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WDH / ROUNDUP: Polen vor Regierungswechsel: Morawiecki stellt Vertrauensfrage

11.12.2023 - 08:18:06

(Formulierung 5. Absatz geĂ€ndert)WARSCHAU - Polens amtierender MinisterprĂ€sident Mateusz Morawiecki will am Montag (10.00 Uhr) eine RegierungserklĂ€rung abgeben und am Nachmittag die Vertrauensfrage fĂŒr sein neues Kabinett stellen.

(Formulierung 5. Absatz geÀndert)

WARSCHAU (dpa-AFX) - Polens amtierender MinisterprĂ€sident Mateusz Morawiecki will am Montag (10.00 Uhr) eine RegierungserklĂ€rung abgeben und am Nachmittag die Vertrauensfrage fĂŒr sein neues Kabinett stellen. Da die nationalkonservative PiS keine Mehrheit im Parlament hat, dĂŒrfte Morawieckis Kabinett bei der Vertrauensabstimmung durchfallen. Dies wiederum macht den Weg frei fĂŒr einen Machtwechsel in Polen, den die PiS lange hinausgezögert hat. Bereits am Montagabend wird das Parlament voraussichtlich den ehemaligen EU-RatsprĂ€sidenten Donald Tusk mit der Regierungsbildung beauftragen.

Bei der Parlamentswahl am 15. Oktober hatten drei proeuropÀische Parteien der bisherigen Opposition von Tusk eine klare Mehrheit von 248 der insgesamt 460 Sitze im Sejm errungen. Ein Koalitionsvertrag wurde bereits vor Wochen unterschrieben, auch die Ressortverteilung ist geklÀrt. Die PiS erhielt nur 194 Sitze und hat keinen Koalitionspartner.

Der bevorstehende Regierungswechsel in Warschau dĂŒrfte auch eine Wende in der polnischen Außenpolitik bringen. Die PiS lag wegen einer Justizreform im Dauerstreit mit BrĂŒssel. Das VerhĂ€ltnis zu Berlin befand sich auch wegen Forderungen nach Weltkriegsreparationen in Höhe von 1,3 Billionen Euro auf einem Tiefpunkt. Die drei Oppositionsparteien stehen fĂŒr einen proeuropĂ€ischen Kurs und eine versöhnlichere Politik gegenĂŒber Deutschland. Der 66-jĂ€hrige Tusk war schon von 2007 bis 2014 Polens Regierungschef.

Jedoch hatte PrÀsident Andrzej Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, den Wechsel lange hinausgezögert. Den MehrheitsverhÀltnissen im Parlament zum Trotz hatte er Morawiecki mit der Regierungsbildung beauftragt und dessen Kabinett Ende November vereidigt. Die Verfassung sieht vor, dass der Regierungschef innerhalb von 14 Tagen nach der Vereidigung die Vertrauensfrage im Parlament stellen muss. Dies wird Morawiecki nun mit Ablauf dieser Frist am Montag tun - ein praktisch chancenloses Unterfangen.

Erst wenn Morawiecki mit der Vertrauensabstimmung gescheitert ist, kommt das Parlament an die Reihe. Es kann nun im zweiten Schritt aus seiner Mehrheit heraus eine Regierung bestimmen. Voraussichtlich werden die Abgeordneten des DreierbĂŒndnisses noch am Montagabend den Auftrag zur Regierungsbildung an Tusk vergeben - beim zweiten Durchgang erfolgt die Vergabe nicht durch den PrĂ€sidenten.

Tusk hat angekĂŒndigt, dass er am Dienstagmorgen eine RegierungserklĂ€rung abgeben und nachmittags seinerseits die Vertrauensfrage stellen will. Da das DreierbĂŒndnis eine solide Mehrheit hat, wird Tusk die Abstimmung voraussichtlich bestehen.

Danach ist wieder PrĂ€sident Andrzej Duda am Zuge - er muss die Regierung Tusk vereidigen. Doch auch hier zeigt sich, dass der PrĂ€sident alles Mögliche tut, um Tusk Steine in den Weg zu legen. Zwar hieß es aus Dudas Kanzlei dazu am Samstag, der PrĂ€sident beabsichtige "keine Verzögerung", die neue Regierung könne daher am Mittwochvormittag vereidigt werden. Doch auch dieses Timing ist ein Schlag gegen Tusk, da das Datum historisch belastet ist. Am 13. Dezember 1981 verhĂ€ngte das damalige kommunistische Regime in Polen das Kriegsrecht - ein schwarzer Tag in der Geschichte des Landes.

@ dpa.de