Firmenpleiten: IWH zählt im Oktober 1.683 Insolvenzen
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 10:17 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSArbeitsplätze und Länderwerte im Oktober
- Das IWH registrierte im Oktober 1.683 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften.
- In Hessen wurden 180 Insolvenzen und damit ein Höchstwert seit Januar 2020 erfasst.
- In den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren etwa 16.800 Arbeitsplätze betroffen.
- Im Verarbeitenden Gewerbe entfielen bundesweit rund 9.400 betroffene Arbeitsplätze auf insolvente Unternehmen.
Firmeninsolvenzen bleiben im Oktober hoch
Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland ist im Oktober leicht gestiegen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) registrierte 1.683 Fälle und damit ein Prozent mehr als im September sowie neun Prozent mehr als im Oktober 2025.
Deutlich über dem Vorkrisenniveau
Verglichen mit einem durchschnittlichen Oktober der Jahre 2016 bis 2019 liegt die Zahl der Insolvenzen um 83 Prozent höher. In Hessen wurden 180 Insolvenzen gezählt – der höchste Wert seit Beginn der IWH-Erhebungen im Januar 2020.
Mehr Arbeitsplätze betroffen
In den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen waren im Oktober etwa 16.800 Arbeitsplätze betroffen. Damit lag die Zahl 45 Prozent über dem Vormonatswert und 21 Prozent über dem Vorjahresmonat; gegenüber dem Oktober-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 hat sie sich mehr als verdoppelt.
Industrie erreicht hohen Beschäftigtenwert
Im Verarbeitenden Gewerbe waren bundesweit rund 9.400 Arbeitsplätze betroffen. Das ist der zweithöchste Wert seit Beginn der IWH-Erhebungen; nur im September 2024 lag er mit etwa 10.500 höher.
In Baden-Württemberg wurde mit etwa 6.500 betroffenen Arbeitsplätzen ein neuer Höchstwert erreicht. Zu den bekanntesten Insolvenzeröffnungen im Oktober zählten die VARTA AG und mehrere verbundene Unternehmen.
IWH erwartet Rückgang zum Jahresende
„Die Insolvenzzahlen bewegen sich weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Zudem waren im Oktober wieder deutlich mehr Arbeitsplätze betroffen als im Vormonat“, sagte Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Die Frühindikatoren ließen zum Jahresende einen Rückgang der Insolvenzzahlen erwarten.
Die Oktoberzahlen des IWH zeigen, dass die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland trotz saisonaler Schwankungen auf einem deutlich erhöhten Niveau bleiben. Mit 1.683 Fällen liegt die Zahl nicht nur über dem Vorjahreswert, sondern auch weit über dem Durchschnitt der letzten vollständigen Vorkrisenjahre 2016 bis 2019.
Besonders relevant ist die Entwicklung bei den Beschäftigten. Dass in den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen rund 16.800 Arbeitsplätze betroffen waren, weist auf eine hohe wirtschaftliche Tragweite einzelner Verfahren hin. Der Anstieg im Verarbeitenden Gewerbe konzentriert sich dabei nicht gleichmäßig auf alle Regionen, sondern trifft industrielle Zentren wie Baden-Württemberg besonders stark.
Industrie bleibt besonders belastet
Für Unternehmen wirken mehrere Belastungen zusammen: schwache Nachfrage, hohe Kosten und eine angespannte Finanzierung erschweren die Stabilisierung angeschlagener Betriebe. Insolvenzen größerer Industrieunternehmen können zudem Zulieferer, Dienstleister und ganze regionale Arbeitsmärkte mitziehen.
Die vom IWH genannten Frühindikatoren eröffnen zugleich eine vorsichtige Perspektive für die kommenden Monate. Ein erwarteter Rückgang zum Jahresende würde die Lage entspannen, aber nicht auf das Vorkrisenniveau zurückführen. Für Beschäftigte und Gläubiger bleibt entscheidend, ob Sanierungen gelingen und wie viele Arbeitsplätze bei Verfahren erhalten werden können.
