Firmenpleiten, Insolvenzen

Firmenpleiten: 12.900 Insolvenzen im ersten Halbjahr 2026

04.07.2026 - 22:36:15 | boerse-global.de

Die Insolvenzzahlen deutscher Unternehmen steigen auf den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Steigende Energiekosten und strukturelle Probleme belassen die Wirtschaft in einer schwierigen Lage.

Firmenpleiten in Deutschland: Rekordhoch seit 2013
Firmenpleiten - Ein verlassener, staubiger Fabrikboden in Deutschland mit verstreuten, umgestürzten Maschinen, die den industriellen Niedergang symbolisieren. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im ersten Halbjahr 2026 meldeten rund 12.900 Unternehmen Insolvenz an – so viele wie seit 2013 nicht mehr. Statistisch gesehen gibt es alle 20 Minuten einen neuen Fall.

Warum immer mehr Betriebe aufgeben

Die Gründe sind vielfältig. Experten sehen ein ganzes Bündel an Belastungen: Nachholeffekte aus der Pandemie, strukturelle Probleme und geopolitische Spannungen setzen den Firmen zu. Besonders der Iran-Konflikt treibt die Ölpreise in die Höhe – um rund 50 Prozent. Die Energiekosten explodieren.

Das Handwerk leidet besonders. Laut Marktanalysen verzeichnete die Branche im vergangenen Jahr ein Zehnjahreshoch bei den Pleiten. Vor allem Bäcker, Metzger und Betriebe im gewerblichen Bedarf kämpfen mit sinkenden Umsätzen. Stabil zeigen sich dagegen das Kfz-Gewerbe und Teile des Dienstleistungshandwerks.

Ein gemischtes Bild bei Werbe- und Kommunikationsagenturen: 2025 markierte einen Höchststand, im zweiten Quartal 2026 zeichnete sich jedoch eine leichte Entspannung ab.

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Traditionsunternehmen in der Krise

Die Pleitewelle erfasst auch etablierte Namen. Die Weber Magdeburg GmbH hat ihre Insolvenz für Oktober 2026 angekündigt. Grund: Porsche kündigte sämtliche Lieferverträge zum Ende des dritten Quartals. Rund 140 Beschäftigte sind betroffen.

Beim Zulieferer Mahle gibt es dagegen eine Einigung. Ein Ergänzungstarifvertrag schließt betriebsbedingte Kündigungen an den Standorten Stuttgart und Kornwestheim bis Ende 2029 aus. Im Gegenzug akzeptiert die Belegschaft finanzielle Einschnitte.

Der Agrarkonzern BayWa steckt im tiefgreifenden Umbau. Banken und Großaktionäre einigten sich auf eine Verlängerung der Sanierungsfrist bis 2030. Gläubiger wandeln Schulden in Nachrangpapiere um. Zudem stehen Verkäufe von Geschäftsbereichen an – etwa bei Wärme und Mobilität.

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Deutschland verliert im Standortwettbewerb

Die Unternehmensberatung McKinsey sieht Deutschland im globalen Wettbewerb um Investitionen abgehängt. Die Nettoinvestitionen bleiben niedrig. Hohe Arbeitskosten, steigende Energiepreise und langwierige Genehmigungsverfahren schrecken ab.

Die Bundesregierung versucht gegenzusteuern. Ein neuer Deutschlandfonds soll mit staatlichen Garantien privates Kapital mobilisieren. Die Haushaltsplanung für 2027 sieht zudem eine signifikante Neuverschuldung vor – für Investitionen und Entlastungen. Steuerliche Anpassungen sollen ab 2027 greifen. Gleichzeitig sind Einsparungen in mehreren Ressorts und beim Klima- und Transformationsfonds geplant.

Eine grundlegende Trendwende bei den Insolvenzzahlen? Analysten erwarten sie frühestens 2027.

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