ElektromobilitĂ€t weltweit: Technik auf vergleichbarem Niveau - MarktattraktivitĂ€t entscheidet sich ĂŒber Infrastruktur, Preis und Vertrauen
27.05.2025 - 07:15:00WĂ€hrend der technologische Fortschritt von Elektrofahrzeugen weltweit auf hohem und vergleichbarem Niveau angekommen ist, entscheiden heute andere Faktoren ĂŒber die AttraktivitĂ€t von MĂ€rkten und die Kaufentscheidung potenzieller Kundinnen und Kunden. Der neue AttraktivitĂ€tsindex ElektromobilitĂ€t 2025 von BearingPoint und dem Handelsblatt Research Institute vergleicht erstmals die vier groĂen Auto-MĂ€rkte China, Deutschland, Frankreich und die USA. Ziel des Index ist es, auf Basis objektiver Daten sowie einer jeweils lĂ€nderspezifischen Umfrage unter Autofahrerinnen und Autofahrern zu bewerten, wie attraktiv batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) in einem bestimmten Markt wahrgenommen werden - und welche Faktoren den Markterfolg dort maĂgeblich beeinflussen.
Mit einem Indexwert von 133,5 Punkten (Basiswert 100) fĂŒhrt China das Ranking an, gefolgt von den USA (114,4), Deutschland (108,4) und Frankreich (94,6). Die technologische Basis der angebotenen E-Fahrzeuge - darunter Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Verbrauch - nĂ€hert sich bei einer Vielzahl der Modelle in allen vier LĂ€ndern an. Der Wettbewerb verlagert sich deshalb zunehmend weg von der Technik selbst hin zu infrastrukturellen und politischen Rahmenbedingungen sowie zum Vertrauen in Marken.
"Chinas Vorsprung ist strategisch fundiert - aber nicht uneinholbar. Er resultiert aus jahrelangen politischen MaĂnahmen, massiver Förderung einheimischer Automobilhersteller, gezielter Marktregulierung und konsequentem Technologietransfer. Europa bleibt konkurrenzfĂ€hig, wenn es innovationsfreundliche Rahmenbedingungen schafft, internationale MĂ€rkte fĂŒr europĂ€ische Hersteller zugĂ€nglich hĂ€lt, schneller reguliert und fördert und den Fokus auf QualitĂ€t, Digitalisierung und Nachhaltigkeit beibehĂ€lt", kommentiert Dr. Sven Jung, Director Economic Analysis & Financial Planning des Handelsblatt Research Institute.
Ladeinfrastruktur entscheidet ĂŒber Alltagstauglichkeit
Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung der Ladeinfrastruktur: In China und Deutschland profitieren BEV-Kundinnen und -Kunden von einer hohen Dichte öffentlicher Ladepunkte. Diese bietet nicht nur im urbanen Raum, sondern auch in der FlĂ€che die notwendige Versorgungssicherheit. In Frankreich und den USA hingegen bleibt das Ladenetz insbesondere in lĂ€ndlichen Regionen und in GroĂstĂ€dten ohne private Lademöglichkeiten lĂŒckenhaft, was die Alltagstauglichkeit und somit die Marktdurchdringung erheblich einschrĂ€nkt.
"FĂŒr die Alltagstauglichkeit einer Ladeinfrastruktur kommt es insbesondere auf zwei Punkte an: Die Ladeinfrastruktur sollte so ausgebaut sein, dass sie bei der Routenplanung der Autofahrerinnen und Autofahrer keine Rolle spielt. AuĂerdem sind Schnellladepunkte entscheidend, damit auch der Ladevorgang an sich keinen groĂen Zeitverlust darstellt", so Dr. Sven Jung.
MonetÀre Aspekte sind ebenfalls sehr wichtig, werden aber stark von der Politik getrieben
Die Ergebnisse des Index zeigen auĂerdem, dass monetĂ€re Aspekte - also Fahrzeugpreis und Stromkosten - nach wie vor eine zentrale Rolle bei der Kaufentscheidung spielen. In China sind Elektroautos besonders gĂŒnstig, was auf staatliche Förderprogramme, niedrige Strompreise und Kostenvorteile durch Massenproduktion zurĂŒckzufĂŒhren ist. In Deutschland hingegen erschweren hohe Stromkosten und der Wegfall der KaufprĂ€mie die MarktattraktivitĂ€t fĂŒr BEVs. ZusĂ€tzlich schwĂ€chen hohe EU-Zölle die WettbewerbsfĂ€higkeit chinesischer Modelle. Als Reaktion investieren Hersteller wie BYD und Leapmotor in europĂ€ische Produktionsstandorte.
