nach Smartphone-DiebstĂ€hlen. TĂ€ter geben sich als Finder aus und kontaktieren die Bestohlenen ĂŒber die im âVerloren-Modusâ hinterlegten Notfallkontakte. Ziel ist der Zugriff auf Apple-ID oder Google-Konto.
KI-gestĂŒtzte Betrugsformen gewinnen an Bedeutung. Experten berichten von einer hohen Erfolgsquote beim Identifizieren von Urlaubsorten auf Fotos â perfekt fĂŒr gezieltes Social Engineering. Mitte Juli entstand bei Sky Gold durch einen Deepfake-Betrug ein Schaden von 1,3 Millionen Euro. In Sachsen wurden eine Million Euro erbeutet. Das FBI bezifferte den durch KI-Methoden verursachten Schaden in den USA fĂŒr 2025 auf rund 820 Millionen Euro.
Millionen Deutsche nutzen tĂ€glich Online-Banking per Smartphone â ohne diesen Schutz ist das gefĂ€hrlich. Experten warnen: Wer diese 5 MaĂnahmen nicht kennt, riskiert Datenverlust und finanzielle SchĂ€den. 5 sofort umsetzbare SchutzmaĂnahmen entdecken
Bundesregierung legt 26-Punkte-Plan vor
Angesichts eines geschÀtzten jÀhrlichen Schadens von rund 100 Milliarden Euro durch FinanzkriminalitÀt prÀsentierte die Bundesregierung am Donnerstag ein Strategiepapier. Es sieht unter anderem 1.500 neue Stellen bei den Sicherheitsbehörden vor.
Weitere MaĂnahmen: eine Ausweitung der Aufbewahrungspflichten auf 15 Jahre in bestimmten Bereichen und die EinfĂŒhrung eines elektronischen Mehrwertsteuersystems zur BetrugsprĂ€vention. In besonders schweren FĂ€llen sollen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren möglich sein.
International gehen Behörden verstĂ€rkt gegen die TĂ€ter-Infrastruktur vor. US-Behörden gelang die Zerschlagung des Phishing-Netzwerks âOutsiderâ, das rund 8.000 Domains betrieb und einen weltweiten Schaden von fast zwei Milliarden US-Dollar verursacht haben soll.
Gerichte stÀrken Verbraucherrechte
Die juristische Bewertung von Phishing-SchĂ€den entwickelt sich verbraucherfreundlich. Bereits im Juli 2025 urteilte der Bundesgerichtshof: Banken mĂŒssen ihren Kunden grobe FahrlĂ€ssigkeit konkret nachweisen, um die Haftung fĂŒr nicht autorisierte Zahlungen abzulehnen.
Ein aktuelles Urteil des belgischen Kassationshofs vom Juni stÀrkt diese Position. Kunden haften demnach nur dann selbst, wenn ihr Verhalten untypisch und grob fahrlÀssig ist.
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Die BaFin registrierte fĂŒr 2025 insgesamt 733 IT-SicherheitsvorfĂ€lle im Finanzsektor. 43 Prozent dieser VorfĂ€lle gingen auf Probleme bei externen Dienstleistern zurĂŒck. Ein Datenleck bei einem MĂŒnchner IT-Dienstleister fĂŒhrte im Sommer 2024 zum Abfluss von Kundendaten bei regionalen Netzanbietern wie Netze BW und Stuttgart Netze.
Branchenexperten raten Unternehmen dringend, QR-Codes nur aus verifizierten Quellen zu nutzen. Bei Betrugsverdacht: Polizei informieren und den Sperr-Notruf 116116 fĂŒr Konten nutzen.
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