"Preis, PrĂ€mie, Power: E-MobilitĂ€t wird erst dann zum Massenmarkt, wenn Kaufanreize, Ladeinfrastruktur und faire Strompreise zusammenkommen - hier ist auch der Staat gefragt. Besonders in Deutschland könnten eine gezielte WiedereinfĂŒhrung von KaufprĂ€mien, steuerliche Anreize zur Strompreisregulierung sowie ein forcierter Ausbau der Ladeinfrastruktur kurzfristig groĂe Wirkung zeigen. Mittelfristig sind die Förderung bezahlbarer BEV-Modelle in Kombination mit OEM-Innovation und Skalierung sowie Investitionen in Halbleiter, Batteriezellenproduktion, Recycling und der Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten entscheidend, um Deutschland wieder an die Weltspitze der ElektromobilitĂ€t heranzufĂŒhren", erklĂ€rt Manuel Schuler, globaler Leiter Automotive bei BearingPoint.
Auch das Vertrauen ist ein nicht zu unterschÀtzender Erfolgsfaktor
Auch das Vertrauen in Hersteller spielt eine zentrale Rolle - vor allem im internationalen Markenvergleich. In allen vier untersuchten MĂ€rkten schneiden heimische Marken am besten ab: VW fĂŒhrt in Deutschland, Renault in Frankreich, Tesla in den USA und BYD in China. BYD erzielt dabei mit 155,9 Punkten den höchsten Einzelwert im AttraktivitĂ€tsindex. In fremden MĂ€rkten hingegen verlieren diese Hersteller deutlich an AttraktivitĂ€t. Das zeigt, wie stark regionale Markenbindung und Vertrauen die Kaufentscheidung beeinflussen. Besonders chinesische Hersteller wie BYD oder MG haben in Europa trotz technischer Reife mit Imageproblemen zu kĂ€mpfen. Der Vertrauensvorsprung deutscher Marken - insbesondere im Premiumsegment - bleibt ein strategisches Kapital, das jedoch zunehmend unter Druck gerĂ€t, insbesondere bei jĂŒngeren und markenoffeneren KĂ€ufergruppen.
"Chinesische OEMs sind technisch konkurrenzfĂ€hig, aber sie benötigen Vertrauensaufbau durch bessere Markenarbeit und eine verlĂ€ssliche lokale PrĂ€senz. Der erfolgreiche Markteintritt gelingt ĂŒber langfristige PrĂ€senz, wettbewerbsfĂ€hige Preise, ein gutes VerstĂ€ndnis fĂŒr lokale KundenbedĂŒrfnisse und eine an den Markt angepasste Markenstrategie. Nur so können sie ihre gute technische QualitĂ€t in tatsĂ€chlichen Markterfolg umwandeln", so Manuel Schuler.
Implikationen fĂŒr deutsche Autohersteller: Vom Produkt zur Nutzererfahrung
Trotz derzeitiger Herausforderungen bieten deutsche Hersteller noch immer ein starkes Angebot, auch im BEV-Bereich. Bereits in der 2024-Auflage des AttraktivitĂ€tsindex ElektromobilitĂ€t lagen mit VW, Audi und Mercedes drei deutsche Marken an der Spitze des AttraktivitĂ€tsindex fĂŒr den deutschen Markt. Bei der zweiten Auflage zeigt sich, dass die deutschen Hersteller die AttraktivitĂ€t ihrer Angebote weiter steigern konnten. VW kommt demnach auf einen Wert von 122,1 (2024: 111,5), Audi folgt mit 118,2 (111,3) und Mercedes liegt auf Platz drei mit 117,9 (110,9) Punkten. ErgĂ€nzt um BMW und Porsche liegen nun auf den ersten fĂŒnf PlĂ€tzen nur deutsche Marken.
Doch das Momentum verÀndert sich. Neue Anbieter - allen voran aus China - holen rasant auf.
"FĂŒr deutsche Automobilhersteller bedeutet der Wandel im globalen BEV-Markt eine grundlegende strategische Neuausrichtung. Sie mĂŒssen ihre StĂ€rken in QualitĂ€t und Markenimage in ganzheitliche Nutzererlebnisse ĂŒbersetzen Die Zeiten, in denen sich ein Wettbewerbsvorteil allein ĂŒber Fahrzeugtechnik wie Reichweite, Ladegeschwindigkeit oder Fahrleistung erzielen lieĂ, sind vorbei. ZukĂŒnftig zĂ€hlt vor allem das Gesamterlebnis: digitale Services, einfache Ladeprozesse, verlĂ€sslicher Kundendienst und alltagstaugliche MobilitĂ€tslösungen. Ebenso mĂŒssen Infrastrukturdefizite in AuslandsmĂ€rkten gezielt kompensiert werden - etwa durch Heimladelösungen oder Kooperationen mit lokalen Partnern. Im Heimatmarkt Deutschland gilt es, den Marktzugang durch wettbewerbsfĂ€hige Preise, optimierte Kostenstrukturen und attraktive Leasing- und Serviceangebote zu sichern. Gleichzeitig erfordert der zunehmende Wettbewerb durch chinesische Anbieter eine kontinuierlich hohe Innovationsgeschwindigkeit und KundennĂ€he. Wer hier ĂŒberzeugt, gewinnt den Markt", resĂŒmiert Manuel Schuler.
Ăber die Studie
Der AttraktivitĂ€tsindex ElektromobilitĂ€t wurde erstmals 2024 von BearingPoint und dem Handelsblatt Research Institute fĂŒr Deutschland erstellt. Er bildet die AttraktivitĂ€t batterieelektrischer Pkw (BEV) fĂŒr potenzielle KĂ€uferinnen und KĂ€ufer in einem Markt ab. Im Jahr 2025 wurde er nun zusĂ€tzlich auch fĂŒr China, Frankreich und die USA berechnet.
Grundlage fĂŒr den AttraktivitĂ€tsindex ElektromobilitĂ€t sind neben einer Umfrage unter Autofahrerinnen und Autofahrer im jeweiligen Land zum Vertrauen in die QualitĂ€tsversprechen und zum digitalen Innovationsgrad der Hersteller ebenfalls Parameter wie etwa Preis, Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Stromkosten pro 100 Kilometer und LadesĂ€ulendichte, die nach der Bedeutung fĂŒr die Kaufentscheidung unterschiedlich gewichtet werden. Bewertet werden hierfĂŒr Fahrzeugmodelle unterschiedlicher Hersteller, die aktuell oder kĂŒnftig im jeweiligen Land gefragt sind und welche die verschiedenen Preissegmente abbilden. Dabei ist ein Teil des Herstellersets mit VW, BMW, Mercedes, Porsche, Tesla und BYD (nicht in den USA verfĂŒgbar) in allen vier LĂ€ndern identisch.
Ăber das Handelsblatt Research Institute (HRI)
Das Handelsblatt Research Institute (HRI) ist ein unabhĂ€ngiges Forschungsinstitut unter dem Dach der Handelsblatt Media Group. Es erstellt wissenschaftliche Studien im Auftrag von Kunden wie Unternehmen, Finanzinvestoren, VerbĂ€nden, Stiftungen und staatlichen Stellen. Dabei verbindet es die wissenschaftliche Kompetenz des 20-köpfigen Teams aus Ăkonom:innen, Sozial- und Naturwissenschaftler:innen, Informationswissenschaftler:innen sowie Historiker:innen mit journalistischer Kompetenz in der Aufbereitung der Ergebnisse. Es arbeitet mit einem Netzwerk von Partner:innen und Spezialist:innen zusammen. Daneben bietet das Handelsblatt Research Institute Desk-Research, Wettbewerbsanalysen und Marktforschung an.
Ăber BearingPoint
BearingPoint ist eine unabhĂ€ngige Management- und Technologieberatung mit europĂ€ischen Wurzeln und globaler Reichweite. Das Unternehmen agiert in drei GeschĂ€ftsbereichen: Consulting, Products und Capital. Consulting umfasst das klassische BeratungsgeschĂ€ft mit dem Dienstleistungsportfolio People & Strategy, Customer & Growth, Finance & Risk, Operations sowie Technology. Im Bereich Products bietet BearingPoint Kunden IP-basierte Managed Services fĂŒr geschĂ€ftskritische Prozesse. Capital deckt die AktivitĂ€ten im Bereich M&A, Ventures, und Investments von BearingPoint ab.
Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit fĂŒhrenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstĂŒtzt Kunden in ĂŒber 70 LĂ€ndern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen fĂŒr einen messbaren und langfristigen GeschĂ€ftserfolg.
BearingPoint ist eine zertifizierte B Corporation, die hohe soziale und ökologische Standards erfĂŒllt.
Weitere Informationen:
Homepage: www.bearingpoint.com
LinkedIn: www.linkedin.com/company/bearingpoint
Pressekontakt:
Alexander Bock
Global Senior Manager Communications
Tel: +49 89 540338029
E-Mail: alexander.bock@bearingpoint.com
Original-Content von: BearingPoint GmbH ĂŒbermittelt durch news aktuell


